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Aus dem Spital
07.  Nov 2019

Chemielaborant – Chirurg - Lautsprecher-Bauer

Dr. med. Raphael Jenni ist Leitender Arzt Orthopädie am KSGR. Er arbeitet – mit kurzen Unterbrüchen – seit 20 Jahren am KSGR. Zu Beginn als Unfallchirurg, heute als Traumatologe für den Bewegungsapparat und Spezialist für Wirbelsäulenverletzungen auf der Orthopädie. Seine Begeisterung fürs Handwerkliche zeigt sich auch in einem seiner Hobbys: er baut zuhause in seiner Werkstatt Lautsprecher.

Herr Jenni, Sie sind Leitender Arzt Orthopädie, kommen aber ursprünglich aus der Unfallchirurgie. Wo liegt da der Unterschied?
Bei der Unfallchirurgie geht es um die Behandlungen von Verletzungen nach Unfällen. Klassische Beispiele dafür sind Knochenbrüche, Bänderverletzungen und Verletzungen an der Wirbelsäule. Dazu gehören aber auch Begleitverletzungen im Bereich des Bauches, des Schädels, Brustkastens et cetera. In der Orthopädie geht es um den Bewegungsapparat. Da haben wir auch viele alters- oder wachstumsbedingte Probleme wie Arthrose und den Ersatz von Gelenken.

War Medizin schon immer ein Thema für Sie?
Ich war kein guter Schüler. Meine Noten haben nicht gereicht, um ans Gymnasium zu gehen. Ich habe eine Berufslehre als Chemielaborant gemacht. Gegen Ende der Lehre ist bei mir der Knopf aufgegangen und ich wurde besser in der Schule. Angefangen hat das mit der Mathematik. Durch die Freude daran wurde ich auch besser in den anderen Fächern. Gleichzeitig erwachte in mir das Interesse an der Medizin. Wir hatten zwei Nachbarn, die beide Ärzte waren und deren Erzählungen aus dem Berufsleben ich sehr interessant fand.

Wie sind Sie dann noch zum Studium gekommen?
Erst habe ich meine Lehre abgeschlossen. Das war auch meinen Eltern sehr wichtig. Ich sollte einen Abschluss haben, bevor ich meinen Weg zum Mediziner einschlagen würde. Ich schloss also meine Lehre ab und machte danach die eidgenössische Matura. Dafür bereitete ich mich drei Jahre lang selber vor, ging an die Prüfung und bestand sie. Der Weg an die Universität und das Medizinstudium war frei.

Warum Chirurgie beziehungsweise Orthopädie?
Das war für mich von Anfang an klar. Es geht in beiden Bereichen oft um mechanische Probleme des Bewegungsapparats. Das Mechanische hat mich schon immer fasziniert. Ich war und bin ein Handwerker. Entsprechend ist die Chirurgie für mich eine sehr nachvollziehbare Art der Behandlung. Es geht da oft um Mechanik. Etwas ist zerbrochen, man repariert es. Etwas ist zu viel, man entfernt es und kann dafür sorgen, dass der Bewegungsapparat des Menschen wieder richtig funktioniert.

Raphael Jenni

Seine Freizeit verbringt Raphael Jenni gerne in der Werkstatt - und baut Lautsprecher.

Sie wussten also nach dem Staatsexamen, in welche Richtung es gehen soll. Wo haben Sie den Start dann gemacht?
Das war bereits hier in Chur. Ich habe hier in Chur als Assistenzarzt auf der Chirurgie gearbeitet und habe auch meine gesamte Ausbildung zum Chirurgen – mit einem Jahr Unterbruch in einem externen Spital – hier gemacht. Danach habe ich dann noch den Schwerpunktstitel für Allgemein- und Unfallchirurgie gemacht und arbeitete bei Dr. Christoph Sommer mehrere Jahre auf der Unfallchirurgie am KSGR.

Wann kam dann der Wechsel zur Orthopädie?
In der Orthopädie geht es, wie erwähnt, nur noch um den Bewegungsapparat. Man fokussiert mehr auf das Mechanische und weniger auf die Verletzungen rundherum. Die beiden Bereiche arbeiten aber natürlich eng zusammen. Ich hatte meine Erfahrungen in der Unfallchirurgie gemacht und ging dann zur Vertiefung der Materie für eine Zeit ans Unispital in Zürich auf die Unfallchirurgie. Dort hatte ich die Möglichkeit, vermehrt Verletzungen an der Wirbelsäule zu behandeln – ein sehr spannender und herausfordernder Bereich. Am KSGR werden diese Fälle jedoch nicht von der Unfallchirurgie, sondern von der Orthopädie behandelt. Ich wollte unbedingt nach Chur zurück. Also habe ich mich entschlossen, mir den Facharzt Orthopädie zu erarbeiten und nach Chur zurückzukehren – auf die Orthopädie.

Was zeichnet das KSGR für Sie aus?
Das Interessante in Chur ist, dass wir ein wahnsinnig breites Spektrum an Fällen haben. So kann ich sehr viele unterschiedliche Fälle bearbeiten. Ich kann einfache Frakturen behandeln, Prothesen einsetzen und Wirbelsäulen behandeln – egal, ob sie aufgrund eines Unfalls oder aufgrund von Abnützung in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ich bin sozusagen der Generalist unter den Spezialisten. Das geht in grösseren Spitälern nicht so gut und auch in kleineren nicht.
Ganz persönlich war Chur für mich die erste Station nach dem Studium. Mir haben neben der Arbeit auch das Team und die Kultur hier sehr gut gefallen: Wie man hier miteinander umging und umgeht, entspricht mir sehr. Alles ist geprägt von gegenseitigem Respekt. Zu meiner Studentenzeit Ende der Neunziger war es an vielen Orten noch so, dass Studenten auch mal ordentlich zusammengeschissen wurden. Das gab es hier nicht. Hier wurde und wird man gefördert und braucht keine Angst davor zu haben, zusammengestaucht zu werden, nur weil der Chefarzt gerade einen schlechten Tag hat.

Sie leben mit Ihrer Familie in Chur – fühlen Sie sich wohl?
Ja sehr. Chur ist mein Zuhause.

Wie lange dauert ein durchschnittlicher Arbeitstag bei Ihnen?
Wenn ich keine besonderen Dienste oder Notfälle habe, sind das so zwischen zehn und elf Stunden.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Mit meiner Familie. Das ist Qualitätszeit. Ich treibe gerne Sport, gehe klettern, snowboarden, wandern und velofahren. Und ich habe auch heute noch daheim eine Werkstatt, in der ich gerne arbeite.

Was entsteht da?
Ganz unterschiedlich. Ich schreinere und repariere Haushaltsgeräte. Am allerliebsten baue ich aber Lautsprecher.

Lautsprecher?
Ja. Damit habe ich als Jugendlicher angefangen. Eigentlich aus der Not heraus. Wir wollten eine Party machen und hatten kein Geld für Lautsprecher. Da habe ich recherchiert und selber ein Paar gebaut. Mittlerweile habe ich 34 Paar gebaut und bin am 35sten dran.

Dann sind Sie wohl sehr audiophil?
Ja schon. Musik ist mir wichtig. Wenn ich Zeit habe, setze ich mich gerne hin und höre auf meinem Plattenspieler Musik. Schallplatten haben einen eigenen Toncharakter. Ich würde aber nicht behaupten, dass ich ein MP3-File als solches erkenne aufgrund der Klangqualität. Ein guter Verstärker und anständige Lautsprecher sind aber schon wichtig. Es ist nicht das Gleiche, wenn man Musik auf den Laptop-Lautsprechern hört. Da geht vieles verloren.

Sie haben das Snowboarden als Hobby erwähnt. Geht man vorsichtiger auf die Piste, wenn man tagtäglich sieht, was für Unfälle passieren können und vor allem, welche Folgen daraus entstehen?
Ich glaube nicht, dass ich viel vorsichtiger fahre. Natürlich trotzdem mit dem nötigen Respekt. Viele Patientinnen und Patienten landen bei uns, weil sie sich selbst überschätzen. Es hat zudem auch mehr Leute auf den Pisten. Da kommt es zu mehr Kollisionen. Im Sommer sind es die Downhill-Biker. Diese Fälle haben in den letzten Jahren klar zugenommen. Insbesondere auch die Wirbelsäulenverletzungen. Wichtig erscheint mir, dass man die eigenen Fähigkeiten richtig einschätzt. Egal, ob im Winter oder im Sommer. Wenn man ein mulmiges Gefühl im Bauch hat bevor man auf einen Kicker oder eine Bike-Rampe zufährt, sollte man sich nochmals überlegen, ob man wirklich bereit ist für den geplanten Sprung. Unser Bauchgefühl hat oft halt wirklich recht.

Weitere Informationen zur Orthopädie am KSGR finden Sie unter www.ksgr.ch/orthopaedie

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Ansprechpartner

Dr. med. 
Raphael Jenni

Leitender Arzt, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Facharzt für Chirurgie

Tel.+41 81 255 23 50

Fax.+41 81 256 66 62

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