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Aus dem Spital
15.  Apr 2021

Sprachgewandte Multitaskerin

Kommunikation, Sprache und Verständnis sind wichtige Pfeiler der Medizin. Wenn die Sprachbarrieren zu hoch werden, kommen für kurze, dringliche und einfache Gespräche die Ad-Hoc-Dolmetscher*innen zum Einsatz. Eine erzählt von ihrer Arbeit.

Andreia Pereira ist in Portugal aufgewachsen und im Alter von elf Jahren in die Schweiz gekommen. «Meine Muttersprache ist Portugiesisch. Deutsch habe ich hier in der Schule gelernt.» Heute ist sie Fachfrau Gesundheit auf der Abteilung Onkologie am Kantonsspital Graubünden (KSGR) und leistet zusätzlich Einsätze als Ad-Hoc-Dolmetscherin.

Andreia Pereira

Andreia Pereira, Fachfrau Gesundheit Onkologie und Ad-Hoc-Dolmetscherin.

Mehrere Jahre Erfahrung
Angefangen hat Pereiras Dolmetscherinnen-Karriere vor einigen Jahren: «Ich habe mit meiner damaligen Teamleiterin besprochen, dass es praktisch wäre, wenn man einen Dolmetscherpool im KSGR hätte.» Die Teamleiterin wusste da bereits, dass ein entsprechender Pool in Planung war. Pereira meldete sich freiwillig, um Teil des Pools zu werden.

Aus- und regelmässige Weiterbildung
Nachdem der Pool aufgebaut worden war, gab es einige Ausbildungssequenzen für die Dolmetscherinnen und Dolmetscher: «Zuerst hatten wir einen Test per Telefon und wir erhielten ein Zertifikat.» Danach gab es eine Schulung durch einen externen Partner. «Dort ging es weniger um konkrete Sprachkompetenzen, sondern eher um Verhaltensregeln in der zwischenmenschlichen Kommunikation.» Zusätzlich findet einmal pro Jahr ein Dolmetscher*innentreff statt. «Dort tauschen wir uns aus und besprechen, wie wir uns weiterbilden und organisieren können, um unsere Einsätze bestmöglich bewältigen zu können.»

Die Arbeit geht vor
Meist wird Pereira angerufen, wenn ein Einsatz ansteht. «Das kann mal auf dem Notfall sein oder bei der Anästhesie.» Die Arbeit geht grundsätzlich vor. Pereira kann Dolmetscher*innen-Aufträge nur wahrnehmen, wenn es ihr eigentlicher Beruf zulässt. «Es kann natürlich vorkommen, dass bei uns viel läuft und ich nicht weg kann. Da findet sich in der Regel aber schnell jemand anderes aus dem Dolmetscher*innen-Pool, der helfen kann.» Für Portugiesisch-Deutsch-Übersetzungen stehen im KSGR drei Personen zur Verfügung. Man kennt sich untereinander. «Die eine Kollegin arbeitet in der Gastronomie und die andere im OP.»

In-House oder extern: es wird übersetzt
Die grösste Herausforderung beim Dolmetschen ist für Pereira, wenn sie die Patientin oder den Patienten persönlich kennt. «In solchen Fällen ist es für mich persönlich schwierig, die nötige professionelle Distanz zu wahren.» Das sei jedoch selten der Fall und wenn es so sei, könne auch gut eine Kollegin den Einsatz übernehmen. Alternativ gibt es am KSGR auch die Möglichkeit, sofort externe Dolmetscher*innen per Telefon beizuziehen. Oder, wenn das Gespräch planbar ist, werden professionellen Dolmetscher*innen der Organisation Verdi beigezogen. Verdi vermittelt Interkulturelle Dolmetscher*innen an Organisationen aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Soziales, Asyl und Integration. Verdi wird durch die ARGE Integration Ostschweiz getragen und durch die Ostschweizer Kantone und den Integrationskredit des Bundes unterstützt.

Geschätzte 65 Einsätze im vergangenen Jahr
Die Anzahl der Einsätze ist für Pereira sehr unterschiedlich: «Es gibt Wochen, in denen ich beinahe täglich einen Einsatz habe. Dann folgen wieder Monate, in denen ich kaum gebraucht werde.» In den vergangenen Jahren hatte Pereira ungefähr 65 Einsätze, schätzt sie. Die Situationen sind sehr unterschiedlich. Die Ad-Hoc-Dolmetscher*innen kommen vor allem spontan zum Einsatz. Planbare Dolmetscher*innen-Aufträge werden vom KSGR an einen professionellen Anbieter vergeben. Schwierige Gespräche und herausfordernde Diagnosen, bei denen vermehrt Fragen auftauchen können, werden von diesem Dolmetscher*innendienst bearbeitet und nicht von den Ad-Hoc-Dolmetscher*innen. «Für solche Gespräche, in denen es um fachliche und detaillierte Informationen und Fragen geht, sind wir nicht ausgebildet», erklärt Pereira.

Dankbarkeit und Emotionen
Was Pereira von ihren Einsätzen am meisten in Erinnerung bleibt, ist die Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten: «Man spürt förmlich, wie diese Menschen aufblühen, wenn sie merken, dass sie mit jemandem in ihrer Muttersprache kommunizieren können. Man merkt, dass wir eine grosse Hilfe und Unterstützung für sie sind.» Eine Situation gab es bisher, mit der Pereira überfordert war: «Ich wurde spontan zu einem Einsatz auf der Onkologie gebeten und habe erst bei der Begegnung mit dem Patienten gemerkt, dass ich ihn sehr gut kenne.» Das Gespräch habe zu einem späten Zeitpunkt der Krankengeschichte stattgefunden und entsprechend emotional sei die gesamte Situation auch gewesen. «Ich war wie blockiert. Ich konnte nicht sprechen und mir kamen auch die Tränen. Rundherum wusste niemand, warum ich so reagierte. Ich wollte helfen, konnte es aber nicht.»

Dies sei der einzige Moment ihrer Ad-Hoc-Dolmetscherinnen-Karriere gewesen, der aufgrund von Nähe und Emotionalität wirklich schwierig war. «Alle anderen Einsätze waren immer sehr positiv und von grosser Dankbarkeit geprägt. Sie sei sehr zufrieden mit ihrer Doppelrolle im KSGR und weist für die Mitarbeitenden des KSGR nochmals darauf hin: «Wenn ihr Unterstützung braucht, ruft uns einfach an. Wir haben Freude an unseren Einsätzen und profitieren selbst auch davon.»

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Ornella Luminati
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