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Schwangerschaft
04.  Jun 2018

Hebammenbriefkasten - Rückbildungskurs

Ich habe vor ein paar Wochen mein erstes Kind bekommen. Meine Mutter rät mir nun, in einen Rückbildungskurs zu gehen. Ist das wirklich nötig? D. R. aus B.

Das Wochenbett umfasst die Zeit nach der Geburt des Kindes. In diesen Wochen steht der Aufbau einer Mutter-Kind-Bindung, die Wundheilung, die Hormonumstellung und die Rückbildung aller Organe im Mittelpunkt. Das Wochenbett umfasst die ersten acht Wochen. Bis sich jedoch alle schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen zurückgebildet haben, dauert es bis zu neun Monate.

In dieser Zeitspanne muss dem Beckenboden grosse Beachtung geschenkt werden. Seine Funktion beinhaltet das Stützen der inneren Organe und die Verschlussfunktion für den Blasen- und Darmausgang. Bereits in der Schwangerschaft wird das Gewebe aufgelockert und dann bei der Geburt zusätzlich verschoben, gedehnt und teilweise verletzt. Durch diese Beanspruchung fühlt sich der Beckenboden verändert an und seine Haltefunktion ist vorübergehend vermindert.

In den ersten Tagen nach der Geburt sollte der Beckenboden daher möglichst wenig belastet werden. Es lohnt sich daher, viel zu liegen, darauf zu achten, dass man über die Seite zu stehen kommt und auf langes Sitzen verzichtet. In diesen Tagen können bereits leichte Rückbildungsübungen gemacht werden, diese richten sich vor allem an eine gezielte Atmung und beinhalten keine körperlich anstrengenden Übungen. Die ersten Beckenbodenübungen haben das Ziel, den rischgebackenen Mamas Zugang zu ihrem Körper zu ermöglichen und die Wahrnehmung dieser sensiblen Körperregion zu fördern. Zudem führt eine sanfte Aktivierung der Muskulatur zu einer besseren Durchblutung, was wiederum die Heilung einer möglichen Verletzung fördert. Intensivere Übungen sollten erst nach einigen Wochen durchgeführt werden. Ein Rückbildungskurs ist frühestens 6–8 Wochen nach der Geburt empfehlenswert.

Die intensiveren Übungen und die Rückbildungskurse fördern eine gesunde Körperhaltung, rückenschonende Bewegungen und die Stärkung der überdehnten Muskulatur am Beckenboden, damit dieser seine Haltefunktion wieder vollumfänglich aufnehmen kann und um möglichen Spätfolgen wie Inkontinenz vorzubeugen.

Auch nach einem Kaiserschnitt sind Rückbildungsübungen und -kurse sinnvoll, um das aufgelockerte Gewebe und speziell die Bauchmuskulatur zu stärken. Die Übungen dienen den Müttern aber auch dazu, sich bewusst einen Moment Zeit für sich zu nehmen und die Achtsamkeit für den eigenen Körper und die eigenen Bedürfnisse zu stärken.

Um Tipps zu gezielten Rückbildungsübungen zu erhalten, fragen Sie am besten bei Ihrer Hebamme nach.

Haben auch Sie Fragen rund um das Thema Schwangerschaft?

Dann schicken Sie eine E-Mail mit Betreff «Hebammenbriefkasten» an hebammenbriefkasten@f7a3176907574978afbafa24196e5f9bksgr.ch. Eine Auswahl der gestellten Fragen erscheint anonym in den Büwo-Ausgaben und hier auf dem Blog – beantwortet werden aber alle eingegangenen E-Mails.

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Jasmin Battaglia
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Jasmin Battaglia

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