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Aus dem Spital
13.  Aug 2020

Von Rettern, Freunden und Helfern

Die Rettung Chur ist der grösste Rettungsdienst im Kanton Graubünden und leistet tagtäglich Ausserordentliches, um Leben zu retten. Dabei ist die Zusammenarbeit mit anderen Blaulichtorganisationen sehr wichtig. Eine Zusammenarbeit, die insbesondere auch mit der Stadtpolizei Chur äusserst gut funktioniert.

Renato Moresi, Betriebsleiter Rettung Chur, windet der Stadtpolizei ein Kränzchen: «Ich habe an einigen Orten bei Rettungsdiensten gearbeitet – aber die Zusammenarbeit der Rettung Chur mit der Stadtpolizei Chur ist einmalig». Es fühle sich mitunter wie in einer grossen Familie an. «Man kennt sich untereinander und man weiss auch, wie die Partner funktionieren». Dies ist umso wichtiger, da es viele Situationen gibt, in denen man gegenseitig aufeinander angewiesen ist. An anderen Orten funktioniert die partnerschaftliche Zusammenarbeit auch. Das Verhältnis zwischen Stadtpolizei und Rettung ist in Chur jedoch ein besonderes. «Wir organisieren regelmässig gemeinsame Ausbildungen, aber auch Anlässe wie Schlittel- und Grillabende». Kontakte unter Mitarbeitenden der Rettung und der Polizei werden zum Teil auch privat gepflegt.

Gegenseitige Wertschätzung
Diese schon beinahe freundschaftliche Zusammenarbeit der beiden Korps läuft bereits seit einiger Zeit sehr gut. Initiiert wurde sie von Moresis Vorgänger, Beat Hugentobler, und vom heutigen Kommandanten der Stadtpolizei Chur, Ueli Caluori. Die Wertschätzung ist durchaus gegenseitig, wie Roland Hemmi, Kommandant-Stellvertreter der Stadtpolizei, sagt: «Wir als Stadtpolizei Chur schätzen uns sehr glücklich, mit der Rettung Chur auf einen hochprofessionellen Partner zählen zu können. Dies erleichtert uns die Arbeit in schwierigen Situation zum Wohle und Schutz der Churer Bevölkerung ungemein. Gäbe es die Rettung Chur nicht, müsste diese erfunden werden", meint er. Dass dies so im Arbeitsalltag funktionieren kann, hat gemäss Hemmi folgende Gründe: «Gegenseitiges Rollenverständnis und gegenseitige Akzeptanz, Vertrauen, gemeinsame Aus- und Weiterbildungen, teambildende Veranstaltungen, aber auch eine hohe Einsatzbereitschaft aller Mitarbeitenden dieser Blaulichtorganisationen».

Schwierige Einsätze am Wochenende
Besonders herausfordernd ist die Arbeit für Moresi und sein Team der Rettung Chur, wenn sie an die Hotspots in Chur ausrücken müssen. Bei jedem Einsatz der Rettung Chur im Churer Ausgehviertel «Welschdörfli» ist eine Patrouille der Stadtpolizei mit dabei. «Das muss leider so sein. Wenn wir alleine ausrücken würden, könnten wir unsere Arbeit nicht machen». Die Situation sei über Jahre eigentlich nicht so dramatisch gewesen. Heute sei es aber nicht mehr möglich, der Arbeit als Rettungssanitäter richtig nachzugehen, wenn die Stadtpolizei nicht mit dabei ist. «Insbesondere in den frühen Morgenstunden ist es schwierig. Da springen Leute auf die Trittbretter des Rettungsfahrzeugs, öffnen die Türen und klauen Gegenstände». Viel erwarte man eigentlich nicht vom Partyvolk. Man solle die Retter aber doch bitte einfach durchlassen und sie nicht bei der Ausübung ihrer Arbeit behindern, so Moresi. Das sei aber oft leider nicht der Fall. Deshalb werden Verletzte und hilfsbedürftige Personen, wenn es die Situation erlaubt, als erstes aus der heissen Zone im «Welschdörfli» gebracht und dann an einem ruhigeren Ort versorgt. Die verbalen Angriffe und Pöbeleien seien ein zusätzliches Ärgernis. «Es gibt oft auch Leute, die uns erklären wollen, wie wir unsere Arbeit zu machen haben».

Innert Minuten im Einsatz
Physische Angriffe gab es glücklicherweise noch keine. Es sei aber wichtig und beruhigend, dass immer eine Patrouille der Stadtpolizei mit dabei sei. Der Ablauf einer Alarmierung zeigt, wie gut die Teams aufeinander abgestimmt sind. Wird über die Nummer 144 ein Alarm beispielsweise im «Welschdörfli» abgesetzt, wird automatisch auch die Stadtpolizei alarmiert. Sie ist nach ungefähr einer oder zwei Minuten – davon kann man ausgehen – vor Ort. «Wir von der Rettung brauchen in der Regel sieben bis acht Minuten. Wenn wir eintreffen, haben die Polizisten die Strasse für uns freigeräumt und wir können zur verletzten Person gelangen».

Austausch auf allen Stufen und in allen Bereichen
Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Rettung beginnt schon auf oberster Stufe. «Wir treffen uns mindestens halbjährlich, um Bilanz zu ziehen und uns auszutauschen. Ausserdem bin ich bei der Vereidigung neuer Polizisten und bei Beförderungsfeiern mit dabei», sagt Moresi. Die Polizisten erhalten von der Rettung Chur regelmässig eine Ausbildung in Basic Life Support – also im Bereich erste Hilfe und Reanimation. «Dabei lernt man sich natürlich auch gut kennen». Neben dem Zwischenmenschlichen, hat diese Ausbildung zusätzliche Gründe. Alle Patrouillenfahrzeuge der Stadtpolizei führen einen Defibrillator mit. «Die Polizistinnen und Polizisten leisten da jeweils auch enorm wichtige und lebensrettende Soforthilfe bis wir eintreffen und übernehmen können». Es gab eine Nacht, in der die Beamten der Stadtpolizei zwei Menschen das Leben gerettet haben, weil sie einen Defibrillator mit dabei hatten. Der erste Fall war bei einer Person zuhause, wo die Polizisten den Menschen retten konnten, indem sie den Defibrillator richtig einsetzten. Ein paar Stunden später kam dann der zweite Fall in einer Bar im «Welschdörfli». «Beide Male haben die Beamten, auch aufgrund der Praktika, die sie bei uns gemacht haben, Leben gerettet, bevor wir vor Ort eingetroffen sind». In solchen Situationen spiele die Zeit eine enorm wichtige Rolle, ergänzt Moresi.

Praktika während Ausbildung
Jeder Polizeiaspirant verbringt einen praktischen Tag mit der Rettung Chur. Vice versa können Rettungssanitäter drei bis viermal pro Jahr einen Nachtdienst der Stadtpolizei begleiten. «Dadurch lernen beide Seiten die jeweils andere noch besser kennen, sehen wie die Abläufe sind und haben somit mehr Verständnis für die Aufgaben und Herausforderungen der anderen. So seien die Rollen und Kompetenzen auch klar. «Ich habe noch nie eine Diskussion bezüglich Kompetenzen zwischen Stadtpolizei und Rettung Chur erlebt. Natürlich fallen in der Hitze des Gefechts auch mal harschere Worte und dumme Sprüche, die werden einem aber kaum je übelgenommen», erklärt Moresi.

Besuche, gemeinsame Anlässe und Hilfeleistungen
In den Nachtdiensten besucht man sich auch gegenseitig immer wieder. Dann trinken Polizei und Rettung gemeinsam einen Kaffee und unterhalten sich. Über vergangene und mögliche künftige Einsätze, über Gott und die Welt. Aber auch, wenn alle Rettungsfahrzeuge der Rettung Chur bereits im Einsatz sind und der Notarzt vom Kantonsspital zu einem Einsatz muss, holt ihn die Polizei ab und bringt ihn an den entsprechenden Ort. Gerade bei Grossanlässen wie dem Churer Fest und der Schlagerparade ist es Gold wert, wenn man sich gegenseitig kennt und es klar ist wer welche Aufgabe zu bewältigen hat.

Grosser Respekt
Moresi ist sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit und auch die gegenseitige Wertschätzung ist ausgeprägt. «Ich habe grössten Respekt für alle Angehörigen der Stadtpolizei Chur. Die Bewohner der Stadt Chur können wirklich froh sein, dass die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Rettung und auch Feuerwehr so gut funktioniert. Schliesslich dient diese Kooperation der Sicherheit und dem Schutz aller Menschen in Chur».

Weitere Informationen zur Rettung Chur erhalten Sie unter www.ksgr.ch/rettungchur.

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Ansprechpartner

Renato Moresi

Betriebsleiter Rettungsdienst, Dipl. Rettungssanitäter HF, Dipl. Pflegefachmann HF, Master of Advanced Studies MAS FHO in Health Service Management

Tel.+41 81 256 61 11

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