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Aus dem Spital
12.  Feb 2018

Mein Tag mit der rettung chur

Text von Dajan Roman, Leiter Unternehmenskommunikation

Letzte Woche durfte ich als Praktikant einen Tag mit der rettung chur verbringen. Was davon bleibt, ist vor allem eines: der grosse Respekt vor der Tätigkeit unserer Rettungssanitäter. Und das dringende Bedürfnis, die eigenen Fähigkeiten im BSL (Basic Life Support; Cardiopulmonale Reanimation resp. Herz-Lungen-Wiederbelebung) aufzufrischen.

Mittwoch, 6:45 Uhr: Morgenrapport

rettung chur - Morgenbriefing in der Einsatzzentrale

Morgenbriefing in der Einsatzzentrale der rettung chur.

Die Nachtschicht informiert über die Tätigkeiten in der Nacht. Selber werde ich Team 1 – heute bestehend aus Günter Wäger und Bianca Gysin, zusammen 40 Jahre Berufserfahrung – zugeteilt. Team 1 heisst: Eine 12-Stunden-Schicht, 7:00 bis 19:00 Uhr. Naturgemäss kann ich gar nicht wissen, was mich genau erwartet, schliesslich ist jeder Tag anders. Immerhin war ich in der RS mal Zugsanitäter und das GABI hatte ich auch mal gelernt, gänzlich unvorbereitet fühle ich mich also nicht. Und die Kollegen sagen, dass meistens, wenn ein Praktikant da ist, sowieso nicht viel passiert. So viel kann ich schon vorweg nehmen: Dem war nicht so, ganz und gar nicht.

7:00 Uhr: Der Einsatzrucksack wird retabliert

rettung chur - der Einsatzrucksack wird aufgefüllt (retabliert)

Der Einsatzrucksack wird aufgefüllt.

Zuerst fallen die Unterhaltsarbeiten an. Jedes der Fahrzeuge – Rico 1 bis 7 (Rico ist der Rufname der Rettungsfahrzeuge) – wird regelmässig gewartet. Es gibt den Tagescheck, den Wochencheck und den Monatscheck. Heute ist bei Rico 1 der Monatscheck dran: Fahrzeug und die gesamte Ausrüstung werden genau kontrolliert. Medikamente und andere Verbrauchsmaterialien werden übrigens nach jedem Einsatz wieder aufgefüllt oder in der Sprache der Retter: Der Einsatzrucksack wird retabliert.

7:30 Uhr: Der erste Einsatz

Mit Blaulicht in ein Dorf in der weiteren Umgebung unterwegs. Ein älterer Mann mit Verdacht auf Hirnschlag, sein Hausarzt nimmt uns in Empfang, wir machen die Notversorgung. Wir nehmen den Mann mit, seine Frau gibt uns noch einen Koffer mit den nötigsten Sachen mit. Wir bringen ihn auf den Notfall und machen die Übergabe, dort wird dann entschieden, wie es mit ihm weitergeht.

8:30 Uhr: Retablieren und Einsatzbericht schreiben

rettung chur - Medikamente im Rettungswagen werden aufgefüllt

Der Medikamentenvorrat im Rettungswagen wird aufgefüllt.

Zurück in der Basis wird retabliert und der Einsatzbericht geschrieben. Kaum fertig, geht es zum nächsten Einsatz. Dieses Mal in der Stadt Chur und mit Notarzt. Ob ein Notarzt mitaufgeboten wird, entscheidet die Sanitätsnotrufzentrale 144. Die ältere Frau hat grosse Schmerzen, nach der Erstversorgung vor Ort bringen wir sie auf den Notfall und machen die Übergabe.

10:15 Uhr: Zurück vom Einsatz. Die Kollegen raten mir: Immer aufs WC, wenn man kann, man wisse nie, wann man das nächste Mal Zeit dafür habe. Ich nehme mir den Rat zu Herzen – und bin später dankbar.

Ab 11:00 Uhr gibt es Essen in der Kantine. Dazu nochmals ein Rat der Kollegen: Immer essen, wenn man kann, man wisse nie, wann man das nächste Mal Zeit dafür habe. Stimmt: Wir haben kaum das Tablett in den Händen, als der Alarm wieder losgeht. Kein Essen, dafür eine Verlegung von Kantonsspital in die Klinik Waldhaus.

12:30 Uhr: Mittagessen - zweiter Versuch

rettung chur - unterwegs im Rettungswagen

Unterwegs im Rettungswagen der rettung chur.

Zurück von der Verlegung, das Tablett wieder in den Händen, dieses Mal haben wir immerhin schon Messer und Gabel draufgepackt, bevor der Alarm wieder losgeht. Jetzt geht es hinauf: Das Kleinkind ausländischer Feriengäste hat Fieberkrämpfe und wohl einen kurzen Atemstillstand. Die Rega ist bereits vor Ort, kann wegen des Wetters aber nicht abfliegen. Wir nehmen Kind samt Mutter und Vater mit und bringen die Familie auf den Kindernotfall.

14:45 Uhr: Jetzt muss ein Sandwich langen

In der Kantine gibt es kein Essen mehr. Aber wir kommen weiter mit dem Essen als vorher: Wir können das ganze Sandwich verdrücken. Und es reicht sogar für einen Espresso. Einen sehr kurzen. Denn kurz danach: Alarm. Wieder in Chur, ein älterer Mann ist in einem Laden zusammengebrochen. Wir machen die Erstversorgung, bringen ihn auf den Notfall und machen die Übergabe.

16:00 Uhr: Wieder zurück. Die Kollegen schreiben die Einsatzberichte, ich bin schon ziemlich müde. Und bin für den Relaxsessel dankbar.

17:00 Uhr: Der erfahrene Kollege Günter rät eindringlich, zur Sicherheit nochmals das WC aufzusuchen. Der alte Hase hat Recht: Kaum auf dem Klo, geht der Alarm wieder los. Dieses Mal ein Mann, der wohl in Zusammenhang mit seiner Diabetes einen Zusammenbruch/Krampf hatte. Wieder: Erstversorgung vor Ort, Einlieferung Notfall, Übergabe.

18:15 Uhr: Endspurt

rettung chur - Fahrstuhltüren im Kantonsspital Graubünden - nur für Notfall

Nur für Notfall - Schriftzug auf einem Fahrstuhl im KSGR.

Zurück vom womöglich letzten Einsatz des Tages. Kollegin Bianca erklärt mir die Funktionsweise eines Defibrillatoren, wie sie nun überall zu finden sind. Gar nicht so einfach. Wer den als Laie ohne Vorwissen oder „Training“ einsetzen muss, muss exakt den Anordnungen des Gerätes folgen.

19:00 Uhr: Jetzt ist Schicht im Schacht, ich gehe nach Hause. Müde zwar, aber äusserst beeindruckt von der Arbeit unserer Rettungssanitäter. Und ich weiss: Ich muss unbedingt meine BSL-Kenntnisse auffrischen. Schliesslich arbeite ich im Spital. Zwar bei der Unternehmenskommunikation, aber vielleicht kann ja auch mal ein Kommunikator Leben retten.

Weitere Informationen zur Abteilung rettung chur finden Sie auf unserer Webseite www.ksgr.ch/rettungchur.

1 Kommentar
02.  Mrz 2018

Susanna Meyer

Danke dir Dajan für den interessanten Bericht von deinem Tag bei der Rettung Chur. Im Rahmen meiner Ausbildung zur Notfallpsychologin, habe ich zwei Tage bei diesem tollen Team verbracht und kann nur sagen: Chapeau!

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Dajan Roman
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