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Gesundheit
07.  Mrz 2018

Vom Schicksal nicht unterkriegen lassen

Viele Menschen tendieren dazu, das Leben etwas pessimistisch zu sehen. Wir regen uns über Kleinigkeiten auf und vergessen dabei, wie gut wir es eigentlich haben. Nicht so Roger Plattner. Und der hätte weiss Gott genügend Gründe, sich zu beklagen. Das tut er aber nicht. Roger ist Dialysepatient im Kantonsspital Graubünden (KSGR) und es ist bemerkenswert, wie er alles wegzustecken scheint, was ihm in den letzten knapp vier Jahrzenten widerfahren ist. Die (Kranken-)Geschichte eines Mannes, der vieles ertragen musste und dank seiner Frau, seinen Freunden und dem KSGR dennoch positiv in die Zukunft blickt.

Roger Plattner zusammen mit seiner Frau Brigitte.

Roger Plattner zusammen mit seiner Frau Brigitte.

Vor gut 35 Jahren wurde Roger Plattner von seinem damaligen Arzt eröffnet, dass er damit rechnen müsse, in Zukunft zur Dialyse zu gehen. Rogers Niere hatte angefangen ihre Tätigkeit – die Reinigung von Rogers Blut und Regulierung des Flüssigkeitshaushalts – einzustellen. Für Roger, damals Anfang zwanzig, war im ersten Moment nicht klar, was das für ihn bedeuten würde. Er hatte vor kurzem seine Lehre als Bäcker-Konditor abgeschlossen und stand in der Blüte seines Lebens.

Innerhalb eines halben Jahres setzten beide Nieren aus. 1985 hatte Roger seine erste Dialyse. «Das war damals noch im alten A-Gebäude des Kantonsspitals und die Dialysemaschinen waren noch Riesenkästen.» Eine Dialyse-Sitzung dauerte ungefähr fünf Stunden. «Kurz zuvor waren das noch sieben bis acht Stunden gewesen. Von daher hatte ich noch Glück.»

«Eigentlich ein Wunder, dass die Nieren so lange gehalten haben»

«Meine Nieren waren nicht nur kaputt, sondern auch noch viel zu klein. Ich hatte Schrumpfnieren» Rogers Nieren waren so klein, dass sie auf dem Ultraschall kaum zu erkennen waren. «Es war eigentlich ein Wunder, dass sie zwanzig Jahre durchgehalten hatten.»

Roger ist glücklich, dass er damals trotz Dialyse voll arbeiten konnte. «Als Bäcker arbeitete ich während der Nacht und konnte dann tagsüber zur Dialyse.» Erschwerend kam für Roger hinzu, dass er aufgrund seiner Erkrankung kein Wasser mehr lösen konnte. Auch heute noch. Das heisst, dass alle Flüssigkeit, die er zu sich nimmt, bei den Dialyse-Sitzungen gezogen werden muss. «Ich nehme zwischen den Sitzungen 2.5 bis 4 Kilo an Gewicht zu. Das ist, als würde man einen Ballon mit Wasser füllen und am Dialysetag unten eine Nadel reinstecken, um das Wasser wieder abzulassen.» Pro Tag sollte Roger im Schnitt 7.5 Deziliter Flüssigkeit zu sich nehmen.

Die erste Transplantation

Roger Plattner 1985

Zwei Jahre nach Beginn der Dialyse landete Roger auf der Liste von Swisstransplant. «Mein Körper war immer schwächer geworden. Die Kaliumwerte in meinem Blut waren relativ hoch.» Bei jedem Telefonklingeln sprang Roger auf, in der Hoffnung, dass für ihn eine Niere gefunden worden war. Nach drei Monaten auf der Liste erhielt Roger endlich die erlösende Nachricht. «Da musste ich innerhalb von ein paar Stunden nach Zürich reisen, um die neue Niere zu transplantieren. «Das war eine super Niere und fühlte sich an wie ein Sechser im Lotto.» Mit dem Patienten, der damals die zweite Niere des Spenders erhalten hatte, ist eine tiefe Freundschaft entstanden. «Wir sind den ganzen Weg miteinander gegangen. Leider ist er vor einigen Jahren an Hautkrebs verstorben.»

Die Niere wird abgestossen

Roger musste regelmässig zur Kontrolle nach Zürich und nahm Medikamente, die verhindern sollten, dass sein Körper die fremde Niere abstösst. Bis 2002 hielt diese Niere. Über die 15 Jahre hatte sie jedoch Schaden genommen und wurde dann von Rogers Körper abgestossen. Die Ärzte hatten lange Hoffnung, dass alles gut komme. «Nach drei Monaten im Spital in Zürich wurde dann aber entschieden, dass es nicht mehr gehe.» Danach ging die Dialyse wieder los. Erst in Zürich, dann in Chur. Die Niere wurde vorläufig in Rogers Körper gelassen.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Als wäre das Ganze nicht genug, haute ihm das Schicksal den nächsten Hammer vor den Latz. Bei Roger wurde Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. «Das hatte aber keinen Zusammenhang mit der Niere.» Als Roger im Spital lag, kam eine Transplantatvergiftung hinzu. Roger lag auf der Intensivstation und seine Familie wurde darüber informiert, dass man sich nicht sicher sei, ob er überlebe. Er überlebte, die Niere wurde entfernt und Roger erholte sich langsam. Sieben weitere Jahre Dialyse standen ihm bevor.

Zwölf Lungenentzündungen in zwei Jahren

2009 wurde für Roger eine neue Niere gefunden. Diesmal im Spital St. Gallen. «Diese Niere funktionierte aber schon von Anfang an nicht so richtig. Ich musste nach der Transplantation weitere drei Monate zur Dialyse und die Niere arbeitete 50 Prozent.» Drei Monate verbrachte Roger im Spital St. Gallen. Danach musste Roger weiter regelmässig zur Kontrolle, da die Niere nur die halbe Leistung brachte. «Man hatte mir gesagt, dass sie zudem einen Virus habe. Der könne ausbrechen oder nicht. Natürlich brach er dann bei mir aus und hatte Einfluss auf meine Lunge.» In den zwei Jahren mit der neuen Niere hatte Roger ungefähr zwölf Lungenentzündungen.

Die zweite Niere versagt

2011 gab Rogers zweite transplantierte Niere auf. Sie wurde ihm entfernt und so geht Roger seither wieder regelmässig zur Dialyse im Kantonsspital Graubünden. Eine weitere Transplantation möchte er nicht mehr. «Für mich passt das so. Die Dialysestation im KSGR ist für mich wie eine Familie.» Aufgrund einer Durchblutungsstörung mussten ihm in den letzten drei Jahren die vorderen Teile seiner Füsse amputiert werden. «Dadurch bin ich nicht mehr sonderlich mobil – unabhängig von der Dialyse.» Roger meint, dass eine neue Niere jemandem mehr nützt, der noch mobil ist und der davon profitiert, wenn er nicht regelmässig zur Dialyse muss.

Viel Halt aus dem Umfeld

Rogers Frau Brigitte hat ihn während all der Jahre immer begleitet und ihm Kraft gegeben. «Aber auch meine Freunde und das Team des KSGR haben viel dazu beigetragen, dass es mir gut geht.» Bei der Dialyse treffe man auch immer wieder auf Menschen mit ähnlichen Schicksalen, mit denen man sich austauschen könne.

Die Dialysestation ist wie eine zweite Familie

Roger Plattner ist ein äusserst positiver Mensch. «Natürlich hatte ich in jungen Jahren mit meinem Schicksal zu kämpfen.» Schwierig sei der Moment gewesen, als er mit 37 nicht mehr arbeiten konnte. «Da habe ich schon gelitten und mir auch psychologische Hilfe geholt. Man hat halt in dem Moment das Gefühl, nichts mehr wert zu sein.» Das habe sich aber wieder gelegt. Heute sieht er die Dialyse als Möglichkeit, raus zu kommen. «An den Dialysetagen komme ich mal von zuhause weg und kann Autofahren, was ich sehr geniesse.» Die Menschen auf der Dialysestation seien über die Jahre für Roger wie eine zweite Familie geworden. «Ich bin dem ganzen Dialyseteam, dem Leiter Heimo Breuss, dem vorherigen Chefarzt Dr. Brunner und den jetzigen Ärzten Dr. Fausch, Dr. Grosse und Dr. Venzin sehr dankbar für ihre Unterstützung und Bemühungen» dieser Dank ist Roger ein grosses Anliegen.


Lesen Sie auch unseren Blogbeitrag Feriendialyse im Kantonsspital.

Weitere Informationen zu unserer Dialyseabteilung im KSGR finden Sie unter www.ksgr.ch/nephrologie.

18 Kommentare
08.  Mrz 2018

Lanicca

Alle Achtung, mein Freund 👍 👍👍🌞

08.  Mrz 2018

Stamm Ernst

Habe Roger damals als Baecker Lehrling kennengelernt . Ich kann nur sagen , Roger ist eine der STAERKSTEN Personen , die ich kenne , ich BEWUNDERE seine Kraft .

08.  Mrz 2018

Marion Elsa

Ich bin die schwester von roger,ich bewundere in sehr...ich kenne ihn auch nicht anderst,immer ein grosser kämpfer...

08.  Mrz 2018

Roger Plattner

Ich danke euch sehr für die Kommentare.. ja Ernie, dass waren noch Zeiten.. ich hab mich immer gefreut über deine Besuche in der Backstube

08.  Mrz 2018

Brigitte Plattner

Liebä Schatz wir lassen uns nicht unterkriegen. Das alles hat uns nur noch stärker verbunden. Danke das Du immer für mich da bist und Kämpfst. Zusammen sind wir stark.

08.  Mrz 2018

Daughter Lara

Roger & Brigitte, mein Vorbild fürs Leben!

08.  Mrz 2018

Heidi Günthart

Danke Herr Plattner für Ihre offene Worte, Ihre positive Lebenseinstellung, die Kraft und den Willen das Leben so zu meistern. Alles Gute Ihnen und Ihren Liebsten die sie so toll Unterstützen. Freundliche Grüsse Heidi Günthart

08.  Mrz 2018

Mengia Zaugg

Liaba Roger, kann mi no sehr guat an di erinnera.
Mit all dina Problem und Sorga hänn miar doch no viel zämma glacht, i danka diar dafür und wünscha ganz fescht, dass du dini fröhlichkeit nit verürsch.

08.  Mrz 2018

Roger Plattner

Ich dankä miner Schwöster.. minäm liäbä Schatz,där liäbä Daughter Lara, där Heidi Günthart und där Mengia für diä tollä Kommentar.. ich bin echt überwältigt, was das usglöst hät, do, im FB und Messenger.. eifach schö und ich hoffä, dass ich öperem wo das liest, ä bitz Muet und Kraft cha mitgeh

08.  Mrz 2018

Regula

Lieber Roger, du machst so vielen Menschen Mut! Das ist grossartig und verdient den grössten Respekt! Wie du und Brigitte zusammenhaltet und euch immer wieder Kraft gebt ist grossartig und nicht selbstverständlich. Bleibt wie ihr seid! Ich wünsche euch immer wieder schöne und gute Momente! Alles Liebe
Regula

09.  Mrz 2018

Roger

Vielen Dank liebe Regula für deinen Kommentar, ich werde die Zeit mit euch nie vergessen.. vorallem die auf dem C7..an unserem Stammtisch.. die vielen guten Gespräche, die Verbundenheit zwischen allen.. und leider auch die traurigen Zeiten dannach..,aber du hast bewiesen, dass das Leben weitergeht.. danke Regula

09.  Mrz 2018

Sutter

Hallo Herr Plattner.Danke für Ihren Bericht.Auch mein Sohn hat fast die gleiche Geschichte wie Sie. Viel Kraft und Mut weiterhin.

10.  Mrz 2018

Roger

Hallo Hr.oder Fr. Sutter, danke für ihre Worte.. das mit ihrem Sohn tut mir leid und ich wünsche euch auch ganz viel Kraft und positives Denken in dieser schweren Situation.

10.  Mrz 2018

Müller Cilly

Hallo Roger, där Beitrag isch würkli super und so chame dir nu alles liebi und gueti wüsche! Blieb wie du bisch immer so ufgstellt, do cha minge viel lehre vo dir und dr Brigitte! Grüessli Cilly

11.  Mrz 2018

rita von arx

Lieber roger!durch brigitte (meine ehemalige arbeitskollegin)durfte ich dich kennen lernen.da hast du noch musik gemacht,brigitte und ich sind dir nachgefahren damit sie dich sehen kann!sie hat mir später viel erzählt von deinen vielen operationen und rückschlägen. Bis heute sind wir immer noch in kontakt was mich sehr freut.ich bewundere deine kraft und positive einstellung was sicher nicht immer einfach ist.brigitte ist eine tolle frau sie braucht auch viel kraft.ich wünsche euch noch viele schöne jahre

11.  Mrz 2018

Roger

Dankä vielmol liäbi Cilly, dass isch mega schö vo diär.. miär kennend üs jo au scho ganz ä hufä Johr und händ zämä schöni und gmüetlichi Stunde verbringe.. äs isch halt immer äs uf und ab, aber miär machend s'bescht drus.. bi eifach froh, han ich Brigitte, susch hätt ich das nid gschafft

11.  Mrz 2018

Roger

Vielä Dank liäbi Rita für din schönä Kommentar.. isch unglaublich, wieviel Johr scho vergangä sind.. do womär Musik gmacht händ, han ich diä erscht Nierä cha.. jetz luegemer immer fürschi und denkend positiv, aber ohni Brigitte hätt ich das nid gschafft

02.  Jul 2018

Grischott Irene

Lieber Roger
Hut ab von deiner Lebenseinstellung und denn Mut immer wieder von neuem zu kämpfen. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und weiterhin so eine vorbildliche Einstellung.

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Ansprechpartner

Dr. med. 
Reto M. Venzin

Leitender Arzt und Leiter Nephrologie/Dialyse

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