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Gesundheit
09.  Mai 2019

Eine Auszeit vom Kranksein in der hauseigenen Beauty-Oase

Lange Spitalaufenthalte und bestimmte Therapien verändern oftmals das Aussehen der Patientinnen und Patienten. Auch wenn die Gesundheit an erster Stelle steht, ist es wichtig, sich in der eigenen Haut wohl zu fühlen. Dazu trägt das «House of Beauty» am Kantonsspital Graubünden (KSGR) bei. An drei Tagen der Woche kümmern sich die Geschäftsführerin Tamara Marthy und die Stylistin Belinda Guntil um die Wünsche der Patientinnen und Patienten am KSGR und erleben dabei manch ungewöhnliche Situation.

Tamara Marthy

Tamara Marthy bei der Fusspflege in einem Patientenzimmer.

«Vor etwas mehr als vier Jahren ist Belinda Guntil, die ich gerade erst eingestellt hatte, auf die Ausschreibung des KSGR im Sarganserländer aufmerksam geworden. Da sie zu diesem Zeitpunkt noch keinen grossen Kundenstamm aufgebaut hatte und daher freie Kapazität hatte, schlug sie vor, dass wir uns bewerben», schildert Patricia Grünenfelder, Inhaberin und Geschäftsführerin der «House of Beauty»-Gruppe, wie es zur Filiale am KSGR kam. Nach mehreren Bewerbungsgesprächen erhielt sie den Zuschlag, um am KSGR Dienstleistungen in den Bereichen Haarpflege, Perückenberatung, Kosmetik, Fusspflege und Manicure anbieten zu können. Zu den Kunden gehören in erster Linie Patientinnen und Patienten, aber auch Mitarbeitende des KSGR.

Herausfordernde Besuche direkt im Spitalzimmer
Die Arbeit selbst im Spital unterscheidet sich kaum von der an anderen Standorten. «Es muss allerdings häufiger improvisiert werden und es braucht auch etwas mehr Geduld», erklärt Tamara Marthy. Oft sind die Patienten nicht mobil, weshalb die Stylistinnen ihre Dienstleistungen zum Teil direkt im Spitalzimmer anbieten. Das erfordert Flexibilität und von Zeit zu Zeit auch Hilfe vom Pflegepersonal. «Ich hatte eine Kundin, die sich nicht im Bett aufrichten konnte, aber dringend einen neuen Haarschnitt wollte. Da habe ich die Haare auf dem Kissen im Kreis rund um ihren Kopf, wie einen Heiligenschein, gebürstet und anschliessend so geschnitten. Das Ergebnis war natürlich nicht so ganz so gut, wie wenn wir die Frisur auf dem Stuhl im Salon geschnitten hätten, dennoch waren die Haare wieder schöner als zuvor und wir konnten die Patientin glücklich machen», erzählt Tamara Marthy von einem eher ungewöhnlichen Termin.

Coiffeur

Der Salon im KSGR ist mit allen nötigen und wichtigen Materialen ausgerüstet.

Der Termin im «House of Beauty» - eine willkommene Auszeit vom Spitalalltag
Man könnte denken, dass die Stylistinnen, die im Spital arbeiten, viel über die verschiedenen Krankheiten lernen – das geschieht aber nicht unbedingt. «Für uns sind die Patienten in erster Linie Kunden. Wir sprechen nicht über die Krankheiten, deren Verlauf oder die Prognosen. Das tun unsere Kundinnen bereits den ganzen Tag mit Ärzten, Pflegepersonal und Therapeuten. Für uns stehen die Haare, und wie man daraus eine schöne Frisur zaubern kann, im Zentrum – der Termin bei uns soll eine kleine Auszeit vom Spitalalltag sein.», erklärt Tamara Marthy.

Selbstverständlich gibt es dennoch Berührungspunkte mit den Krankheiten. Patienten aus der Onkologie kommen beispielsweise oft schon früh vorbei, um sich beraten zu lassen, bevor das Naturhaar ausfällt. Dadurch ist es einfacher, die Perücke später so anzupassen, dass sie möglichst natürlich aussieht. Eine andere, typische Spitalsituation spielt sich immer mal wieder bei der Fusspflege ab. Wenn die Stylistinnen aufs Zimmer kommen, spassen die Kunden ab und an, dass es bei ihnen nicht so viel zu tun gebe. Beim Ausziehen der Socken wird dann klar, dass den Kundinnen oder Kunden krankheits- oder unfallbedingt einer oder mehrere Zehen fehlen.

Ausserordentliche Dankbarkeit
Etwas zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeit der Stylistinnen: Die Kunden sind wahnsinnig dankbar. Patricia Grünenfelder erzählt, dass sie immer mal wieder Dankesschreiben erhält: «Es ist schön, dass wir diesen Kundinnen, die eine sehr schwierige Zeit durchleben, etwas Gutes tun können. Das war einer der Hauptgründe, weshalb ich mich für einen Filiale am KSGR entschieden habe.» Und auch Tamara Marthy bestätigt: «Egal wie umständlich sich beispielsweise das Haarewaschen im Lavabo des Spitalzimmers gestaltet, die Kunden machen mit und freuen sich, dass die Haare gemacht werden. Die Dankbarkeit ist riesig.»

Weitere Informationen zum Angebot des House Of Beauty finden Sie unter www.ksgr.ch/coiffeur-cosmetic-naildesign

Vier Fragen an Dr. med. Sara Bastian 

Sara Bastian

Dr. med. Sara Bastian, Stv. Leitende Ärztin, Onkologie am KSGR

Bei wie vielen Patienten der Onkologie fallen die Haare während der Behandlung tatsächlich aus?
Es gibt sehr viele Therapien, die keinen Haarausfall verursachen. Grob geschätzt ist etwa bei einem Drittel der Chemotherapien mit Haarausfall zu rechnen. Je nach Zusammensetzung der Chemo kommt es nach kurzer Zeit zu einem kompletten Haarausfall, bei einigen eher diffus über längere Zeit. Bei einigen Medikamenten kann mit einer Kühlhaube das Risiko für einen Haarausfall verringert werden. Bei allen Chemotherapien wachsen die Haare nach der Chemo wieder wie vorher. 

Entscheiden sich nur Patientinnen für eine Perücke, oder ist das auch für Patienten ein Thema?
Auch Männer entscheiden sich gelegentlich für eine Perücke, aber deutlich seltener. Das Angebot besteht aber für jedermann und -frau.

Inwiefern spielt das Äussere eine Rolle für Onkologie-Patientinnen und Patienten?
Das äussere Erscheinungsbild ist sehr wichtig für das Wohlbefinden der Betroffenen. Das Erscheinungsbild mit Perücke ist oft so verblüffend gut, dass kaum jemand den Unterschied zum Echthaar sieht. Das ermöglicht den Betroffenen unter die Leute zu gehen, ohne komisch angestarrt zu werden oder sich erklären zu müssen. Das ist ein entscheidender Beitrag damit auch Krebspatientinnen und Patienten ein möglichst normales Leben führen können.

Weisen Sie die Patientinnen und Patienten auf die Möglichkeit hin, sich auf im Spital beraten zu lassen, wenn es um Perücken geht?
Unsere Pflegefachfrauen beraten alle Patientinnen und Patienten mit einem Risiko für Haarausfall über die Möglichkeiten und weisen sie unseren Stylistinnen zu. Selbstverständlich steht es jedem frei, sich auch woanders beraten zu lassen. Viele Betroffene sind aber froh, alles an einem Ort organisieren zu können und sind mit dem Service sehr zufrieden.

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Tamara Marthy
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Tel.+41 81 256 68 28

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