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Aus dem Spital
13.  Jul 2018

MPA-Weiterbildung in Sachen Kinder- und Jugendmedizin

Um sich gegenseitig besser kennenzulernen und die Zusammenarbeit zu verbessern, finden für medizinische Praxisassistentinnen und -assistenten (MPA) aus der Region regelmässig Weiterbildungsanlässe im Kantonsspital Graubünden (KSGR) statt. Mitte Juni präsentierte sich den MPA die Kinder und Jugendmedizin des KSGR. Neben der fachlichen Weiterbildung stand auch der Austausch untereinander im Zentrum.

Rund 75 MPA aus der Region trafen sich am 13. Juni 2018 im Hörsaal des KSGR in Chur. Eingeladen hatten der Schweizerische Verband Medizinischer Praxisassistentinnen (SVA) und das KSGR, vertreten durch Verena Zimmermann, Leiterin Kommunikation Behandlungspartner und PD Dr. med. Thomas Riedel, Chefarzt des Departements Kinder- und Jugendmedizin. Für Zimmermann war es der letzte MPA-Anlass am KSGR vor ihrem Stellenwechsel. Sie nutzte die Gelegenheit, den MPA ihren Nachfolger Nicola Thurneysen vorzustellen.

Vom Frühgeborenen bis zum jungen Erwachsenen

MPA-Weiterbildung auf der KIPS

MPA-Weiterbildung auf der Kinderklinik mit PD Dr. med. Thomas Riedel.

Der Stellvertretende Chefarzt der Kinderklinik, Dr. med. Christian Mann eröffnete danach den offiziellen Anlass mit seinem Vortrag zum Thema «Triage – der Einteilung von Patienten nach Dringlichkeit und Lebensbedrohung». In der Kinder- und Jugendmedizin habe man es mit sehr unterschiedlichen Fällen zu tun. Vom Frühgeborenen bis zum 90 Kilo schweren jungen Erwachsenen sei alles mit dabei und es sei erstaunlich, welche Knochen sich Kinder wie brechen können.

Welcher Kinder-Notfall hat Priorität?

Es ist wichtig, immer abzuwägen, welcher Patient als erster behandelt werden muss – auch wenn das Wartezimmer proppenvoll ist. Den ersten Kontakt mit Patienten haben in Arztpraxen in aller Regel die MPA. Sie machen die erste Triage und müssen wissen, bei welchen Anzeichen und Symptomen von Kindern und Jugendlichen sofort gehandelt werden muss. Soviel sei bereits verraten. Die Alarmsignale bei Erwachsenen und Kindern sind nicht zwingend dieselben.

Die moderne Triage

«Früher machte man es sich relativ einfach. Hatte ein Kind glasige Augen, nahm man an, dass etwas nicht stimme» erklärte Mann. Heute findet in der ersten Triage eine Einteilung in fünf Kategorien statt. Kategorie 1 bedeutet, dass die Situation unmittelbar lebensbedrohlich ist und das Kind entsprechend sofort behandelt werden muss. «Auch wenn drei ungeduldige Senioren im Wartezimmer sitzen» ergänzte Mann mit einem Schmunzeln, das sich auf das eine oder andere Gesicht der Anwesenden übertrug.

Besondere Dringlichkeit

Mann beschrieb die weiteren Kategorien, bis hin zur Kategorie 5, bei der es sich nicht um ein sehr dringliches medizinisches Problem handelt. Aber auch in diesem Fall sollte der kleine Patient nach spätestens 120 Minuten behandelt werden können. Einfluss auf die Dringlichkeits-Zuteilung haben bei Kindern insbesondere Beschwerden der Atemwege, der Atmung oder des Kreislaufs. Neun von zehn dringlichen Fällen betreffen eben diese Bereiche. Weitere Anzeichen sind Austrocknungsanzeichen wie beispielsweise das Weinen ohne Tränenfluss oder eine trockene Windel seit mehr als sechs Stunden.

Kinder und Erwachsene sind anders getaktet

PD Dr. med. Thomas Riedel zeigt die Station

PD Dr. med. Thomas Riedel zeigt die  Kinderstation.

Kinder haben andere Puls- und Atemfrequenzen als Erwachsene. Ein Neugeborenes hat einen Puls von 140, der sich mit der Zeit an die Frequenz von 60 bei Erwachsenen angleicht. Genau so sieht es bei der Atemfrequenz aus. Während ein Erwachsener pro Minute etwa 16 Mal ein- und ausatmet, geschieht das bei einem Neugeborenen 60 Mal. Ein hoher Puls muss bei einem Kleinkind also nicht zwingend ein Alarmsignal sein. Dessen muss man sich bei der Triage bewusst sein.

Warnsignale erkennen

Neben all den erwähnten Warnsignalen gebe es ein paar Punkte, die immer aufhorchen lassen müssen. Hat ein Kind Krampfanfälle, Vergiftungssymptome oder Fieber über 38.5 Grad. Hat es sich mehrfach übergeben oder ist es ein junger Säugling, sollte man in der Triage besonders achtsam sein. «Und denken Sie daran: auffallend besorgte Eltern sind immer ein Indiz für einen kritischen Fall. Bis das Gegenteil bewiesen ist» schloss Mann seinen Vortrag, bevor er mit den MPA ein paar Fallbeispiele durchging, um das soeben Gelernte direkt anzuwenden.

Hochspezialisierte Medizin in Chur

Die medizin und Praxisasistentinnen auf der Führung durch die KIPS

Die Praxisassistentinnen bei der Führung auf der Kinderintensivmedizin (KIPS).

Anschliessend an Manns Referat stellt der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, PD Dr. med. Thomas Riedel den MPA sein Departement vor. Das KSGR ist eines von neun Spitälern der Schweiz, das über eine voll ausgebaute Neonatologie verfüge und dadurch auch extrem Frühgeborenen die beste Behandlung bieten könne. Zusammen mit der Kinder-Traumatologie erfülle die Kinder- und Jugendmedizin des KSGR Aufträge im Bereich der hochspezialisierten Medizin (HMS).

Dank an die Arbeit der Praxen

Auch die Tatsache, dass das KSGR nach dem Inselspital in Bern das Spital mit den zweitmeisten Heli-Anflügen sei, habe zur Folge, dass die Bettenstation der Kinder- und Jugendmedizin in Chur im Winter oft zu 120 bis 140 Prozent belegt sei. Rund 4‘500 Kinder-Notfälle werden in Chur jährlich behandelt. 1‘700 seien schwerer und daher stationär. Hier windete Riedel den MPA ein Kränzchen: «Das zeigt, dass viele der kleineren Fälle in den Praxen der Region behandelt werden und sich unsere Notfallstation mehrheitlich auf die schweren Fälle konzentrieren kann. Herzlichen Dank dafür.»

Rundgang durch die Kinder- und Jugendmedizin

Rundgang durch die Kinder- und Jugendmedizin

Rundgang durch die Kinder- und Jugendmedizin.

Im Anschluss an die Referate im Hörsaal des KSGR wurden die anwesenden MPA in vier Gruppen aufgeteilt und hatten die Möglichkeit, sich unter Leitung der Referenten sowie dem Stationsleiter der Kinderintensivstation, Kai Roloff und dem Pflegeleiter der Kinder- und Jugendmedizin, Christoph D’Onofrio selbst ein Bild der verschiedenen Abteilungen zu machen. Interessiert besichtigten die 75 Damen das Kinderambulatorium, den Kindernotfall, die Kinderintensivstation und die Kinderbettenstation.

Ein eingespieltes Team – ortsübergreifend

Nach rund zwei intensiven und informativen Stunden fand sich die gesamte Gruppe zum gemeinsamen Apéro und Austausch in der Cafeteria des KSGR ein. Letzte offene Fragen wurden beantwortet und alle Anwesenden führten angeregte Gespräche, bevor man sich wieder auf den Heimweg machte. Um einige Erfahrungen reicher und mit dem Wissen, dass in den Praxen der Region und im KSGR auch den kleinsten Patienten, von einem ortsübergreifend bestens eingespielten Team die bestmögliche Behandlung geboten wird.


Weitere Informationen zu Kinder- und Jugendmedizin finden Sie unter www.ksgr.ch/kinder-jugendmedizin.

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Thomas Riedel

Chefarzt und Departementsleiter Kinder- und Jugendmedizin

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