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Aus dem Spital
15.  Nov 2018

Aus dem Alltag eines Unterassistenzarztes

Nachdem er die Kantonsschule in Chur abgeschlossen hatte, verliess Daniel Zobrist den Kanton Graubünden um sein Medizinstudium in Zürich zu beginnen. Nun ist er zurück in der alten Heimat, als Unterassistenzarzt am Kantonsspital Graubünden (KSGR). Was er in dieser Zeit erlebt und warum er die Erfahrungen am KSGR besonders schätzt, hat er uns im Interview erzählt.

Du bist in der Nähe aufgewachsen. Hat es dich zurück ins Bündnerland gezogen?
Daniel Zobrist: Es ist schön wieder in der Heimat zu sein und am KSGR arbeiten zu dürfen. Ich war in meiner Kindheit auch einige Male als Patient hier. Es ist deshalb umso interessanter das Spital aus der anderen Perspektive zu sehen. Der Hauptgrund für meine Wahl war allerdings, dass das KSGR ein sehr gutes Spital ist und insbesondere die chirurgische Abteilung einen exzellenten Ruf geniesst.

Daniel Zobrist im Kantonsspital Graubünden

Daniel Zobrist beim Interview im Kantonsspital Graubünden.

Du bist gerade in deinem Unterassistenzjahr. Was heisst das?
An der Universität Zürich, an der ich mein Medizinstudium absolviere, hat man im 5. Studienjahr die Möglichkeit, in verschiedenen Spitälern und unterschiedlichen Fachbereichen erste berufliche Erfahrungen zu sammeln. Dabei kann man sich das Jahr selbstständig einteilen und organisieren, muss einfach mindestens neun Monate arbeiten.
Ich arbeitete bereits für zwei Monate im Spital in Samedan auf der medizinischen Abteilung und bin jetzt für drei Monate hier am KSGR auf der Chirurgie. Anschliessend plane ich noch weitere Aufenthalte, unter anderem in Nepal und Südafrika.

Ist es schwierig eine Stelle als Unterassistenzarzt zu finden?
Man muss sich das Jahr zwar selber organisieren, aber die Stellensuche ist nicht so schwierig wie bei manch anderem Praktikum. Oft braucht man nur telefonisch bei Spitälern anzufragen und – falls noch eine passende Stelle frei ist – seine Unterlagen einzuschicken. Das klappt dann meistens.

Wie sieht deine tägliche Arbeit aus?
Man muss sich bewusst sein, dass wir als Unterassistenten noch mitten in der klinischen Ausbildung sind und das Spital einen gewissen Lehrauftrag uns gegenüber hat. Natürlich hängt es auch immer sehr vom zuständigen Assistenzarzt sowie der Motivation und dem Engagement des Unterassistenten ab, was man machen kann und darf. Wenn Zeit bleibt, wird man immer mal wieder zur Seite genommen und kann bestimmte Dinge mit einem Assistenzarzt in Ruhe besprechen. Darüber hinaus darf man natürlich nicht vergessen, dass auch das Pflegepersonal ein wichtiger Ansprechpartner für uns ist, von ihnen können wir sehr viel lernen und profitieren.
Das Operative ist abgestuft eingeteilt. Man beginnt damit, den Assistenten über die Schulter zu blicken, bis man dann irgendwann selbst am Tisch stehen kann, die ersten Haken halten darf oder plötzlich seine ersten Stiche setzt – stets mit dem Ziel, eines Tages selbst das Skalpell zu führen.
Ausserhalb des Operationssaals habe ich mehr Aufgaben, so mache ich zum Beispiel die Eintrittsuntersuchungen. Dies ist die erste Untersuchung, wenn der Patient zu uns ins Spital kommt. Man weiss zwar oft grob wo sein Problem liegt, aber da wir nichts übersehen und schauen wollen ob der Patient fit genug ist für die geplante Operation, machen wir jeweils einen generellen Gesundheitscheck von Kopf bis Fuss. Zudem betreue und untersuche ich Patienten auf der Notfallstation, natürlich immer in Rücksprache mit dem anwesenden Assistenzarzt oder Oberarzt.

Was ist deine Lieblingsaufgabe?
Am meisten freue ich mich, wenn mein Telefon klingelt und ich für den Operationssaal aufgeboten werde. Ich stehe noch ganz am Anfang meiner Karriere und habe noch nicht so viel gesehen, daher ist jede Operation sehr faszinierend. Besonders toll ist es natürlich, wenn der Operateur sich noch etwas Zeit für ein Teaching nimmt oder man am Schluss selbst Hand anlegen und die Operationswunde zunähen darf.

Es gefällt dir also hier am KSGR?
Ja, sehr. Die Zeit hier ist eine tolle Möglichkeit, in den Beruf reinzuschnuppern, den Spitalbetrieb sowie die verschiedenen Fachrichtungen besser kennenzulernen und erste Erfahrungen sammeln zu können. Ich kann so besser rausfinden, welcher Fachbereich für mich persönlich am besten passt.

Hast du bereits eine Idee wohin du willst?
Die Chirurgie reizt mich sehr und die Zeit hier am KSGR hat mich in meinem Wunsch, mich in diesem Bereich zu spezialisieren, noch bestärkt. Die Medizin allgemein und der menschliche Körper in seiner ganzen Komplexität fasziniert mich sehr – insbesondere die Anatomie. In Operationen wendet man anatomische Kenntnisse direkt an – man hat den Körper vor sich und versucht ihn zu reparieren. Besonders das Handwerkliche sagt mir zu – haben meine Hände nichts zu tun, werden sie schnell etwas zappelig.
Natürlich sind die Operationen nicht die ganze Arbeit. Nur weil der Patient operiert ist, ist er ja noch nicht gesund. Man betreut ihn auch vor und nach der Operation. Somit kommt auch auf der Chirurgie der Patientenkontakt keinesfalls zu kurz, entgegen vieler Klischees.

Du klingst sehr begeistert. Gibt es auch negative Aspekte?
Man muss sich bewusst sein, es ist ein sehr langer Weg. Ich sehe hier die Assistenzärzte, die schon zwei bis drei Jahre weiter sind und doch – wie es der Name aus etwas impliziert – oft „nur“ assistieren. Zu wissen wo man hin will, aber eben auch wie lange es noch dauern wird, kann manchmal etwas frustrierend sein.
Aber es gibt definitiv auch Momente in denen ich froh bin, dass ich noch Zeit habe um zu lernen.

Wie empfindest du den Unterschied zwischen dem Lernen an der Universität und hier am Spital?
Die Arbeit hier ist eine sehr erfrischende Abwechslung zum Uni-Alltag. Ich habe in wenigen Monaten bereits so viel gelernt im direkten Kontakt mit Patienten und ihren Krankheiten. Oft packt mich ein Fall so sehr, dass ich abends nach Hause gehe und mehr Informationen zu der Krankheit nachschlage. Man bekommt einen ganz neuen Blickwinkel auf das Gelernte und kann es sich dadurch besser merken.

Wie geht es nun bei dir weiter?
Erst geniesse ich noch weitere praktische Erfahrungen bevor es dann für ein Jahr zurück an die Universität geht. Dort muss ich noch einige Vorlesungen besuchen und Prüfungen schreiben, bevor dann im Sommer das Staatsexamen ansteht.


Weitere Informationen zu unseren Ausbildungsplätzen als Unterassistent auf der Chirurgie finden Sie unter www.ksgr.ch/Aus-Weiterbildung-Chirurgie.

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