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Aus dem Spital
16.  Jun 2022

Auf den Punkt genau strahlen

Durch millimetergenaues Arbeiten, exakte Orientierung in und am Körper und Einfallsreichtum bei den Methoden sorgt die Radio-Onkologie am Kantonsspital Graubünden für die bestmögliche Behandlung bei höchstmöglicher Lebensqualität der Patient:innen.

Wer sich schon mal etwas gebrochen oder gestaucht hat, ist höchstwahrscheinlich in diesem Zusammenhang mit Röntgenstrahlen in Kontakt gekommen. Dann nämlich, wenn diese dazu genutzt werden, um von aussen in den Körper hineinsehen zu können.
Ihren Namen haben die Röntgenstrahlen von ihrem Entdecker, dem Physiker Wilhelm Conrad Röntgen, der für ebendiese Entdeckung vor gut 120 Jahren den Nobelpreis für Physik erhalten hat. Zu Beginn wurden die Strahlen hauptsächlich für bildgebende Zwecke verwendet – um in den Körper hineinsehen zu können.

Einen anderen Verwendungszweck haben Röntgenstrahlen bei der Radiotherapie. Dort geht es darum, mit hochenergetischen Strahlen, Tumore zu bestrahlen. Zudem können auch Entzündungen bestrahlt werden, beispielsweise bei Arthrose oder einem Tennisellbogen. Die Radiotherapie wird also zur Heilung und zur Symptomkontrolle bei Schmerzen und Beschwerden genutzt.

Punktgenaue Bestrahlung von allen Seiten
Für die Radiotherapie wird mehr Energie in konzentrierterer Form genutzt. Dafür kommt der sogenannte Linearbeschleuniger zum Einsatz, der, wie der Name schon sagt, elektrisch geladene Teilchen beschleunigt. Die dabei entstehenden Röntgenstrahlen können punktgenau manövriert werden. Es soll möglichst nur bestrahlt werden, was auch bestrahlt werden muss. Dazu werden Tumore unterschiedlich bestrahlt. «Erstens aus verschiedenen Richtungen, um so die Belastung auf das Gewebe rundherum zu verteilen. Zweitens mit unterschiedlicher Dosis und drittens über unterschiedliche Zeitdauer und Häufigkeit», fasst Dr. Brigitta Baumert, Chefärztin Radioonkologie und Strahlentherapie am Kantonsspital Graubünden (KSGR), zusammen.
Die Genauigkeit ist wichtig. Im Gehirn muss auf maximal einen Millimeter genau exakt gearbeitet werden. Bei anderen Tumoren wäre eine etwas grössere Abweichung möglich und vertretbar, aber: «Wir arbeiten immer im Millimeterbereich», erklärt Baumert.

Bewegungen ausgleichen oder die Luft anhalten
Am menschlichen Körper so genau zu arbeiten, ist nicht per se einfach. Ein lebender Organismus bewegt sich. Man denke nur daran, wie sehr sich der menschliche Körper schon nur aufgrund der Atmung bewegt. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wenden die Radio-Onkologie-Fachleute am KSGR zwei Methoden an. Bei der ersten werden Atembewegungen während einer gewissen Zeit erfasst und dann die Bestrahlung der durchschnittlichen Bewegung angepasst. Bei der zweiten Variante halten die Patient:innen die Luft für einige Sekunden an, damit sie regungslos bleiben und sie dadurch genau bestrahlt werden können.

Die luftgefüllte Lunge sorgt für freie Bahn
Diese Methode hat einen weiteren Vorteil: «Bei der Brustbestrahlung schiebt die volle Lunge das Herz etwas zur Seite und wir können daran vorbei strahlen. So wird das Herz geschont», beschreibt Baumert. Auf der anderen Seite des Körpers lasse sich durch tiefes Einatmen auch die Leber so verschieben, dass sie von den Röntgenstrahlen nicht getroffen werde. Mit dieser Methode kann nicht nur gezielter bestrahlt werden, sondern es können schädliche Einflüsse auf das Gewebe rund um den zu bestrahlenden Tumor herum minimiert werden.

Anpassungen zugunsten der Lebensqualität
Nebst der schonenden Behandlung steht für die Radiologie-Fachleute am KSGR auch die möglichst hohe Lebensqualität ihrer Patient:innen im Zentrum, wie Baumert erklärt: «Studien haben gezeigt, dass die Bestrahlung von Brustkrebspatientinnen über eine Dauer von fünf bis sechs Wochen gleichwertig ist, wie die Bestrahlung über drei bis vier Wochen, wenn dafür die Dosis minimal erhöht wird.» Daher werden die Patientinnen am KSGR nur während drei bis vier Wochen mit etwas höherer Dosierung bestrahlt, um die Begleiterscheinungen der Bestrahlung so kurz und klein wie möglich zu halten.

Virtuelle Orientierung statt tätowierter Referenzunkte
Eine zusätzliche Weiterentwicklung der Behandlung am KSGR ist der Verzicht auf tätowierte Referenzpunkte. Um sich bei der Bestrahlung im und am Körper orientieren zu können, müssen die Radiologie-Fachleute Punkte definieren und kennzeichnen. Oft werden hierzu kleine Tattoos angebracht, die zwar von einem Muttermal kaum zu unterscheiden sind, aber nun mal gestochen werden müssen. Am KSGR ist das nicht mehr nötig, wie Chris Winter, Leitender Radiologie-Fachmann HF, erklärt: «Wir nehmen virtuelle Punkte im und am Körper um die grobe Ausrichtung zu machen. Am Oberkörper nutzen wir beispielsweise die Brustwarzen und im Beckenbereich den Bauchnabel als Referenzpunkte zur Orientierung. Die millimetergenaue Positionierung erfolgt danach mit der täglichen Bildgebung, bei der der Patient immer gleich liegt. So stellen wir sicher, dass genau das bestrahlt wird, was auch bestrahlt werden soll und so auch das geschützt wird, was geschützt werden soll.»

Die Radio-Onkologie am KSGR entwickelt sich ständig weiter, um allen Patient:innen die bestmögliche Behandlung mit den geringstmöglichen Nebenwirkungen bieten zu können.

Weitere Informationen zur Radio-Onkologie finden Sie unter www.ksgr.ch/radio-onkologie

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Dr. med. 
Brigitta Baumert

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