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Gesundheit
26.  Mai 2017

Ich bin Organspenderin

Text von Diana Etter

Ich bin Organspenderin. Nach meinem Tod können mir jegliche Organe, Gewebe und Zellen zum Zweck der Transplantation entnommen werden. So habe ich es in meiner Organspende Karte angekreuzt. Mein Mann hat keine Organspende Karte, aber ich weiss, was er will, weil wir darüber gesprochen haben. Er sagt NEIN zur Entnahme von Organen, Geweben oder Zellen aus seinem Körper nach seinem Tod.

Organspende Karte, Rede über Organspende

Organspende Karte: Rede über Organspende.

Beim Thema Organspende geht es nicht darum, jemanden zu einer Spende zu überreden. Es geht um die individuelle Willensäusserung. Im Ernstfall müssen die Angehörigen sonst stellvertretend für den Verstorbenen entscheiden, was für sie, neben dem Tod des Betroffenen, eine schwere zusätzliche Belastung darstellt.

Aber von vorne. Wie läuft das genau ab, mit der Organspende?

Hirntod - absolute Voraussetzung für Organspenden

Damit Organe gespendet werden können, muss bei der Patientin / dem Patienten der Hirntod diagnostiziert werden. Vereinfacht gesagt ist der Hirntod eingetreten, wenn:

  • das gesamte Gehirn nicht mehr durchblutet und abgestorben ist, d.h. Grosshirn- und Hirnstammfunktionen irreversibel erloschen sind.

    Der Hirntod kann nach zwei Ereignissen auftreten: 
  • als Folge eines primären Hirnschadens (z.B. Hirnblutung, Hirnverletzung) das heisst dann DBD (Donation after brain death), oder 
  • sekundär als Folge eines finalen Herzstillstandes, in der Fachsprache DCD (Donation after circulatory death).

Wie wird die Hirntoduntersuchung gemacht?

Der Hirntod wird nach genau vorgeschriebenen, rechtlich verbindlichen Regeln in einer klinischen Untersuchung durch zwei dafür qualifizierte Fachärzte (Neurologie und Intensivmedizin) auf der Intensivstation diagnostiziert.

Klinische Kriterien für einen Hirntod sind:
• tiefe Bewusstlosigkeit,
• fehlende Hirnstammreflexe (z.B. Pupillenreaktion, Schluck- und Hustenreflex und zerebrale Reaktion auf schmerzhafte Reize),
• Atemstillstand.

Hirntod ist eine Diagnose: es braucht kein Einverständnis dazu

Die Untersuchungsbefunde werden in einem formalen Hirntodprotokoll festgehalten – eine medizinisch und juristisch unabdingbare Voraussetzung für eine Organspende.

Der hirntote Patient ist ein Verstorbener. Er ist ein Toter, dessen Herz nur noch schlägt, weil eine Beatmungsmaschine es mit Sauerstoff versorgt. So wird auch die Sauerstoffversorgung der Bauchorgane und der Lungen gewährleistet. Dies ist die eine Voraussetzung, damit eine Organspende stattfinden kann. Die andere Voraussetzung ist die Zustimmung für eine Organspende (siehe unten). Liegt keine Zustimmung für eine Organspende vor, so muss das Beatmungsgerät abgestellt und die intensivmedizinische Therapie abgebrochen werden. Es gibt keinen Grund einen Toten weiter zu behandeln.

Für die Organspende braucht es ein Einverständnis

Portemonnaie mit Organspende Karte, Rede über Organspende

Organspende Karte im Portemonnaie.

In der Schweiz gilt die erweiterte Zustimmungslösung, d.h., ohne die vorgängige Zustimmung des Spenders selber oder der nächsten Familienangehörigen ist eine Organspende nicht zulässig. Im Ernstfall müssen also die Angehörigen diese Entscheidung stellvertretend für den Betroffenen und in dessen mutmasslichen Willen treffen, wenn sich der Betroffene vorgängig nicht dazu geäussert hat.

Mein Mann und ich diskutieren immer mal wieder über das Thema Organspende. Da ich für eine Organspende bin, würde ich es grundsätzlich gut finden, wenn er auch dafür wäre. Aber er möchte das nicht. Und ich akzeptiere das. Im Endeffekt ist es nur wichtig, dass jeder von dem anderen weiss, was er im Ernstfall will.

Veranstaltung und Fernsehbeitrag

Prof. Dr. med. Thomas Fehr, Departementsleiter, ärztlicher Direktor und Chefarzt Innere Medizin, bei den Filmaufnahmen zu «Uf Visita» zum Thema Organspende

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Veranstaltung
Möchten Sie mehr erfahren, wie es weiter geht, wenn man sich für eine Organspende entschieden hat? Dann besuchen Sie den Vortrag «Organspende braucht Organspender». Dieser findet am Donnerstag, 1. Juni 2017, 18:00 Uhr im Café B12 in Chur statt.

Fernsehbeitrag
TV Südostschweiz strahlt am Samstag, 27. Mai 2017, um 18:50 Uhr (Stundenschlaufe) die Sendung «Uf Visita» zum Thema Organspende aus. Im Interview: Prof. Dr. med. Thomas Fehr, Chefarzt Innere Medizin, KSGR. Er wird z.B. auf die Fragen eingehen, welche Kriterien entscheiden, wer ein Organ erhält und wie lang die Wartelisten für eine Transplantation sind. 
Diese Sendung werden Sie nach der Ausstrahlung auf TV Südostschweiz auch auf unserem YouTube-Kanal anschauen können. 

Gesetzliche Rahmenbedingungen und weitere Informationen

Voraussetzungen zur Organentnahme zu Transplantationszwecken regelt das Transplantationsgesetz.
Die Transplantationsverordnung regelt den Umgang mit Organen nach der Entnahme.
Die Zuteilung der einzelnen Organe wird durch die Organzuteilungsordnung geregelt.

Weitere Informationen finden Sie auch auf https://www.swisstransplant.org/de oder https://www.leben-ist-teilen.ch.


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Ansprechpartner

Dr. med. 
Adrian Wäckerlin

Stv. Departementsleiter ANIR und Chefarzt Intensivmedizin

Tel.+41 81 256 64 45

Fax.+41 81 256 64 37

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