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Gesundheit
20.  Jun 2019

Über Ihre Gesundheit unter Wasser

Die Sommerferien stehen vor der Tür und damit für viele auch die nächsten Ferien am Meer. Ein Highlight dabei: das Erkunden der bunten Unterwasserwelt. PD Dr. med. Tsogyal Latshang, Chefärztin für Pneumologie und Schlafmedizin sowie Spezialistin für Tauchmedizin am Kantonsspital Graubünden (KSGR), erklärt, was das Tauchen für den menschlichen Körper bedeutet und was zu beachten ist. Denn beim Tauchen setzen wir unseren Körper einem Überdruck aus, der Auswirkungen auf alle Organe und deren Funktionen hat.

Der Wasserdruck auf den Körper nimmt pro zehn Meter Tiefe um ein Bar zu. Bei einer Tauchtiefe von 20 Metern wirkt somit ein Druck von drei Bar auf den menschlichen Körper. zwei Bar durch die Tauchtiefe sowie ein Bar durch den normalen atmosphärischen Druck auf Meereshöhe, dem man auch ausserhalb des Wassers ausgesetzt ist. Drei Bar entsprechen einem Druck von drei Kilogramm auf einer Fläche von einem Quadratzentimeter.

Tauchmedizin

Beim Abtauchen geraten Gase in das Gewebe. Diese müssen beim Auftauchen
abgeatmet werden können (Bild: Michele Donnicola)

Was passiert mit dem Körper unter Wasser?
«Der Überdruck führt zu Veränderungen im ganzen Körper, unsere Organe reagieren unterschiedlich darauf», beschreibt PD Dr. Latshang die Auswirkungen des Tauchens. Während des Abtauchens geraten vermehrt Gase (z.B. Stickstoff) ins Blut und Gewebe des Körpers. Je tiefer man taucht, umso mehr Gase lagern sich im Körper ein. Wenn man wieder auftaucht, müssen diese Gase abgeatmet, also über die Atemluft abgegeben werden. Je tiefer man taucht, desto länger dauert es, bis dieser Prozess abgeschlossen ist. Man kann deshalb nicht beliebig schnell auftauchen — man muss sich nach speziellen Tauchtabellen richten, die aufzeigen, wie schnell man auftauchen darf.

Bläschen vermeiden
Hält man sich nicht an Tauchtabellen und steigt zu schnell auf, kann eine Dekompressionserkrankung entstehen. «Durch zu schnelles Auftauchen bilden sich Bläschen in den verschiedenen Geweben des Körpers. Diese können unterschiedliche Symptome auslösen: Bläschen im Rückenmark führen zu Lähmungserscheinungen; in der Haut führen sie zu Ausschlägen, sogenannten Taucherflöhen; in den Gelenken führen sie zu Schmerzen und im Hirn können sie einen Hirnschlag hervorrufen», beschreibt PD Dr. Latshang die typischsten Symptome der Dekompressionskrankheit. Es ist also wichtig, sich strikt an die Tauchtabellen zu halten, um die Blasenbildung im Körper zu vermeiden.

Um der Taucherkrankheit vorzbeugen ist es wichtig, sich strikt an die Tauchtabelle zu
halten. (Bild: Michele Donnicola)

Diagnose mit Hindernissen
Die Dekompressionskrankheit ist nicht so einfach festzustellen, denn die Symptome können auch auf andere Krankheitsbilder hindeuten. «Die Anamnese, also die Befragung durch den behandelnden Arzt, und die Auswertung des Tauchprofils sind zentral, um eine Diagnose stellen zu können», betont PD Dr. Latshang. Sie schildert einen Fall bei dem das Tauchprofil unauffällig war. Erst bei der genauen Befragung wurde klar: die Taucherin war so sehr auf das Fotografieren konzentriert, dass sie vergas, beim Auftauchen regelmässig zu atmen. So blieben – trotz richtigem Tempo beim Auftauchen – zu viele Bläschen im Körper zurück.

Therapie in der Druckkammer
Je nach Schwere und Verlauf der Symptome muss abgewogen werden, ob der Patient in einer Druckkammer therapiert werden soll oder ob abgewartet werden kann, bis die Bläschen auf natürliche Weise wieder verschwinden. In der Druckkammer wird der Körper der Patientin nochmals in die Situation des Tauchgangs und den dort herrschenden Überdruck versetzt. Durch langsames «wiederauftauchen» mit durch Sauerstoff angereicherter Luft bleibt Zeit, dass sich die Gase langsam umwandeln und abgeatmet werden können. Der Sauerstoff spielt dabei eine wichtige Rolle, da er sich einfacher umwandelt als andere Gase in der Atemluft, insbesondere Stickstoff. Durch diesen, mehrere Stunden dauernden, Vorgang minimieren sich die Bläschen im Körper und die Symptome verschwinden. Auch wenn die Therapie mit der Druckkammer am KSGR nicht angeboten wird, können sich Patienten mit Symptomen der Dekompressionskrankheit für Abklärung und Diagnose an die Experten am KSGR wenden.

Vorsicht ist besser als Nachsicht
Bei Atembeschwerden oder Problemen nach Tauchgängen wird empfohlen, bereits vor der nächsten Reise eine detaillierte Tauchtauglichkeitsabklärung zu machen. «Wir bieten eine Spezialsprechstunde für Gebirgs- und Höhenmedizin, Reisemedizin und Tauchmedizin an, in der sich Reiselustige bezüglich verschiedener Aspekte der Reise beraten lassen können.», erläutert PD Dr. Latshang das interdisziplinäre Angebot.

Aber auch mit vorangehender Tauchtauglichkeitsabklärung, ist es wichtig, dass man sich an bestimmte Vorsichtsmassnahmen hält.

Tipps von PD Dr. med. Tsogyal Latshang:

  • Nur bei bester Gesundheit tauchen: Eine unscheinbare Erkältung oder Ohrenentzündungen können den Druckausgleich verunmöglichen.
  • Strikt an den Tauchplan halten: Zu langes Tauchen oder zu schnelles Auftauchen müssen vermieden werden, um der Bildung von Bläschen vorzubeugen.
  • Nach dem Tauchgang viel trinken: Durch den Überdruck verliert der Körper viel Wasser und die trockene Atemluft entzieht dem Körper zusätzlich Flüssigkeit.
  • Nach dem Tauchgang keinen Sport treiben oder heiss duschen: Die Anregung des Kreislaufs kann dazu führen, dass sich viele kleine Bläschen bilden, die dann länger brauchen, um abgebaut zu werden.
  • Vor dem Tauchgang keine Medikamente einnehmen: Es ist oft nicht erforscht, wie sich die Medikamente unter Überdruck verhalten. Das kann zu unerwarteten Reaktionen führen.
  • Mindestens ein Tag zwischen dem letzten Tauchgang und dem Rückflug: Sollten sich direkt nach dem Tauchgang noch einige Bläschen im Körper befinden, könnten diese beim Unterdruck im Flugzeug die Dekompressionskrankheit verstärken oder gar erst hervorrufen. Es ist daher wichtig. einen Tag abzuwarten, bis sich die Bläschen abgebaut haben.

Weitere Informationen zur Pneumologie am KSGR finden Sie unter www.ksgr.ch/pneumologie

1 Kommentar
23.  Jun 2019

Lutz Brandt

Vielen Dank euch, Tsogyal + Michele für den Blogbeitrag zum Tauchen. Auch wenn man meinem mag, es seien „bekannte“ Basics, kann man sich nicht oft genug darüber informieren und sich diese Basics vergegenwärtigen. Dekompressionskrankheiten sind allein durch korrektes Verhalten unter Wasser (fast) vermeidbar. Danke duch und liebe Grüsse, Lutz (vielleicht gibt es gar weitere Beiträge zum Tauchen...?) ;-)

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Ansprechpartner

PD Dr. med. 
Tsogyal Latshang

Chefärztin, Leiterin Pneumologie/Schlafmedizin

Tel.+41 81 256 63 51

Fax.+41 81 256 76 49

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