Blog

Aus dem Spital
20.  Mai 2020

Hypnose – keine Magie, sondern zielgerichtetes Kopfkino

Mit dem Finger schnipsen, um Menschen in Trance fallen zu lassen und Versuchspersonen, die, wie ferngesteuert Befehle befolgen – diese weit verbreiteten Klischees zur Hypnose haben mit der medizinischen Hypnose wenig zu tun. Vielmehr ist die medizinische Hypnose ein wissenschaftlich belegtes Therapieverfahren, um in verschiedenen Bereichen der Medizin die traditionelle Behandlung zu ergänzen. Eine Methode, die auch am Kantonsspital Graubünden (KSGR) angewendet wird und Patientinnen und Patienten mit chronischen Beschwerden die Rückkehr in ein aktives Leben erleichtern kann.

Hypnosetherapie

Im Rahmen seiner Fachausbildung im Bereich der Anästhesie und der Schmerztherapie musste Dr. med. Manfred Koch, Oberarzt für Anästhesie und Leiter Hypnose am KSGR, erkennen, dass Medikamente öfter an Grenzen stossen als angenommen. Insbesondere im Bereich der langfristigen Schmerztherapie wirken Schmerzmitteln nicht immer befriedigend. Die Hypnose stellt in diesen Bereichen eine Alternative und Ergänzung zu Medikamenten dar.

Wirkung der Hypnosetherapie
Medizinische Hypnose ist eine wirksame Behandlung, sobald die Beschwerden mit der körperlichen Wahrnehmung in Verbindung stehen. Einen gebrochenen Knochen kann man mit Hypnose nicht heilen. Chronische Schmerzen, Kopfschmerzen, das chronische Reizdarmsyndrom und Ängste sprechen hingegen sehr gut auf eine Hypnosetherapie an. «Der Körper glaubt fast alles, was der Kopf ihm sagt», erklärt Dr. Koch. «Während einer Hypnose gibt man dem Kopf die Möglichkeit, sich mit guten und positiven Wahrnehmungen zu beschäftigen. Als Konsequenz kann der Körper nun anders empfinden.» So könne mit Ängsten umgegangen, der Fokus von den Schmerzen genommen und dadurch der Umgang mit ihnen erleichtert werden.

Grenzen der Hypnose
Eine Hypnosetherapie setzt voraus, dass sich der Patient, die Patientin darauf einlässt – dies ist nicht für alle einfach, aber die Bereitschaft muss da sein. «Wer etwas nicht tun will, wird dies auch unter Hypnose nicht tun», betont Dr. Koch. Zudem ist es zentral, eine realistische Zielvorstellung zu haben. Eine Hypnosesitzung wird nicht von heute auf morgen alles ändern. Vielmehr handelt es sich um einen Prozess, während dem man lernt, mit Symptomen umzugehen.

Hypnosetherapie 2

Wie sieht eine Hypnosesprechstunde aus?
In einem ersten Schritt erfolgt die Befragung durch den behandelnden Arzt. Dabei wird festgestellt, ob die Ursachen für die Beschwerden noch eingehender abgeklärt werden müssen und gegebenenfalls behandelt werden können. Anschliessend wird zusammen mit dem Patienten, der Patientin ein Ausgangspunkt für die Trance gesucht, wie zum Beispiel ein schöner Ort, wo er/sie sich wohlfühlt.

Veränderung der Wahrnehmung
In diesem Zustand der Entspannung können die Patientinnen und Patienten unter Anleitung des Arztes ihre Wahrnehmung verändern. Ein Schmerz, der in den ganzen Arm ausstrahlt, kann beispielsweise in der Hypnose auf einen bestimmten Punkt beschränkt und so erträglicher gemacht werden. Oder der Patient wird aufgefordert, dem schmerzenden Bereich ebenso wie einem schmerzfreien Körperteil eine Farbe zu geben. Anschliessend kann die „schmerzfreie Farbe“ über den schmerzenden Körperteil gelegt und so dank wirkungsmächtigem Kopfkino die Wahrnehmung des Schmerzes verändert werden.

Übung macht den Meister
Hypnose ist eine langfristige Therapie – ein Weg, mit den Schmerzen umzugehen. Der Arzt kann den Weg aufzeigen, aber die Patientinnen und Patienten müssen ihn gehen. Die Arbeit an der Wahrnehmung des Schmerzes muss zu Hause weitergeführt und verinnerlicht werden, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen. «Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen haben oft schon unzählige Termine für ihre Therapien und Behandlungen. Die Hypnose soll da nicht noch eine zusätzliche Bürde sein. So wird darauf hingearbeitet, dass die Patienten Hypnose individuell und selbstständig anzuwenden lernen», betont Dr. Koch. Das Ziel ist dabei klar, mit Hilfe von Hypnose einen anderen Umgang mit den Beschwerden zu erlernen und wieder aktiver am Leben teilnehmen zu können.

Weitere Informationen zur Schmerzsprechstunde finden Sie unter www.ksgr.ch/schmerzsprechstunde

0 Kommentare

Klicken, um ein neues Bild zu erhalten

Die mit einem * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Manfred Koch
Ansprechpartner

Dr. med.
Manfred Koch

Oberarzt Schmerztherapie

Tel.+41 81 255 20 61

E-MAIL