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Aus dem Spital
08.  Aug 2017

Eröffnung des Sanitätspostens in Sibuje, Nepal

Text von Ang Tendi Sherpa und Alexandra Sherpa-Fry

Aufgrund des Erdbebens in Nepal vom 25. April 2015 starteten wir eine Spendenaktion, um das kleine abgelegene Dorf Sibuje zu unterstützen. Viele Häuser wurden ganz oder teilweise beschädigt. Sibuje liegt im Nordosten Nepals, in der Region vom Mount Everest. Dr. Arnold Bachmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Kantonsspitals Graubünden, wurde auf diese Spendenaktion aufmerksam. Bei einem persönlichen Gespräch wurde uns erklärt, dass die Stiftung Kantonsspital Graubünden ein Projekt – wie zum Beispiel die Erbauung eines Sanitätspostens – unterstützen würde. Da in Sibuje keinerlei medizinische Dienstleistungen vorhanden sind, war das eine grandiose Vorstellung.

Bauphase des Sanitätspostens

Sanitätsposten in Sibuje

Sanitätsposten in Sibuje

Nach einigen Wochen Wartezeit kam dann der grosse Moment: Im Januar 2016 wurde das Projekt zur Erbauung des Sanitätspostens in Sibuje bewilligt. Wir und auch die Bewohner von Sibuje waren von dieser Nachricht überwältigt. Denn ein Sanitätsposten dieser Art bietet den Bewohnern und den Menschen der umliegenden Dörfer eine medizinische Sicherheit, die bis anhin nicht vorhanden war. Der Sanitätsposten wird von einer Pflegefachfrau geführt, die für die Versorgung und Abklärung verschiedener Verletzungen oder Beschwerden zuständig ist. Ein lang ersehnter Wunsch ging so für viele Menschen in Erfüllung. Im April 2016 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, nachdem alle Bewilligungen und Dokumente beschafft werden konnten. Trotz Unterbrüchen wegen des Monsuns (Regenzeit) und der Trekking- und Expeditions-Saison, bei der viele Arbeiter mit Touristen unterwegs sind, schritten die Bauarbeiten gut voran. Zwischenfälle gab es keine. Die Arbeiter und Organisatoren vor Ort leisteten eine sehr gute Arbeit.

Eröffnungsfeier

Eröffnungsfeier in Sibuje.

Am 17. Juni 2017 war es dann soweit. Der Sanitätsposten wurde eröffnet. Die Eröffnung war ein grosser Erfolg. Alle Bewohner von Sibuje und viele Gäste aus den umliegenden Dörfern waren anwesend. Die Zeremonie fand nach traditioneller Sherpa-Kultur statt. Leider war das Wetter nicht besonders gut, was jedoch keine Seltenheit um diese Jahreszeit ist. Denn in den Monaten Juni bis Mitte September herrscht der Monsun. Dies war jedoch kein Grund, sich die festliche Stimmung vermiesen zu lassen. Die Zeremonie wurde von sieben Lamas (buddhistische Priester) durchgeführt. Der Älteste von ihnen ist 94-jährig und derzeit der grösste und höchste Lama der Region.

Im Wohnzimmer der Pflegefachfrau, das am Sanitätsposten angebaut ist, wurde die Zeremonie – eine sogenannte “Puja“ – eingeläutet. Die Lamas lasen zur Segnung des Sanitätspostens sogenannte Mantras vor, das sind wiederholende Gebete, und musizierten dazu mit ihren traditionellen Instrumenten. Anschliessend begab sich die Gruppe nach draussen, wo das Programm weitergeführt wurde. Der Sanitätsposten wurde unter weiteren Mantras und musizierenden Lamas von allen Besuchern mit Reis beworfen. Diese Geste soll das Gebäude vor Naturkatastrophen und anderem Unheil beschützen.
Der Grosse Lama hatte die Ehre, das rote Band des Haupteinganges zu durchtrennen. Zuerst wurde jedoch eine Butterlampe angezündet. Unter grossem Applaus wurde der Sanitätsposten dann zum ersten Mal offiziell betreten.
Nach der Besichtigung des Sanitätspostens wurde den Besuchern erklärt, wie das Projekt entstanden ist und wie es weiter finanziert wird. Als Dank an die Stiftung Kantonsspital Graubünden wurde eine Dankesplakette am Eingang angebracht.

Nepalesische Traditionen

Kochen auf dem offenen Feuer.

Alle Leute, die am Bau des Sanitätspostens beteiligt waren, wurden von den Bewohnern von Sibuje mit Khathas beschenkt. Eine Khatha ist ein Schal, der mit den acht Glückssymbolen aus dem Buddhismus versehen ist. Zur Feier des Tages wurde ein Mittagessen für alle Besucher in grossen Töpfen auf dem offenen Feuer zubereitet. Das Fest wurde mit einem traditionellen Sherpa-Tanz weitergeführt.

Die Bewohner von Sibuje sind sehr glücklich und dankbar für die Unterstützung und sehr stolz auf den Sanitätsposten.
Bereits am zweiten Tag nach der Eröffnung fand ein besonderes Ereignis statt. Eine schwangere Frau war auf dem Weg nach Lukla. Lukla liegt etwa einen Zwei-Tages-Fussmarsch von Sibuje entfernt und ist das nächstgelegene Spital. Die schwangere Frau stoppte in Sibuje und wendete sich an die Pflegefachfrau. Diese klärte zuerst ab, ob sie diese Geburt überhaupt durchführen darf. Dies war zum Glück der Fall. In derselben Nacht brachte die Frau ein gesundes Mädchen zur Welt.

Bilder von der Eröffnungsfeier

Film von der Eröffnungsfeier

Bilder und Videomaterial von Alexandra Sherpa-Fry

Möchten Sie helfen? 

Ihre Spenden werden gerne entgegengenommen.

IBAN: CH6500774010305029900
SWIFT: GRKBCH2270A
Vermerk: Erdbebenopfer Sibuje

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