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Schwangerschaft
26.  Jul 2017

Hebammenbriefkasten Pucken

Wenn ein Kind zur Welt kommt, stelle ich mir immer wieder dieselbe Frage: Warum wickelt man neugeborene Kinder in Tücher ein, sodass sie die Arme und Beine kaum bewegen können? M. C. aus D

Diese Technik, bei der Babys fest in ein Tuch eingewickelt werden, nennt man heutzutage Pucken. Es basiert auf der Wickelmethode, die in verschiedenen Kulturen angewendet wurde. Dabei wurde das neugeborene Kind mit Stoffbändern eng umwickelt, sodass es seine Extremitäten nicht bewegen konnte. Früher ging man von der Annahme aus, dass der Körper des Kindes weich und formbar sei und sich nur in dieser gestreckten und unbeweglichen Position richtig entwickeln kann. Diese Technik wurde über Jahrhunderte in verschiedenen Kulturen angewendet und erst im 18. Jahrhundert in den westlichen Ländern grösstenteils abgeschafft. In anderen Kulturen, wie beispielsweise der Mongolei,
wird es auch heute noch bei vielen Kindern angewendet.

In unserer westlichen Welt wird eine abgewandelte Form, das Pucken, wieder vermehrt durchgeführt. Dabei wird das Kind eng in ein Tuch eingewickelt, sodass es seine Körpergrenzen deutlich spüren kann und dadurch auch an die Enge und Geborgenheit der Gebärmutter erinnert wird. Zudem wird durch die Fixierung der Arme und Beine der sogenannte Moro-Reflex abgeschwächt. Dieser angeborene Reflex führt zu unkontrollierten ruckartigen Bewegungen der Arme und Beine des Neugeborenen, was die Kinder erschreckt. Somit lassen sich vor allem sehr unruhige Babys schneller beruhigen und sie schlafen meist auch länger, wenn sie gepuckt wurden.

Beim Pucken müssen unbedingt einige Punkte berücksichtigt werden. Die Kinder dürfen nicht zu eng eingewickelt werden, da dadurch das Risiko für eine Hüftfehlstellung oder allenfalls auch Beschädigungen der Nerven erhöht wird. Besonders im
Sommer und in geheizten Räumen muss auch die Körpertemperatur der Neugeborenen im Auge behalten werden, damit es nicht zu einer Überhitzung kommt. Zudem sollte das Pucken nicht mehr angewendet werden, wenn das Kind mobiler ist und sich zu drehen beginnt. Der Bewegungsdrang der Kinder sollte nicht eingeschränkt werden.

Ist ein Kind sehr unruhig und weint viel, kann das Pucken zur Beruhigung und zu besserem Schlafen führen. Kinder, die problemlos ein- und durchschlafen, müssen nicht gepuckt werden. Achten Sie aber stets auf die Reaktion des Kindes, es wird Ihnen signalisieren, ob es ihm gefällt, eingewickelt zu sein oder eher nicht.

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Dann schicken Sie eine E-Mail mit Betreff «Hebammenbriefkasten» an hebammenbriefkasten@6b173168d8c240839c639f582991c143ksgr.ch. Eine Auswahl der gestellten Fragen erscheint anonym in den Büwo-Ausgaben und hier auf dem Blog – beantwortet werden aber alle eingegangenen E-Mails.

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Jasmin Battaglia
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Jasmin Battaglia

Hebamme, Stv. Leiterin Gebärabteilung / Hebammenpraxis

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