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Aus dem Spital
10.  Jan 2019

Meine Schicht auf der Zentralen Notfallstation

Sie ist so etwas wie das Epizentrum des Spitals: Die Zentrale Notfallstation (ZNS). Es ist der Ort, wo Verletzte und Kranke die Erstversorgung erhalten. Es ist der Ort, wo die einen warten und die anderen in der grössten Hektik einen klaren Kopf behalten müssen. Und es ist der Ort, wo die Wartenden froh sein sollten, warten zu müssen.

So ganz unbekannt ist mir die Notfallstation nicht: Schliesslich war ich selber schon mal da – zwei Tage nachdem ich meinen Arbeitsvertrag im Kantonsspital Graubünden unterschrieben hatte, stürzte ich mit dem Mountainbike und durfte neben dem Notfall dann grad auch noch den Operationssaal testen – auch mit dem Grosi meiner Frau war ich schon da.

Aber dieses Mal sollte es anderes sein: für diese Schicht sollte ich ein Teil des Teams der Zentralen Notfallstation werden. An einem Tag mit schönem Wetter und vielen, die noch Ski-Ferien hatten. Es kam so, wie es an solchen Tagen sehr oft kommt: Es gab viel zu tun.

Der Start

Zwei Monitore mit den Vitaldaten aus den Kojen

Zwei Monitore mit den Vitaldaten aus den Kojen

Um 14.30 Uhr melde ich mich zum Dienst. Der stv. Pflegeleiter Steffen teilt mir eine Expertin Notfallpflege zu, Helen wird heute meine Chefin sein. Wir übernehmen die Patienten von der Frühschicht. Die beiden Profis tauschen sich aus und ich verstehe nicht mehr ganz alles. Ist auch nicht nötig, schliesslich bin ich für Helferdienste da. Was ich aber verstehe: Jeder Patient wird einer Pflegekraft zugeteilt, die danach bis zu seiner Entlassung nach Hause oder der Verlegung auf die Bettenstationen resp. in den Operationssaal für ihn verantwortlich ist. Dasselbe bei den Ärzten, wobei dort noch zwischen medizinischen und chirurgischen Fällen unterschieden wird und sich die jeweiligen Spezialisten um „ihre“ Fälle kümmern.

Bis zu diesem Zeitpunkt sind bereits 40 Notfälle behandelt worden. Unser erster Fall ist der 41ste an diesem Tag. Ein Skiunfall. Zwar mit Bruch, aber ein unkomplizierter. Helen macht die Anamnese und bespricht sich mit dem Arzt.

Die Ahas und der Tipp

Fellschuh für Personen mit einer Minderdurchblutung an den Füssen.

Fellschuh für Personen mit einer Minderdurchblutung an den Füssen.

Ich lerne viel an diesem Tag. Zum Beispiel, dass ich richtig verstanden habe, dass wir nun einen Fellschuh brauchen. Genau: einen Fellschuh. Den brauchen Personen mit einer Minderdurchblutung an den Füssen. So lässt sich das Wundliegen der Füsse vermeiden. Ich lerne wie die Rohrpost funktioniert: Blutprobe in das Transportgefäss einlegen, Adresse eintippen und ab geht die Post. Beeindruckend ist auch die Kommandozentrale: Auf einem Bildschirm sieht die Schichtleitung alle Vitaldaten aus den Kojen. Auf einem noch grösseren Monitor sind die restlichen Daten eines jeden Patienten ersichtlich: Triage-Einstufung (Priorisierung gemäss medizinischer Dringlichkeit), Eintreffen, zuständiger Pfleger, zuständige Ärztin, etc.

Und hier erhalte ich den wichtigsten Tipp des Tages: „Immer, wenn Du die Möglichkeit hast, auf einen Stuhl zu sitzen, tu es! – Sonst schaffst Du die Schicht nicht.“ Ich werde im Verlauf meiner Schicht feststellen, wie wichtig dieser Tipp ist. Was mir auch noch auffällt: Eine Kollegin fragt die Schichtleiterin um 16.15 Uhr, ob sie jetzt kurz zum „Mittagessen“ könne. So ist das halt bei Schichtarbeit.

Die Arbeit

Immer wieder wird Rat bei den Experten aus den Fachbereichen im KSGR geholt.

Immer wieder wird Rat bei den Experten aus den Fachbereichen im KSGR geholt.

Immer wieder erscheinen neue Patienten auf der Zentralen Notfallstation, alle werden einer bestimmten Pflegekraft zugeteilt. Ich bin fest eingespannt. Ich helfe beim Umbetten, stütze Patienten beim An- und Ausziehen, bringe leere Urinflaschen in die Kojen und die vollen wieder weg. Oft spreche ich einfach mit den Patienten. Bei ausländischen Touristen kann ich mit Englisch helfen.

Um etwa 20.00 Uhr machen wir kurz Pause und essen etwas. Danach gehe ich in die Ärztebüros auf der ZNS und erlebe live, wie die Kolleginnen und Kollegen einzelne Fälle besprechen und sich auch immer wieder Rat bei den Experten aus den Fachbereichen im KSGR holen. Dieses Teamwork und diese Interdisziplinarität sind beeindruckend.

Genauso beeindruckend ist auch das Teamwork bei der Pflege: Alle unterstützen sich gegenseitig und die Schichtleitung behält auch in der grössten Hektik den Überblick. Einen klaren Kopf behalten alle, ganz egal, wie hektisch es wird. Eine gewisse Coolness gehört wohl zur Grundausstattung aller Leute, die auf der ZNS arbeiten.

Geschafft

Die Kojen auf der ZNS leeren sich.

Die Kojen auf der Zentralen Notfallstation leeren sich.

Zwischen 21 und 22 Uhr wird es ruhiger – die Kojen leeren sich. Es kommen kaum mehr neue Patienten. Meine Schicht habe ich um etwa 22.30 Uhr geschafft – und sie mich. Jetzt will ich nur noch nach Hause. Umziehen, Kleider in die Reinigung, Verabschiedung. Im Bus und auch daheim denke ich über den Tag nach. Viele Bilder, viele Situationen bleiben im Kopf und ich merke, dass so ein Tag auch immer einiges an Verarbeitung braucht.

Deswegen ziehe ich meinen Hut vor allen Kolleginnen und Kollegen auf der Zentralen Notfallstation. Sie machen jeden Tag einen hervorragenden Job und das in der grössten Hektik, unter Druck und auch mal im Fadenkreuz von Patienten und – eher noch mehr – deren Angehörigen. Meist wollen die wissen, warum sie warten müssen. Wie lange sie noch warten müssen. Und überhaupt: es gehe eh schon viel zu lange.

Umziehen, Kleider in die Reinigung, Verabschiedung.

Umziehen, Kleider in die Reinigung, Verabschiedung.

Dazu kann ich eigentlich nur zwei Dinge sagen: Das Team macht, was es kann. Wartezeiten lassen sich nicht vermeiden. Und noch viel wichtiger: Wer warten muss, sollte sich nicht beschweren, sondern froh sein. Das bedeutet, dass es einem im Vergleich zu den anderen Patienten auf der ZNS besser geht. Also durchatmen, Geduld haben und froh sein, dass man nicht zu den Schwerverletzten oder Schwerkranken gehört, die zuallererst behandelt werden müssen.

Weitere Informationen zur Zentralen Notfallstation des Kantonsspitals Graubünden finden Sie unter

www.ksgr.ch/notfallstation

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