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Schwangerschaft
31.  Mai 2017

Hebammenbriefkasten - Baby-Blues

Meine Schwester hat vor 3 Tagen ihr Kind bekommen. Ich habe sie heute besucht, und sie hat immer wieder geweint. Warum ist sie so traurig? M. B. aus F.

Die erste Phase nach der Geburt eines Kindes ist geprägt vom ersten Kontakt mit dem Kind, dem Beginn der Mutter-Kind-Beziehung und mit einer damit verbundenen enormen Sensibilität. Sich in die neue Rolle als Mutter einzufinden, ist ein nicht ganz einfacher Prozess in der Wochenbettperiode.

Dieser Prozess löst nicht nur positive Gefühle aus, sondern kann auch Zweifel, Angst und depressive Verstimmung hervorrufen. Solche Emotionen werden ausgelöst durch die körperlichen Veränderungen, die hormonelle Umstellung und den nicht ganz einfachen Druck der Gesellschaft in Form einer enormen Erwartungshaltung. Eine Mutter sollte sich
problemlos an die neue Lebenssituation anpassen, alles können und auch mühelos meistern. Zusätzlich stellen die Mütter an sich selbst auch sehr grosse Erwartungen, denen sie gerecht werden wollen.

Bei mehr als der Hälfte aller Wöchnerinnen kommt es zwischen dem 3. und 10. Tag nach der Geburt zum sogenannten Baby-Blues. Dies zeigt sich durch Gefühle wie Weinerlichkeit, Schwermütigkeit und rapiden Stimmungswechseln. Dies ist ein normaler Umstellungsprozess und ist meist nach wenigen Tagen vorbei.

Nach einer Geburt ist die Anfälligkeit für psychische Störungen wesentlich höher als zu anderen Zeiten im Leben einer Frau. Es kann zu einer Wochenbettdepression kommen. Dabei halten die Symptome des Baby-Blues über Wochen an, und es kann dazu kommen, dass die Frau unter enormen Angstzuständen, Konzentrationsstörungen, Erschöpfung, Schlafstörungen und einer übergrossen Sorge um das Kind leidet.

Eine solche Depression kommt meist durch verschiedene, sich gegenseitig unterstützende Umstände zustande. Stimmt die Realität nach der Geburt nicht mit der Vorstellung dieser Zeit überein und fehlen der Wöchnerin Strategien, um mit schwierigen Situationen und Enttäuschungen umzugehen, kann dies die Entstehung einer Depression begünstigen. Eine Depression ist ein grosses Tabuthema und erfordert professionelle Hilfe. Die Hebamme unterstützt die Mutter im Wochenbett im Umgang mit dem Kind, in der Rollenfindung und kennt die normalen Prozesse nach der Geburt. Sie weiss aber auch, welche Symptome zu der ernstzunehmenden Wochenbettdepression gehören, und kann allenfalls weitere Schritte einleiten.

Ihre Schwester hat wahrscheinlich gerade den Baby-Blues, auch «Heultage» genannt. Wie auch jede andere Wöchnerin benötigt Ihre Schwester in dieser Zeit viel Mitgefühl, Geduld, Verständnis und Unterstützung. Helfen Sie ihr bei ganz praktischen Dingen wie Kochen oder Putzen und hören Sie ihr zu. Dann kann sie sich auf sich und ihr Kind konzentrieren, damit es ihr bald wieder besser geht, und sie gemeinsam Freudentränen lachen.

Haben auch Sie Fragen rund um das Thema Schwangerschaft?

Dann schicken Sie eine E-Mail mit Betreff «Hebammenbriefkasten» an hebammenbriefkasten@c8fc9c0dba6e4f7abd385f019a1b233eksgr.ch. Eine Auswahl der gestellten Fragen erscheint anonym in den Büwo-Ausgaben und hier auf dem Blog – beantwortet werden aber alle eingegangenen E-Mails.

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Jasmin Battaglia
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Jasmin Battaglia

Hebamme, Stv. Leiterin Gebärabteilung / Hebammenpraxis

Tel.+41 81 254 84 04 (Hebammenpraxis, für Terminvereinbarungen)

Fax.+41 81 254 84 10

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