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Aus dem Spital
20.  Aug 2020

«Ich lerne sehr viel für mein privates Leben»

Martina Hoffmann ist Pflegefachfrau auf der Station C 10 der inneren Medizin am Kantonsspital Graubünden (KSGR). Sie hat bereits ihre Ausbildung am KSGR gemacht. Nach einigen Jahren bei der Spitex und in einem Pflegeheim ist sie seit sieben Jahren zurück am KSGR. Sie erzählt vom Stellenwert ihres Berufes, warum sie in der Medizin arbeitet und welches der zweitsonnigste Ort Graubündens ist.

Martina Hoffmann

Auch Spass muss sein: Martina Hoffmann verbindet Beruf und Hobby.

War es für Sie schon immer klar, dass Sie in der Pflege arbeiten möchten?
So klar war das eigentlich nicht. Ich bin in einem Hotelleriebetrieb aufgewachsen und für mich war irgendwann einfach klar, dass ich nicht im Tourismus arbeiten möchte.

Warum?
Ich bin nicht so der dienende Typ (denkt nach) und bin dennoch in der Pflege gelandet (lacht).

Dann war es Zufall, dass Sie in der Pflege gelandet sind?
Mehr oder weniger. Als ich zwölf war, ist der Berufsberater bei uns in der Schule aufgetaucht. Er hat uns gedrängt, einen Beruf zu wählen. Kurz davor war ich als Patientin im Kantonsspital in Chur gewesen – ich hatte mir den Ellenbogen gebrochen. Ich bewunderte die Krankenschwestern – damals sagte man noch so – sehr und so habe ich mich für den Pflegeberuf entschieden.

Warum sagt man heute nicht mehr Krankenschwester?
Das hat mit der Entwicklung des Berufs zu tun. Ganz früher waren das wirklich dienende Ordensschwestern, die den Beruf stark mit ihrem Glauben in Verbindung brachten. Heute ist das ein Beruf, den man studiert. Ich finde es gut, dass ich heute nicht «Schwester Martina», sondern «Frau Hoffmann» bin. Das vermittelt auch die Professionalität unseres Berufs. Was ich tue, ist wissenschaftlich fundiert und nicht einfach Pflege nach bestem Wissen und Gewissen. Ich finde – auf Augenhöhe – gemeinsam mit dem Patienten oder der Patientin heraus, welche Pflege er oder sie braucht und wir finden gemeinsam den richtigen Weg.

War das früher anders?
Naja. Schon etwas. Früher bestimmten wir mehr. Ich habe ein Defizit erkannt beim Patienten und ihm gesagt, was er tun soll oder was wir gemeinsam tun werden. Das war natürlich oft auch eine Art Bevormundung. Heute findet man – wie gesagt – gemeinsam den richtigen Weg. Ich unterstütze mit meinem Fachwissen, bestimme aber nicht einfach. In die Entscheidungsfindung wird meist auch die Familie mit einbezogen. Da geht es auch darum zu erklären, wie man mit einer Krankheit auch zuhause möglichst gut leben kann.

Wie hat sich Ihr Beruf sonst noch verändert?
Früher war das Gefälle zwischen Arzt und Pflegefachperson viel grösser als heute. Auch innerhalb des Pflegeteams. Heute ist jeder und jede dazu angehalten, mitzudenken und sich einzubringen. Die Interdisziplinarität und die Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärzteschaft hat sich verbessert. Das ist auch sehr wichtig. Wenn wir alle gemeinsam auf Augenhöhe und mit Respekt zusammenarbeiten, erreichen wir für unsere Patienten die beste Lösung – und das sollte dann doch das Ziel sein, denke ich.

Feldis

Feldis: die zweitsonnigste Gemeinde Graubündens. Hier wohnt Martina Hoffmann.

Sie arbeiten in der Medizin. Entscheidet man sich irgendwann bewusst, in welchem Bereich man arbeiten wird?
Ich denke ja. Ich bin davon überzeugt, dass es Typen von Pflegefachleuten gibt, die besser in den einen Bereich passen, als in den anderen. Auf der Medizin im Kantonsspital Graubünden zu arbeiten gefällt mir, weil ich sehr viele verschiedene Krankheitsbilder antreffe und es auch spannend finde, zusammen mit dem Patienten und seiner Familie eine Lösung zu finden. Das ist aber auch das Tolle an unserem Beruf. Man findet für sich den Bereich, der am besten passt und wo man sich wohlfühlt. Wir haben sehr viele Möglichkeiten – in allen Bereichen.

Sie sind seit sieben Jahren am KSGR. Was haben Sie davor gemacht?
Ich war 16 Jahre bei der Spitex und zwei Jahre in einem Pflegeheim. Meine Ausbildung habe ich aber hier in Chur gemacht und war danach auch am Kantonsspital tätig. Dann habe ich Kinder bekommen und da war die Spitex einfach flexibler.

Wenn Sie heute nochmals entscheiden könnten, würden Sie wieder den Pflegeberuf wählen?
Ja, ich bin sehr überzeugt von meinem Beruf. Ich weiss, dass es mich braucht und ich etwas Sinnvolles tue. Ich kann mich weiterbilden und ich merke, dass wir gesuchte Leute sind.

Was sollte man mitbringen, um in der Pflege arbeiten zu können?
Ich denke, man sollte ein gesundes Selbstbewusstsein haben. Die Persönlichkeit entwickelt sich natürlich. Man sollte aber schon geerdet sein. Man wird im Beruf auch mit schlimmen Schicksalen konfrontiert. Wenn man sich davon umhauen lässt, geht das wohl nicht. Kommunikationsfähigkeit ist auch sehr wichtig. Man muss in Beziehung treten mit Patientinnen und Patienten – selbst wenn einmal die gegenseitige Sympathie nicht sehr gross ist.

Können Sie die mitunter belastenden Schicksale, die Gedanken daran, mit der Arbeitskleidung in der Garderobe abgeben?
Nein. Ich nehme immer etwas mit nach Hause. Man muss schon zusehen, dass man sich abgrenzt. Sonst geht man kaputt. Es ist aber auch wichtig, dass man sich die Zeit nimmt, um zu reflektieren. Ich lerne dadurch auch sehr viel für mein privates Leben. Meine Familie ist natürlich auch immer ein Auffangbecken und hilft mir, mich abzulenken. Und dann wohne ich auch noch in der zweitsonnigsten Gemeinde des Kantons Graubünden (lacht).

Die da wäre?
Feldis. Nur Maladers hat mehr Sonne als wir – aber nur fünf Minuten (lacht).

Welche beruflichen Erlebnisse blieben Ihnen besonders in Erinnerung?
Viele. Die haben oft mit dem Lebensende zu tun. Wenn wir es schaffen, dass sich jemand ruhig und würdevoll vom Leben und seiner Familie verabschieden konnte, ist das schon ein sehr berührendes Erlebnis.

Wenn Sie einen Wunsch an Patientinnen und Patienten hätten, welcher wäre das?
Das wäre mehr ein Wunsch an die Gesellschaft. Man sollte sich rechtzeitig mit dem Thema Lebensende beschäftigen. Es ist für die Angehörigen sehr schwierig, Abschied zu nehmen, wenn man innerhalb der Familie nie darüber gesprochen hat, wie man sich seinen letzten Lebensabschnitt vorstellt. Was man will, was man nicht will. Tut man das nicht, bürdet man seinen Liebsten in einer schon sehr schwierigen Situation noch weiteren emotionalen «Ballast» auf. Die Entscheidung, ob man lebenserhaltende Massnahmen beibehalten will oder nicht, sollte man nicht seiner Familie auferlegen. Der Tod gehört zum Leben und wir sollten lernen, ihn nicht zu negieren. Die Medizin hat enorme Fortschritte gemacht – wir Menschen sind aber nicht unsterblich. Wenn man das akzeptiert und das Thema – und ja, es ist ein schwieriges – früh genug bespricht, kann man, wenn es dann soweit ist, würdevoll, liebevoll und schön Abschied nehmen.

Weitere Informationen zur Pflege in der Inneren Medizin des KSGR finden Sie unter www.ksgr.ch/pflege-innere-medizin

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Nicole Schumacher
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