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Fachbeiträge
25.  Apr 2017

Mammakarzinom: Herausforderung endokrine Therapie und Nachsorge

Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In rund 75 % der Fälle liegt ein sogenannter hormonsensibler Tumor vor.

Die Patientinnen mit einer solchen Erkrankung nehmen in der Regel über mehrere Jahre Medikamente im Sinne einer antihormonellen – auch endokrin genannt – Therapie ein. Am 5. April 2017 fand am Kantonsspital Graubünden zusammen mit der Ärzteorganisation Grisomed eine Weiterbildung für Hausärzte zum Thema «Endokrine Therapie und Nachsorge» statt. An der gut besuchten Weiterbildung standen folgende drei Aspekte im Fokus:

Endokrine Therapie 2017, wie viel für wie lange ist genug?

Mammographie bei einer Patientin der Frauenklinik

Mammographie einer Patientin in der Frauenklinik Fontana.

Dr. med. Michael Schwitter, Oberarzt Onkologie, erläuterte die aktuellen Empfehlungen betreffend Art und Dauer der endokrinen Therapie für die prämenopausale und die postmenopausale Patientin. Diverse Studien der letzten Jahre haben eine Intensivierung der endokrinen Therapie betreffend der Zusammensetzung speziell bei der prämenopausalen Patientin sowie betreffend der Dauer sowohl für die prämenopausale wie auch für die postmenopausale Patientin untersucht.

Die Intensivierung der Therapie bringt Vorteile für die Prognose – allerdings hängt dieser Effekt stark von den zugrunde liegenden Risikofaktoren für eine Wiedererkrankung ab. Im Einzelfall kann der Nutzen der Intensivierung so klein sein, dass die Nebenwirkungen dadurch nicht gerechtfertigt werden. Der Knochengesundheit muss hier eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das Kantonsspital Graubünden bietet den betreuenden Hausärzten und Gynäkologen in der Entscheidungsfindung fachliche Unterstützung an, ob eine endokrine Therapie länger durchgeführt werden soll.

Mühsal der endokrinen Therapie: Management der Nebenwirkungen

Mammographie, Dr. med. Tobias Freyholdt

Der Radiologe schaut sich die Ergebnisse der Mammographie an den Bildschirmen an.

Dr. med. Martina Maranta, Leitende Ärztin Frauenklinik, ging auf die Behandlung der häufigsten Nebenwirkungen der endokrinen Therapie, wie Hitzewallungen, Gelenkschmerzen und Scheidenentzündung ein.

Diese Nebenwirkungen führen häufig zum Abbruch der endokrinen Therapie. Für einige der Nebenwirkungen wie Hitzewallungen gibt es jedoch wirksame medikamentöse Therapieoptionen. Für die häufig auftretenden Gelenkbeschwerden unter Aromatasehemmern sind bisher keine wirksamen medikamentösen Therapien bekannt – auch wenn einige zurzeit untersucht werden. Hier bieten jedoch Methoden wie Akupunktur und Bewegungstherapie häufig Linderung. Das Problem der trockenen Scheide bis hin zur Entzündung sollte in einem ersten Schritt durch feuchtigkeitsspendende Cremes oder Ovula sowie Gleitmittel für den Geschlechtsverkehr behandelt werden. Bei ungenügendem Ansprechen sind Milchsäure-Präparate in Kombination mit einem schwach dosierten Östrogen als Scheidenzäpfchen zu erwägen. Eine normal dosierte östrogenhaltige Scheidencreme sollte nicht angewendet werden.

Nachsorge Mammakarzinom 2017: bleibt weniger mehr?

Besprechung im Tumorboard

Besprechung der  Befunde im Tumorboard.
Bilder: Ursula Meisser

Im letzten Referat ging Dr. med. Michael Mark, Leitender Arzt Onkologie, auf die generellen Empfehlungen der Nachsorge ein. Mit Nachsorge ist das Begleiten der Patientin durch die Zeit nach der Erkrankung gemeint.

Ziel der Nachsorge ist das Erfassen von Nebenwirkungen oder Schädigungen durch die Therapie, die Beeinflussung des physischen und psychischen Wohlbefindens durch die Erkrankung und das Erkennen eines Wiederauftretens der Erkrankung. Die anamnestische und klinische Nachsorge wird in den meisten Guidelines in drei-monatlichen Abständen für die ersten zwei bis drei Jahre empfohlen, gefolgt von halbjährlichen Abständen bis zum Abschluss des fünften Jahres. Anschliessend werden jährliche Kontrollen empfohlen, da beim Mammakarzinom späte Krankheitsrückfälle vorkommen. Die Empfehlungen sind nicht evidenzbasiert und können im Einzelfall den Bedürfnissen der Patientin durchaus angepasst werden. Als Bildgebung wird einzig die Mammographie einmal jährlich empfohlen. Weitere Untersuchungen durch Bildgebung oder Labor werden nur bei entsprechenden Verdachtsdiagnosen empfohlen. Auch die routinemässige Untersuchung von Tumormarkern hat keinen Stellenwert.

Diese Nachsorge muss nicht durch einen Spezialisten erfolgen – die Betreuung durch den Hausarzt ist in vielerlei Hinsicht ideal.


Weitere Informationen:
www.ksgr.ch/brustzentrum

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Ansprechpartner

Dr. med. 
Martina Maranta

Leitende Ärztin Frauenklinik

Tel.+41 81 254 81 28

Fax.+41 81 254 81 30

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