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Aus dem Spital
10.  Dez 2020

«Pflegen Sie das Leben, auch Ihr eigenes»

Letzte Woche ist Schwester Liliane Juchli verstorben. Sie galt als die «Grande Dame» der Pflege. Rita Maria Ackermann, Stationsleitung Palliative Care am KSGR, kannte sie sehr gut und blickt in persönlichen Zeilen auf die Freundschaft zurück.

Schwester Liliane Juchli

Schwester Liliane Juchli (Bild: Kerstin Lenz, Katholische Kirche im Kanton Zürich)

Am Montag vergangener Woche verstarb Schwester Liliane Juchli, eine der bekanntesten Pflegefachfrauen der Gegenwart, im Alter von 87 Jahren. Mit ihrem Buch «Pflege – Praxis und Theorie der Gesundheits- und Krankenpflege», umgangssprachlich auch "Die Juchli" genannt, hat Schwester Liliane ein Werk geschaffen, das mehr als eine Million Mal aufgelegt wurde und lange Jahre als Standard für Pflegende in der Ausbildung galt.

Schwester Liliane Juchli hat die Entwicklung des Pflegemodells der Aktivitäten des täglichen Lebens entscheidend beeinflusst und sich für die Professionalisierung der Pflege – weg vom Hilfsberuf hin zur Eigenständigkeit – eingesetzt.

Rita Maria Ackermann, Stationsleitung Palliative Care am Kantonsspital Graubünden, kannte Schwester Liliane Juchli seit rund 30 Jahren. Ihre Wege kreuzten sich erstmals im Jahr 1990 und aus dieser Begegnung ist eine lebenslange Freundschaft entstanden. Der Austausch zwischen den beiden war rege und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Ackermann blickt in einigen persönlichen Zeilen zurück.

Rita Maria Ackermann

Rita Maria Ackermann mit ihrer Ausgabe von Schwester Lilianes Standardwerk.

Liebe Schwester Liliane

Noch ehe wir uns persönlich begegneten, hast Du mir aus dem Herzen gesprochen. In der Ausbildung zur Pflegefachfrau habe ich die von Dir verfassten Bücher regelrecht verschlungen. Dein Verständnis von Pflege, Deine Zugewandtheit zum Gegenüber und Deine Haltung waren beispielhaft. Der Mensch und seine Würde standen für Dich stets im Mittelpunkt.

Im Laufe der Jahre wurde mir mehr und mehr bewusst, dass unsere Gespräche über Ganzheitlichkeit und Lebensqualität einen nachhaltigen Einfluss auf mich hatten. Dir waren die Inhalte von Palliative Care schon wichtig, als Palliativpflege in der Schweiz noch weitgehend unbekannt war. Du hast einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass ich versuche, diese Werte jeden Tag zum Wohle der Schwerkranken und Sterbenden und ihrer Angehörigen zu leben und mich im Spitalalltag dafür stark zu machen.

Ein häufig von Dir zitierter Satz lautet «Ich pflege als die, die ich bin». Du warst tief verwurzelt im Glauben. Deine Ordensgemeinschaft und Deine Familie gaben Dir Halt und gleichzeitig den Freiraum, Dich Deiner Arbeit zu widmen. Du warst weltoffen und hast Dich den Herausforderungen gestellt. Deine intensive Auseinandersetzung mit der Logotherapie, Philosophen wie Meister Eckhardt und dem Psychotherapeuten Karlfried Graf Dürckheim hatten Einfluss auf Dein faszinierendes Menschenbild.

Ich durfte an zahlreichen Anlässen zu Deinen Ehren, wie der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland oder der Eröffnung der Sr. Liliane Juchli Bibliothek, teilnehmen. Auch bei solchen Veranstaltungen habe ich Dich immer als bescheidene Ordensfrau erlebt.

Im Jahr 2013 hast Du unsere Palliativabteilung besucht; noch heute erinnern sich die Pflegenden an die Kraft und Warmherzigkeit die Du ausstrahltest.

Deine Aussage «Ausgebrannte Pflegekräfte bringen keine Wärme mehr; wem nützt ein Leuchtturm, wenn die Lampe nicht brennt?» ist aufgrund der derzeitigen Pandemiesituation aktueller denn je. Du wusstest, was es bedeutet, bis zur Erschöpfung zu arbeiten. Deine persönliche Erfahrung formte Deinen Rat an alle Pflegenden «Pflegen Sie das Leben, auch Ihr eigenes».

Dein Interesse für das, was Pflegende bewegt, ist nie erloschen. Oftmals wolltest Du von mir vom Stationsleben hören.

Im Oktober haben wir uns zum letzten Mal gesehen. Deine körperlichen Kräfte hatten zwar nachgelassen, im Geiste aber warst Du jung geblieben und deine Strahlkraft war nicht erloschen.

Liebe Schwester Liliane, es ist mir eine grosse Ehre, dass wir ein Stück unseres Lebensweges gemeinsam gehen durften.

Weitere Informationen zur Palliative Care finden Sie unter www.ksgr.ch/palliative-care.

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Rita Maria Ackermann
Ansprechpartner

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Stationsleitung Palliative Care

Tel.+41 81 256 78 44

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