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Aus dem Spital
27.  Dez 2018

Medizinische Erfahrungen im Auslandeinsatz

Die Karrieremöglichkeiten nach dem Studium sind für angehende Ärzte deutlich vorgezeichnet. Ein möglicher Ausbruch aus diesem Karrierepfad sind humanitäre Einsätze im Ausland. Einen Einblick in diese Erfahrung, was es dabei zu bedenken gibt und wie man einen solchen Einsatz am besten plant, gibt Dr. med. Patrik Vanek, der selbst für Ärzte ohne Grenzen im Südsudan war.

Menschen in Südsudan bespritzen sich gegenseitig mit Wasser

Menschen bei einem Brunnen in Südsudan

Nach dem Medizinstudium bieten sich den Studierenden grundsätzlich drei Möglichkeiten einer Berufskarriere: Eine klinische Spitalkarriere, eine akademische Karriere mit Fokus auf die Forschung, oder eine Karriere mit einer eigenen Praxis. Nebst diesen drei Möglichkeiten gibt es Nebentätigkeiten, die nicht direkt einem Facharzttitel dienlich sind. Dazu zählen unter anderem humanitäre Auslandeinsätze.

Es gibt zahlreiche Organisationen, die solche Einsätze anbieten und koordinieren. Je nach Organisation werden andere Anforderungen an die Ärzte gestellt, auch die Einsätze unterscheiden sich stark. Die Erfahrungen, die Ärzte machen, wenn sie ein Spital in einem Entwicklungsland im Rahmen eines UN-Programms unterstützen oder für Ärzte ohne Grenze (MSF) erste Hilfe in einem Krisengebiet leisten, unterscheiden sich fundamental. „Ins kalte Wasser geworfen wird man aber in jedem Fall“, meint Patrik Vanek mit einem Augenzwinkern.

«Was sollen wir jetzt tun, Herr Doktor»

Wenn Patrik Vanek seine Erfahrungen aus seinem Einsatz für MSF im Jahr 2004 schildert, wird schnell klar, dass sie sich nicht mit dem normalen Spitalalltag vergleichen lassen: «Es gab damals im Südsudan kaum Kommunikationsmöglichkeiten, kein Röntgengerät oder Labor und auch keine Geräte, um lebenserhaltende Massnahmen durchzuführen. Wir waren fachlich auf uns alleine gestellt und mussten das Beste aus einem Kühlschrank, der mit Glück einmal wöchentlich mit Antibiotika und Infusionen aufgefüllt wurde, machen.» Unter solchen Umständen kümmerte sich Patrik Vanek während sechs Monaten Tag und Nacht als einziger Arzt um Malariakranke, um Infektionen, die durch Parasiten ausgelöst wurden, um Schusswunden verursacht durch Kämpfe rivalisierender Clans, um Verletzungen von Kuhhörnern aber auch um klassischere Krankheitsbilder wie Schlaganfälle oder Diabetes.

Um einen solchen Einsatz zu bestehen, wird ein bestimmtes Rüstzeug benötigt. So empfiehlt es sich, bereits einige Jahre Berufserfahrung mitzubringen. Dennoch sollte der Zeitpunkt so gewählt werden, dass noch keine privaten und beruflichen Verpflichtungen bestehen, die einem an die Heimat binden. Patrik Vanek legt zudem jedem Arzt, der über ein entsprechendes Auslandengagement nachdenkt, nahe: «Es lohnt sich etwas in die Vorbereitung zu investieren. Einen Tropenkurs oder eine ähnliche fachliche Weiterbildung ist auf jeden Fall zu empfehlen.»

Einmalige Einblicke und Lehren

Es bestehen natürlich medizinisch-fachliche Herausforderung, man nimmt aber auch viel von einem solchen Einsatz mit. Zum einen eröffnen sich einmalige Einblicke in den Lebensalltag der Menschen, die einem Touristen auf der Durchreise verborgen bleiben. Zum anderen kann ein Vertreter des „westlichen“ Gesundheitswesens, ob als Arzt oder Pflegefachperson, vor Ort auch viel nachhaltiges bewirken. Es wird Menschen in der Not geholfen und durch das Unterrichten wird Wissen gesät, dass dann zu einem späteren Zeitpunkt vom lokalen Gesundheitspersonal eingesetzt werden kann. Während sich die medizinische Praxis weit weg von jener in der Schweiz bewegt, lernt man viel über die Natur des Menschen an sich. Patrik Vanek beschreibt: «Es fällt mir nach jener Erfahrung deutlich einfacher, in unserer Gesellschaft überhöht erscheinenden Erwartungen an die moderne Medizin zu begegnen, weil ich gesehen habe, dass sich diese Haltung nicht auf die wohlhabende Schweiz oder Europa beschränkt. Auch die Menschen in der Halbwüste des Südsudans, die nichts hatten ausser ihren Kleidern am Leib, stellten dieselben Ansprüche an die medizinische Versorgung für sich selbst und ihre Lieben: was verfügbar ist, soll beansprucht werden.»

Zurück in der Schweiz werden die in solchen Settings gemachten Erfahrungen von Arbeitgebern gerne gesehen. Sie zeugen von Eigeninitiative, Frustrationstoleranz und der Fähigkeit sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Somit fliesst der humanitäre Auslandeinsatz dann doch wieder in die Karriereplanung mit ein und bringt den Zurückgekehrten auf seinem Weg weiter. Abgesehen davon konnten einmalige, eindrückliche und zuweilen abenteuerliche Erfahrungen ausserhalb des gewohnten Umfelds gesammelt werden, die einem ein Leben lang in Erinnerung bleiben.


Weitere Informationen zu der Intensivmedizin finden Sie unter www.ksgr.ch/intensivmedizin.

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Dr. med. 
Patrik Vanek

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