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Gesundheit
15.  Aug 2019

Was geschieht, wenn man die Augen schliesst – gute Nacht!

Es beschäftigt uns fast einen Drittel unserer Zeit — das Schlafen. Der Körper ist ruhig, scheinbar im «Stand-by-Modus». Doch der Schein trügt. Während sich der Körper die lebenswichtige Erholung gönnt, ist das Gehirn sehr aktiv. Was während dem Schlafen genau passiert, wie viel Schlaf wir benötigen, welche Probleme auftreten können und welche vermeintlichen Weisheiten zu Schlaf nicht ganz der Wahrheit entsprechen, beantwortet Dr. med. Christina Michaela Caporale, Leitende Ärztin Neurologie am Kantonsspital Graubünden (KSGR).

Schlafmedizin

Faul, müde, schläfrig — Gefühle, bei denen es uns zurück ins Bett zieht. Dabei handelt es sich aber um drei grundlegend unterschiedliche Dinge. Während Faulheit eine Lustlosigkeit beschreibt, weisst Müdigkeit auf einen Erschöpfungszustand hin. Schläfrigkeit zeigt ein Defizit des Körpers, das Defizit an Schlaf. Denn der Körper braucht Schlaf. Was aber passiert, während wir schlafen?

Die vier Schlafphasen
Unser Schlaf teilt sich in vier Schlafphasen ein, die Phasen 1 bis 3 und den REM-Schlaf. Schlafphase 1 ist sehr oberflächlich. Es ist die Phase, in der wir uns gleich nach dem Einschlafen befinden. Während der Phase 2 ist das Gehirn sehr aktiv, es verarbeitet das Erlebte und verschiebt das Erlernte vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis. Dies ist besonders wichtig, wenn man lernt. Denn schläft man zu wenig, wird das Erlernte nicht im Langzeitgedächtnis gespeichert und man vergisst es. Die Schlafphase 3 ist der tiefste Schlaf und dient auch dem Gehirn zur Erholung. Sie findet in der ersten Hälfte der Nacht statt und ist für die Gesundheit sehr wichtig. Die vierte Schlafphase, der REM-Schlaf, wird auch Traumschlaf genannt. Zwar liegen aktuell keine eindeutigen Beweise vor, es gibt aber Hypothesen, die davon ausgehen, dass das Gehirn in dieser Phase die Emotionen des Tages verarbeitet. Dazu träumen wir.

Wieviel Schlaf muss sein?
Die notwendige Anzahl Schlafstunden variiert von Person zu Person. Das Schlafbedürfnis kann zwischen sechs und zehn Stunden pro Nacht liegen. Ebenfalls personenabhängig ist, ob man ein Frühaufsteher oder doch eher eine Nachteule ist. Beides lässt sich nicht ändern. Aus diesem Grund stellen gesellschaftliche Strukturen für bestimmte Personen eine enorme Herausforderung dar. Jemand, der erst abends munter wird, und nur schwer vor Mitternacht einschlafen kann, aber neun bis zehn Stunden Schlaf benötigt, hat es wahnsinnig schwierig, sich an einen Stundenplan oder die Bürozeiten zu halten.

Ausgeschlafen oder Schlafentzug
Welcher Typ man selbst ist, merkt man leicht — das Gehirn weiss, wenn es Schlaf benötigt. Man wird schläfrig. Die Konzentration fällt schwer und es kann zu Gedächtnislücken kommen, da die für die Erinnerung notwendigen Prozesse nicht stattfinden. Bei einem Schlafdefizit entscheidet das Gehirn irgendwann selbst, dass es Zeit ist, zu schlafen. Dies trifft besonders Momente, die monoton und langweilig sind — während einer Präsentation, beim Verrichten eintöniger Arbeit am Computer oder, besonders verheerend, beim Autofahren. Es ist somit sehr wichtig, Schlafdefizite zu vermeiden oder frühzeitig abzubauen. Zusätzlich ist Schlafentzug auch ein kardiovaskulärer Risikofaktor und macht Herzinfarkte und Hirnschläge wahrscheinlicher.

Medizinische Gründe für Schläfrigkeit
Während sich viele schläfrig fühlen, weil die neuste Fernsehserie zu spannend war, um auszuschalten oder es beim Abend mit Freunden später wurde als geplant, gibt es verschiedene gesundheitliche Probleme, die den Schlaf beeinträchtigen. Dies können entweder Krankheiten sein, die den Schlaf stören, beispielsweise Schlafapnoe, also Atemaussetzer in der Nacht, oder periodische Beinbewegungen. In beiden Fällen wachen die Betroffenen aus tieferen Schlafphasen in eine leichtere Phase auf und sind aufgrund des gestörten Schlafs am nächsten Morgen nicht komplett ausgeruht. In anderen Fällen liegt das Problem beim Schlaf selbst, wie beispielsweise bei Hypersomnie oder Narkolepsie. Bei ersterer Krankheit ist der Betroffene ständig müde, egal wie viel er geschlafen hat. Narkolepsie hingegen zeichnet sich durch attackenartige Schlafanfälle aus. Bei all diesen Gesundheitszuständen hilft mehr Schlaf nicht, um eine Verminderung der Symptome zu erreichen – medizinische Unterstützung ist notwendig.

Mythen rund um Schlaf
Wie bei vielen medizinischen Themen, ranken sich auch um den Schlaf viele Weisheiten und Mythen – Frau Dr. Caporale räumt damit auf:

Mythos 1: Der Schlaf vor Mitternacht ist der Wertvollste
Falsch — besonders wichtig ist der Schlaf der Schlafphase 3, diese findet in der ersten Hälfte der Nacht statt. Die erste Hälfte der Nacht beginnt dann, wenn man ins Bett geht. Es ist dabei für die Schlafqualität unerheblich, ob dies um 20:00 Uhr, um Mitternacht oder um 02:00 Uhr ist.

Mythos 2: Blaues Licht, wie jenes von Bildschirmen, verhindert, dass man einschlafen kann
Richtig — das blaue Licht wirkt wie ein Wecker auf den Körper und macht es dadurch schwieriger, einzuschlafen.

Mythos 3: Man ist den ganzen Tag müde, wenn man aus dem Tiefschlaf gerissen wird.
Falsch — Wenn man sich in einer tieferen Schlafphase befindet, ist ein grösserer Reiz nötig, um aufgeweckt zu werden. Auf das Wohlbefinden während des Tages hat dies allerdings keinen Einfluss.

Mythos 4: Den Schlafrhythmus einzuhalten hilft beim Einschlafen
Richtig — Hat man Probleme beim Einschlafen, ist es hilfreich ein Ritual und einen klaren Rhythmus zu haben, um den Körper auf das Einschlafen vorzubereiten. Sollte man keine Probleme mit dem Einschlafen haben, ist es allerdings nicht schädlich, zu unterschiedlichen Zeiten schlafen zu gehen.

Weitere Informationen zur Schlafmedizin finden Sie unterwww.ksgr.ch/pneumologie.

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Ansprechpartner

Dr. med. 
Christina Michaela Caporale

Leitende Ärztin, Neurologie / Co-Leiterin Schlafmedizin

Tel.+41 81 256 63 51

Fax.+41 81 256 76 49

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