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Gesundheit
10.  Mai 2017

Hirnschlag ein Notfall

Der Hirnschlag ist ein medizinischer Notfall, bestimmte Therapien können nur in der Frühphase nach Symptombeginn erfolgen und weitere Komplikationen durch eine frühzeitige Spitalbehandlung verhindert werden. Darum ist die notfallmässige Zuweisung ins Spital, idealerweise in eines mit einer Stroke Unit, sehr wichtig.

Helikopter der Rega auf dem Landeplatz des Kantonsspitals Graubünden

Ein Rega-Helikopter auf dem Helikopterlandesplatz im Kantonsspital Graubünden.

«Ich konnte plötzlich nicht mehr richtig sprechen und der rechte Arm war schwach. Ich wusste gar nicht, was mit mir los ist und ich war praktisch handlungsunfähig», erinnert sich die Patientin. «Zum Glück erkannte mein Mann die Symptome des Hirnschlages sofort.»

Der Hirnschlag ist ein medizinischer Notfall, bestimmte Therapien können nur in der Frühphase nach Symptombeginn erfolgen und weitere Komplikationen durch eine frühzeitige Spitalbehandlung verhindert werden. Darum ist die notfallmässige Zuweisung ins Spital, idealerweise in eines mit einer Stroke Unit, sehr wichtig.

«Ich habe sofort an einen Hirnschlag gedacht und den Hausarzt gerufen. Dieser alarmierte schon vor seinem Hausbesuch die Rega und sagte uns, dass wir für weitere Abklärungen und Behandlungen ins Kantonsspital Graubünden gehen müssen», erzählt der Ehemann der Patientin.

Verschiedene Arten von Hirnschlägen

Bei rund 80-85 % der Fälle handelt es sich bei einem Hirnschlag um einen Gewebeuntergang aufgrund von Durchblutungsmangel. Seltener kommt es zu einer Hirnblutung, einem Gefässeinriss mit Bluterguss in das Hirngewebe.

CT und Thrombolyse

Hirnschlag, Stroke Unit: Infusion auf der Notfallstation

Der Patientin wird auf der Notfallstation eine Infusion verabreicht.

Als die Patientin dann im Kantonsspital Graubünden angekommen war, wurde sie sofort auf Notfallstation und Stroke Unit behandelt. Die Notfall-CT-Untersuchung gab Aufschluss über die Art des Hirnschlags. Hierbei wurde nach erforderlicher Diagnostik innerhalb von 25 Minuten nach Eintreffen eine Thrombolyse-Behandlung durchgeführt.

Wenn ein Hirnschlag aufgrund einer Mangeldurchblutung eingetreten ist, erfolgt eine intravenöse Thrombolysetherapie (medikamentöse Auflösung der Verstopfung durch den Blutpropf, die die normale Durchblutung verhindert). Diese Therapie kann aber nur in den ersten 4,5 Stunden nach dem Ereignis durchgeführt werden und auch innerhalb dieser Zeit gilt: je schneller, desto besser. Zudem kann sie nur angewendet werden, wenn beim Patienten keine erhöhte Blutungsgefahr besteht, da die Blutungsneigung unter der Therapie zunimmt.

Abklärungen der Ursachen

Hirnschlag, Stroke Unit: Behandlung eines Stroke Unit-Patienten durch den Arzt

Der behandelnde Arzt untersucht die Hirschlag-Patientin.

«Nach der Thrombolyse wurden verschiedene Abklärungen bei mir durchgeführt und ich war für die Herzrhythmusüberwachung und weitere Therapien für einige Zeit auf der Stroke Unit», erinnert sich die Patientin heute.

Ziel der Stroke-Unit-Behandlung ist es, die Ursache des Hirnschlags individuell zu evaluieren, um mit geeigneten Massnahmen weitere Ereignisse zu verhindern. Beim Hirnschlag-Patienten erfolgt eine telemetrische Monitorüberwachung, unter anderem, weil bei bestimmten Herzrhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern eine besondere medikamentöse Schutztherapie nötig ist.

Das Stroke-Unit-Team

Das Behandlungsteam der Stroke Unit besteht aus den Fachbereichen Neurologie und Innere Medizin, einer spezialisierten Pflege, Therapeuten (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) und dem Spital-Sozialdienst. Zudem tauscht es sich regelmässig unter anderem mit Notfallstation, Neuroradiologie, Kardiologie und Gefässchirurgie/Angiologie aus. Bei täglichen Visiten evaluiert das Team den Verlauf und leitet weitere Abklärungsschritte/Therapien in die Wege.

Erholung nach Hirnschlag durch aktive Therapie

Bereits auf der Stroke Unit wird durch frühe Mobilisation und den Beginn von neurologischen Therapien das Ergebnis verbessert und dadurch die Gefahr von Immobilität minimiert. Jeder Patient wird individuell nach Schwere des Hirnschlags behandelt, so dass die Interventionen in einem adäquaten Ausmass erfolgen.

Folgen des Hirnschlags

Der Hirnschlag ist neben einer erhöhten Sterblichkeit im ersten Jahr auch die häufigste Ursache für eine Langzeitbehinderung im Erwachsenenalter. Es gibt aber viele Patienten, die direkt oder nach einer Therapiephase in ihre angestammte Umgebung und in die Berufstätigkeit zurückkehren können. Ob eine ambulante oder stationäre Weiterbehandlung nach der Therapie auf der Stroke Unit erforderlich ist, wird individuell vom Behandlungsteam beurteilt.

Sekundärprophylaxe nach Hirnschlag

Hirnschlag, Stroke Unit: CT-Auswertung am PC

Auswertung eines CTs am PC.

Ohne geeignete Massnahmen liegt das Risiko der Hirnschlag-Patienten, nach fünf Jahren einen erneuten Hirnschlag zu erleiden, bei rund 30 %. Einzelne Krankheitsbilder oder Ursachen haben ein noch höheres Risiko. Eine Sekundärprophylaxe ist daher sehr wichtig und wird im Anschluss an die Ursachenabklärungen individuell festgelegt beziehungsweise empfohlen.

Als besonders wirksame Massnahmen gelten in der Sekundärprophylaxe:
• Die Behandlung eines erhöhten Blutdrucks und anderer Gefässrisikofaktoren.
• Bei Vorhofflimmern die Therapie mit einem Blutgerinnungshemmer.
• Bei hochgradigen, symptomatischen Verengungen der hirnversorgenden Gefässe
• (Karotisstenose) eine Operation.
• Veränderungen des Lebensstils, v.a. betreffend Bewegung, Ernährung und Gewichtsregulation.

«Heute fühle ich mich vollkommen beschwerdefrei», sagt die Patientin. Sie könne wieder ganz normal sprechen und habe keine motorischen Einschränkungen. «Ich versuche auf meine körperliche Fitness zu achten und nehme die Medikamente regelmässig ein.»

Viele Menschen kennen ihr Hirnschlag-Risiko nicht

Nach wie vor erleiden weltweit mehr als 10 Millionen Menschen pro Jahr einen Schlaganfall. 90 % der Hirnschläge sind auf die sogenannten modifizierbaren, d. h. vermeidbaren Risikofaktoren zurückzuführen. Hierbei geht es besonders um erhöhten Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Zuckerkrankheit, Übergewicht. Aber auch der Lebensstil (z. B. Bewegungsmangel) und die Ernährung hängen direkt oder indirekt mit den Ursachen zusammen. Eine falsche Ernährung (z. B.: zu wenig pflanzliche Ernährung) ist bereits auf Platz fünf der Risiken. Mehr Prävention würde zu weniger Hirnschlägen führen.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter: https://www.swissheart.ch/de/praevention/gesund-leben.html

Früherkennung von Hirnschlag-Symptomen ist wichtig - jede Minute zählt

Hirnschlag-Symptome sind vielfältig und richten sich nach der Lokalisation der Störung im Hirn. Häufig zeigt sich ein Hirnschlag durch neu und plötzlich aufgetretene Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen. Oft sind Betroffene selbst nicht in der Lage zu reagieren, so dass es auf Drittpersonen ankommt. Der Rettungsdienst wird via 144 verständigt und eine weitere Abklärung ist im Spital nötig. Der häufigste Hirnschlag betrifft übrigens das Versorgungsgebiet der mittleren Hirnarterie mit schiefem Mund, häufig Sprachstörungen und halbseitiger Lähmung. Das Kantonsspital Graubünden beteiligt sich aktiv an der gemeinsamen landesweiten Kampagne der Fachgesellschaften und der schweizerischen Herzstiftung.

Weitere Infos unter: http://www.hirnschlag.ch/

Symptom-Icons zur Früherkennung eines Hirnschlags, Quelle: www.hirnschlag.ch

Quelle: Schweizerische Herzstiftung, www.swissheart.ch

Stroke-Unit-Behandlung auf einen Blick

Die Behandlung von Hirnschlag-Patienten auf der Stroke Unit ...
• erhöht die Wahrscheinlichkeit, nach einem Hirnschlag wieder nach Hause zurückkehren zu können und unabhängig zu sein.
• vermindert die Sterbehäufigkeit.
• vermindert die Wahrscheinlichkeit, dauerhaft in einer Institution (Pflegeheim) leben zu müssen.
• ist auch bei Patienten wirksam, bei denen keine Thrombolyse erfolgen kann.

Weitere Info unter: https://www.ksgr.ch/stroke-unit.aspx

Öffentlicher Vortrag «Hirnschlag»

Das Kantonsspital Graubünden beteiligt sich an der nationalen Kampagne «Hirnschlag erkennen, rasch und richtig handeln». Dazu planen wir am Donnerstag, 2. November 2017, einen öffentlichen Vortrag für Interessierte, Betroffene und Angehörige. Weitere Informationen folgen.

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Ansprechpartner

Dr. med. 
Sylvan Justin Albert

Leitender Arzt Neurologie und Leiter Stroke Unit

Tel.+41 81 256 78 42

Fax.+41 81 256 73 61

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