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Aus dem Spital
23.  Apr 2020

Das KSGR trainiert mit GRIPS

Seit kurzem ist das neu gegründete Graubündner Institut für Patientensicherheit und Simulation (GRIPS) Teil des Departements ANIR am Kantonsspital Graubünden. Das Angebot des GRIPS ist individuell anpass- und erweiterbar. Ein enormer Vorteil – insbesondere auch in Ausnahmesituationen wie der aktuellen.

Grips bezeichnet im Volksmund Verstand, Auffassungsgabe oder auch das Gehirn. Wer Grips hat, handelt clever, durchdacht und vernünftig. Was liegt da also näher, als dem Ort, an dem Cleverness und Vernunft trainiert werden und Prozesse durchdacht und überprüft werden können, einen entsprechenden Namen zu geben? Gesagt, getan: vor einigen Wochen gründeten Dr. Helge Junge und sein Team das Graubündner Institut für Patientensicherheit und Simulation – oder eben kurz: GRIPS.

Von der Reanimation bis zum Schockraum-Training
Der Zweck von GRIPS ist medizinische Ausbildung mittels Simulation. Das fängt bei ganz einfachen Sachen an, wie den klassischen Basic-Life-Support-Massnahmen – also Sofortmassnahmen, die ein jeder bei Bewusstlosen anwenden kann (der eine oder andere mag sich an die Nothelferkurse in Vorbereitung auf die Fahrprüfung erinnern) – und endet bei sogenannten Full-Scale-Simulationen, bei denen beispielsweise in einem Schockraum eine realistische Situation simuliert und trainiert wird.

Das Kerngeschäft der Simulationstrainings von GRIPS ist das Crew-Resource-Management, sprich die nicht-technischen Fähigkeiten eines Teams. Es geht um Leadership, Entscheidungs-Findung und auch Kommunikation. Am Kantonsspital Graubünden finden schon seit einiger Zeit regelmässig Schockraumtrainings mit Chirurgen, mit Notfallpersonal und Mitarbeitenden aus der Anästhesie und der Rettung statt. Alle Simulationen werden mittels Audio und Videoaufnahmen aufgenommen und im Anschluss in der Gruppe besprochen. «Es geht darum, Lösungen aufzuzeigen und hervorzuheben wo und wann wie welche Fehler passieren können und vor allem: warum sie passieren», präzisiert Junge. Es gehe auch darum herauszufinden, wie sich ein Team verhalten muss, damit am Schluss das bestmögliche Resultat erzielt wird. «Mit der Simulation kann man überprüfen, ob das eigene Notfallmanagement funktioniert und wo es noch Optimierungspotenzial gibt.»

Ausbildung für Interne und Externe
Das Angebot richtet sich an alle, die lernen wollen, in kritischen Situationen als Team besser zu funktionieren. Das kann auf der Bettenstation sein – und das nicht nur KSGR-intern, sondern auch für Externe. «Wir haben auch schon Ausbildungen in Zahnarztpraxen gemacht. Da ging es darum, das Notfallmanagement in der Praxis zu überprüfen, Fragen zu klären, wie: 'Was passiert, wenn ein Patient auf dem Behandlungsstuhl ohnmächtig wird oder eine allergische Reaktion hat.' Da wird das Nicht-Alltägliche trainiert.» Dabei sei die medizinische Basisausbildung aber nicht unbedingt der Kern der Ausbildung. «Im Spital wissen wir in der Theorie alle, was wir zu tun haben. Im Zusammenspiel mit anderen können da aber Dinge vergessen werden», fasst Helge Junge die GRIPS-Idee kurz zusammen. Das Angebot gilt aber natürlich nicht nur für medizinisches Fachpersonal. Gerade, weil nicht zwingend die medizinische Grundausbildung im Fokus steht. «Es kann sich natürlich auch ein Detailhändler melden, der mit seinen Mitarbeitenden trainieren will, was passiert, wenn ein Kunde im Geschäft einen Herzstillstand hat.»

Die Grips-Homebase liegt in den altehrwürdigen Gemäuern der Villa Fontana.

Individuell – und schnell
Die Trainings können individuell zusammengestellt werden und so auf die Bedürfnisse der jeweiligen Teams und Organisationen angepasst werden. Das hat sich auch in der aktuellen Corona-Krise eindrücklich gezeigt: Innerhalb weniger Stunden hat das GRIPS-Team Trainings für die Mitarbeitenden des KSGR – und auch externes Personal – zusammengestellt, um die Mitarbeitenden auf die Herausforderungen der aktuellen Situation vorbereiten zu können. Innerhalb von knapp vier Wochen wurden so in 110 Kursen 345 Mitarbeitende ausgebildet. «Der Zuspruch war enorm und alle Teilnehmer waren sehr dankbar und interessiert und äusserten sich nach den Trainings sehr positiv», erklärt Dominic Schier, Leiter Pflege beim GRIPS.

Trainieren vor Ort
Homebase von GRIPS ist die alte Villa Fontana oberhalb der Frauenklinik Fontana. Dort finden auch die meisten Trainings statt – aber nicht nur: «Idealerweise ist das Training dort, wo die Teams im Ernstfall auch sind. So bewegt man sich im echten Arbeitsumfeld und läuft nicht Gefahr, sich aufgrund der ungewohnten Umgebung anders zu verhalten, als man dies im gewohnten Umfeld tun würde.» Wichtig für Helge Junge: «Die Simulationstrainings sind keine Inspektion. Es geht darum, aus Fehlern zu lernen und sich, Abläufe und die Teamorganisation zu verbessern.» Dazu müsse man aber auch genau erklären, wie das Setting des Trainings ist, was angeschaut wird und was bewusst nicht kontrolliert wird.

Weitere Informtionen zum Simulationstraining am KSGR finden Sie unter www.ksgr.ch/simulationstraining.
Mehr Infos zu GRIPS gibt es unter grips.academy.

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Ansprechpartner

Dr. med. 
Helge Junge

Stv. Chefarzt Anästhesie, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, Leiter Simulationstraining

Tel.+41 81 256 65 04

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