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Aus dem Spital
23.  Mai 2019

Endoskopien im Kosovo: Erster Schritt für den Aufbau eines Kompetenzzentrums

Im Interview über seinen Auslandaufenthalt in Nepal hat Dr. med. Patrick Mosler, Chefarzt für Gastroenterologie* und Hepatologie am Kantonsspital Graubünden (KSGR), bereits ein neues Hilfsprojekt angekündigt. Nun ist es soweit: Sein Besuch am Universitätsspital in Pristina im Januar gab den Anstoss für das neue Projekt, dem Aufbau einer neuen Endoskopieabteilung zur Sicherstellung der gastroenterologischen Versorgung der Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen im Kosovo. Ende April besuchte eine Delegation des Universitätsspitals Pristina das KSGR. Anlass war die Stiftung eines ausgemusterten Ultraschallgerätes durch das KSGR.

Spende Universitätsspital Pristina

Dritë Rushiti, Pflegefachfrau Endoskopie am KSGR, Dr. med. Fadil Sherifi, Leiter Endoskopie
in Pristina, Remzie Aliu, Teamchefin Endoskopie-Pflege in Pristina, Dr. Med. Patrick Mosler,
Chefarzt Gastroenterologie und Hepatologie am KSGT Dr. med. Zaim Gashi, Chefarzt für
Gastroenterologie und Hepatologie Universitätsspital Pristina. (vlnr.)

«Nach der Erfahrung in Nepal kam die Idee auf, ein neues, eigenes Projekt zu lancieren. Eines, das etwas näher an der Schweiz liegt — da bin ich auf den Kosovo gestossen», schildert Dr. med. Patrick Mosler den Ursprung des Projekts. Dieses hat er dann im Rahmen der Gastroenterology Foundation e.V. und in Zusammenarbeit mit PD Dr. med. Matthias Breidert, Leitender Arzt für Gastroenterologie und Hepatologie am Stadtspital Waid in Zürich, Anfang 2019 lanciert.

Drittweltstandards in öffentlichen Spitälern
Als Ausgangspunkt für das Projekt wurden Gastroenterologen im Kosovo kontaktiert. «Dabei hatten wir Unterstützung von Dritë Rushiti, Pflegefachfrau am KSGR, die aus dem Kosovo stammt», betont Dr. Mosler. Die kontaktierten Spezialisten verwiesen ans Universitätsspital in Pristina, worauf Dr. Mosler, zusammen mit Dr. Breidert und Dritë Rushiti nach Pristina reiste, um zu eruieren, welche Bedürfnisse bestehen und ob sich das Spital für ein Projekt der Gastroenterology Foundation e.V. eignet. In Pristina angekommen trafen die zwei Mediziner auf Standards, wie man sie in einem Drittweltland erwarten würde. Es fehlte an Endoskopiegeräten sowie einem Ultraschallgerät. «Die Diskrepanz zwischen öffentlichen und privat finanzierten Institutionen war auffällig. So ist der privatfinanzierte Flughafen nagelneu, während die Universität und das dazugehörige Spital stark in die Jahre gekommen sind. In den Zimmern lagen die Patienten zum Teil mit Mänteln in ihren Betten, weil es so kalt war», schildert Dr. Mosler seine Eindrücke.

Hilfe zur Selbsthilfe
Der Besuch in Pristina sollte dazu dienen, zu eruieren, ob sich das Projekt für die Gastroenterology Foundation e.V. eignet. «Es ist uns wichtig, dass wir nicht nur Geräte schicken, sondern auch begleiten und schulen. Das Ziel ist es, neue Kompetenzzentren aufzubauen und so Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.», erklärt Dr. Mosler. «Zudem ist es wichtig, dass die Hilfe der breiten Bevölkerung zu Gute kommt und nicht nur jenen, die sich Behandlungen in privaten Kliniken leisten können.» Diese Bedingungen waren im Kosovo gegeben und das Interesse einer Zusammenarbeit bestand beiderseits.

Stiftung von Geräten
Das KSGR hat sich kürzlich ein neues Ultraschallgerät beschafft, das eine bessere Bildqualität liefert und damit den gestiegenen Ansprüchen eines modernen Zentrumsspitals entspricht. Das alte Gerät wurde ausgemustert und seither nicht mehr benutzt. «Das Gerät entspricht nicht den neusten Standards, aber funktioniert noch und ist wesentlich besser als die Ausrüstung, die aktuell im Universitätsspital in Pristina verwendet wird.» So bildet das gestiftete Gerät auch den Auftakt der Zusammenarbeit. Ausserdem wurden weitere Gerätschaften zur Aufbereitung und hygienischen Reinigung von Endoskopiegeräten gestiftet.

Drei Tage Austausch und Schulung
Ganz im Sinne der Gastroenterology Foundation e.V. sollte nicht nur die Geräte gesendet werden, sondern auch ein Wissenstransfer stattfinden. So lud Dr. Mosler Dr. med. Zaim Gashi, Chefarzt für Gastroenterologie und Hepatologie, Dr. med. Fadil Sherifi, Leiter der Endoskopie, und Remzie Aliu, Teamchefin der Endoskopie-Pflege des Universitätsspitals Pristina, für drei Tage in die Schweiz ein. Sie haben sowohl das Stadtspital Waid in Zürich als auch das KSGR besucht. «Wir haben ein Programm mit verschiedenen Endoskopien, einer Schulung zum gestifteten Ultraschallgerät sowie zur hygienischen Aufbereitung der Endoskopiegeräte zusammengestellt», beschreibt Dr. Mosler den Aufenthalt. Die Gäste haben die Tage sehr geschätzt, so hielten sie in einer E-Mail nach der Rückkehr fest: «Wir haben noch nie soviel gelernt in nur drei Tagen». Und auch der persönliche Austausch kam bei einem gemütlichen gemeinsamen Abendessen nicht zu kurz.

Weitere Schritte folgen
«Im Juni findet im Kosovo ein Kongress für Gastroenterologen statt. Dazu wurden wir eingeladen, um einerseits das Projekt im Rahmen eines Vortrags kurz vorzustellen und andererseits Gastroenterologen aus dem ganzen Land zu schulen», erzählt Dr. Mosler. Ziel des Projektteams ist es, ein Zentrum für Endoskopie im Kosovo aufzubauen und langfristig auch speziellere endoskopische Untersuchungen wie zum Beispiel Gallengangspiegelungen zu etablieren. Mit der Stiftung des Ultraschallgerätes und den entsprechenden Schulungen ist der erste Schritt getan. Die Hilfe zur Selbsthilfe nimmt Formen an und mit hier ausgemusterten Gerätschaften kann im Kosovo ein wichtiger Beitrag zum Wohlbefinden der lokalen Bevölkerung geleistet werden.

* Die Gastroenterologie befasst sich mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und der damit verbundenen Organe wie Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse.

Weitere Informationen zur Gastroenterologie im KSGR finden Sie auf: www.ksgr.ch/gastroenterologie.

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Dr. med. 
Patrick Mosler

Chefarzt, Leiter Gastroenterologie/Hepatologie

Tel.+41 81 256 63 07

Fax.+41 81 256 63 78

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