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Gesundheit
29.  Nov 2018

Was tun, wenn man nicht mehr essen mag?

Jeder kennt es: Wenn man krank ist, hat man oft nicht so richtig Lust zu essen. Was bei einer normalen Grippe kaum ein Problem darstellt, kann bei schwereren Erkrankungen zu gefährlichen Komplikationen führen. Dadurch, dass der Patient weniger Nahrung konsumiert, entwickelt sich eine Mangelernährung. Sandra Weber, Ernährungstherapeutin am Kantonsspital Graubünden (KSGR), erklärt im Blog, was dies für den Patienten bedeutet und wie eine Mangelernährung behandeln werden kann.

Pizzastück auf Teller mit Besteck

Was tun, wenn man nicht mehr essen mag?

Zwischen 30 und 50 Prozent der hospitalisierten, medizinischen Patienten haben ein Risiko für Mangelernährung. Dies ist ein enormes Problem, denn Mangelernährung kann zu verlangsamter Genesung und zusätzlichen Komplikationen führen. Was ist also eine Mangelernährung genau und wie kommt es dazu? “Aufgrund bereits bestehender Krankheiten, Nebenwirkungen von Medikamenten oder psychischen Gründen, verbunden mit längeren Spitalaufenthalten, verlieren manche Patienten den Appetit. Dadurch nehmen sie zu wenig Nährstoffe zu sich, verlieren Gewicht und es entsteht eine Mangelernährung”, beschreibt Sandra Weber die Krankheit.

Mit Fragebögen das Risiko einer Unterernährung erkennen

Dabei braucht man – gerade wenn man krank ist – besonders viele Nährstoffe, um wieder gesund zu werden. Deshalb ist es wichtig, die Mangelernährung zu behandeln. Dafür muss diese aber erst diagnostiziert werden, was nicht immer einfach ist. Im KSGR werden dafür spezielle Fragebögen bzw. Screening-Tools verwendet, die auf den verschiedenen Stationen vom Pflegepersonal ausgefüllt werden. Dazu werden Fragen zu verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel Gewicht, Gewichtsverlust oder wie viel Nahrung der Patient zu sich nimmt, gestellt und die Antworten anhand eines Punktesystems ausgewertet. Das Resultat zeigt dann auf, ob beim Patienten ein Risiko für eine Mangelernährung besteht. Diese Fragebögen sind wichtig, denn eine Mangelernährung lässt sich leicht übersehen. Zeigt der Fragebogen das Risiko einer Mangelernährung, wird die Ernährungsberatung informiert.

Mit Ernährungstherapie gegen Mangelernährung

Die Arbeit der Ernährungsberatung beginnt erst einmal damit, den Patienten kennenzulernen und seine Daten aufzunehmen. Dies ist Grundlage für die Behandlung, denn so verschieden wie die Patienten und deren Leiden, sind auch die Gründe für die Mangelernährung. Für die Behandlung stehen dann verschiedene Methoden zur Verfügung. In einem ersten Schritt werden die Menüs angepasst. Während manche Patienten keine Lust mehr auf Fleisch haben, sind es bei anderen vielleicht Süssigkeiten. Dies soll im Menüplan berücksichtigt werden. Zusätzlich kann das Essen mit Energie- und Eiweisspulver angereichert werden, um es gehaltvoller zu machen, oder es wird mit Trinknahrungen ergänzt.  “Zusätzlich versuchen wir, die Pflege und der Room-Service, natürlich immer den Patienten zum Essen zu motivieren. Dabei können auch Umgebungsfaktoren, wie zum Beispiel sich zum Essen an den Tisch zu setzen oder kurz davor das Zimmer zu lüften, die Mahlzeit angenehmer machen und den Appetit etwas anregen”, betont Sandra Weber. Sollte es trotz dieser Massnahmen nicht möglich sein eine bedarfsdeckende Ernährung sicherzustellen, kann auch über eine Sonde oder intravenös ernährt werden.

Die ernährungstherapeutische Behandlung wird – falls nötig – auch weitergeführt nachdem der Patient aus dem Spital entlassen wurde. Sandra Weber hat die Erfahrung gemacht, dass der Appetit schnell zurückkommt, sobald die Patienten wieder zu Hause sind. So erzählt sie: “Kürzlich betreute ich eine Patientin, die eine Operation im Magen-Darm-Bereich hatte und nach der Operation erst langsam wieder anfangen konnte zu essen. Das Essen haben wir zuerst angereichert und mit Trinknahrung ergänzt. Seit sie wieder zu Hause ist, selber kochen und mit ihrem Mann essen kann, geht das Essen viel leichter und wir konnten die Trinknahrung bereits reduzieren. Es freut uns natürlich immer sehr, wenn wir solche Fortschritte sehen.”

Wie wichtig die Ernährungstherapie sein kann, hat die kürzlich veröffentliche EFFORT-Studie (Effect of Early Nutritional Therapy on Frailty, Funcional Outcomes and Recovery of Undernourished Medical Inpations Trial) deutlich gemacht. Im Rahmen der Studie zeigte sich, dass Patienten, die eine individuelle Ernährungstherapie bekommen, ihren Energie- und Proteinbedarf zu 20% besser abdecken. Dies führt dazu, dass bei diesen Patienten das Risiko für schwere Komplikationen um 25%, das Sterblichkeitsrisiko um 10% und das Risiko, auf die Intensivstation verlegt zu werden, um 5% tiefer liegt als bei mangelernährten Patienten ohne Ernährungstherapie. Die Ernährungstherapie spielt also eine wichtige Rolle bei der Genesung der Patienten.


Weitere Informationen zum Thema Ernährungstherapie finden Sie unter www.ksgr.ch/ernaehrungstherapie.

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