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Aus dem Spital
08.  Aug 2019

Die Notfallpraxis bewährt sich

Ein verstauchter Knöchel am Sonntagnachmittag, starke Bauchschmerzen nach Feierabend oder ein Schnitt in den Finger bei der Zubereitung des Abendessens – in solchen und ähnliche Fällen suchen Patienten und Patientinnen eine Notfallstation auf. Doch ist das wirklich immer notwendig? Das ist aus Patientensicht oft schwierig einzuordnen – hier kommt die Notfallpraxis ins Spiel.

Notfallpraxis

Bei 25 Prozent der Behandlungsfälle in der Notfallstation des KSGR im vergangenen Jahr handelte es sich um leichte Verletzungen, für deren Behandlung Hausarztmedizin ausgereicht hätte. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei 10 Prozent. Der enorme Anstieg führte zu einer Mehrbelastung von Personal und Infrastruktur der Zentralen Notfallstation (ZNS) im KSGR. Einfach die ZNS zu vergrössern, wäre aber wenig zielführend.

Teuer und unangenehm
Notfallstationen sind berüchtigt für lange Wartezeiten. Woran liegt das? Patientinnen werden nicht der Reihe nach behandelt, wie dies beim Hausarzt der Fall ist. Entscheidend ist die Dringlichkeit der Behandlung, die sich nach der Schwere der Verletzung/Erkrankung richtet. Es muss derjenige Patient warten, bei dem aus medizinischer Sicht aufgrund der Wartezeit keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Das bedeutet für Patientinnen mit leichten Verletzungen, die eigentlich keiner Spitalbetreuung bedürfen, längere Wartezeiten. Weder für Patienten noch für das KSGR ist dies angenehm oder wünschenswert. «Zudem sind die Prozesse in der Notfallstation auf schwere und komplizierte Fälle ausgelegt. Sie sind somit komplexer und dauern länger als beim Hausarzt. Dies ist selbstverständlich nicht gratis», erklärt Dr. med. Thomas Müller, Chefarzt der ZNS am KSGR und begründet damit, warum es aus Kostensicht nicht sinnvoll ist, leichte Fälle in der Notfallstation zu behandeln.

Notfallpraxis

Suche nach einer Lösung
Als dieses «Problem» vor etwa drei Jahren dringender wurde, suchte das KSGR nach einer Lösung. Das Modell der Notfallpraxis hatte sich bereits in verschiedenen Spitälern im Mittelland etabliert. Gleichzeitig gab es auch im Churer Ärzteverein Veränderungen. Ärztinnen und Ärzte möchten vermehrt Teilzeit arbeiten und geregelte Arbeitszeiten haben. Dies hat dazu geführt, dass auch von Seite der Churer Ärzteschaft der Wunsch wuchs, den Notfalldienst neu zu organisieren. Eine Projektgruppe aus Churer Hausärzten, Spitalärzten und weiteren Fachspezialisten hat nach dem Beschluss zu einer gemeinsamen Lösung die Standortvariante Notfallpraxis am KSGR erarbeitet.

Vorteile für alle Seiten
Patienten, die die Notfallstation am KSGR aufsuchen, werden erst von spezialisiertem Pflegepersonal beurteilt und dann entweder der zentralen Notfallstation oder während deren Öffnungszeiten der Notfallpraxis zugewiesen, abhängig davon, welche Behandlung angezeigt ist. Dies ermöglicht es, die Patientenströme zu lenken und Patienten bedarfsgerecht zu behandeln. Dadurch werden Wartezeiten verkürzt, die Notfallstation entlastet und für die Churer Hausärzte ist es interessant, ihren Notfalldienst innerhalb der professionellen Strukturen des KSGR leisten zu können. Dies bestätigt auch die Churer Hausärztin Dr. med. Karin Ludwig-Schmid.

Notfallpraxis

Gegenseitiges Lernen und unbegründete Befürchtungen
Würden sich die Informatiksysteme für die Notfallpraxis bewähren? Funktioniert die Zusammenarbeit zwischen KSGR und den Churer Hausärztinnen und Hausärzten? Was für Medizin wird praktiziert werden? Ein neues Projekt ist immer auch mit Unklarheiten und Fragen verbunden. Alle Befürchtungen haben sich aber nach kürzester Zeit aufgelöst. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Es entwickelt sich ein kollegiales Miteinander und beide Seiten lernen voneinander. «Wir profitieren von der Infrastruktur und können uns bei komplizierten oder unklaren Fällen an die Spezialisten des KSGR wenden.» erklärt Karin Ludwig-Schmid. Die Ärztinnen des KSGR im Gegenzug lernen von den Hausärzten, wie qualitativ hochwertige Medizin schlanker und weniger bürokratisch praktiziert werden kann und wie man die mitunter falsche Diagnose von Dr. Google wieder aus den Köpfen der Patienten bekommt.

Erfolg auf ganzer Linie
«Am ersten Wochenende sind sich das Personal der Notfallstation und jenes der Notfallpraxis in die Arme gefallen, aus Freude, dass es so gut geklappt hat», beschreibt Dr. Müller den Erfolg. Es funktioniert: die Notfallstation wird merklich entlastet. Die Hausärzte schätzen den Dienst am KSGR, wie Ludwig-Schmid weiter erklärt. Die Patientinnen und Patienten werden schneller und bedarfsgerecht behandelt. Die Bilanz nach zwei Monaten: durchwegs positiv.

Notfallpraxis – was heisst das genau?

  • Von Montag bis Donnerstag zwischen 17:00 und 20:00 Uhr, am Freitag bis 21:00 Uhr und am Wochenende von 10:00 bis 20:00 ist die Notfallpraxis am KSGR geöffnet. 
  • Während dieser Zeit leistet ein Churer Hausarzt seinen Notfalldienst in der Notfallpraxis am KSGR. 
  • Unter der Woche während der normalen Praxisöffnungszeiten deckt er den Notfalldienst in der eigenen Praxis ab und nach 20:00 übernimmt das KSGR. 
  • Somit gibt es ab sofort für leichtere Notfälle in der Stadt Chur eine einzige Telefonnummer 081 252 36 36 und während der Öffnungszeiten der Notfallpraxis eine zentrale Türe am KSGR

Weitere Informationen zur Notfallpraxis finden Sie unter www.ksgr.ch/notfallpraxis

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Ansprechpartner

Dr. med. 
Thomas S. Müller

Chefarzt Zentrale Notfallstation, Stv. Leiter Unfallchirurgie, Facharzt Chirurgie mit Schwerpunkt Allgemeinchirurgie und Traumatologie

Tel.+41 81 256 62 05

Fax.+41 81 256 66 94

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