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Aus dem Spital
25.  Okt 2018

Interessante Einblicke in einem angenehmen Arbeitsumfeld

Paolo Consigliere verbringt einen Monat im Kantonsspital Graubünden (KSGR) um Einblicke in die von Dr. Christoph Sommer genutzten Techniken zu gewinnen und neue Tipps und Tricks mit nach Hause zu nehmen. Der italienische Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie hat seine Ausbildung in Pavia und Mailand gemacht und arbeitet nun seit fünf Jahren in London.

Paolo Consigliere, Gastarzt Unfallchirurgie

Gastarzt Unfallchirurgie Paolo Consigliere.

Mailand, London, wie sind Sie da für Ihren Austausch auf das KSGR gekommen?
Wenn man sich bei der AO Foundation* für das Programm bewirbt, kann man bei der Spitalwahl zwei Präferenzen angeben. Da es sich bei der AO Foundation um eine Schweizer Organisation handelt, war es für mich naheliegend, dass eine meiner Präferenzen in der Schweiz sein sollte. Ich habe bei Kollegen, die bereits in der Schweiz arbeiten, nachgefragt, was die beste Wahl sei. Dabei wurde mir das KSGR empfohlen. Die Alternative wäre ein Spital in den USA gewesen.

Kannten Sie Dr. Sommer bereits bevor Sie sich beworben haben?
Ich kannte ihn nur vom Namen her. Während meiner Zeit hier, habe ich nun die Möglichkeit Dr. Sommer und seinen Kollegen bei allen unfallchirurgischen Eingriffen zu assistieren. Leider ist dies nicht überall möglich. In manchen Ländern ist es nicht erlaubt mit einem ausländischen Abschluss zu operieren. Sollten Sie sich für dieses Programm interessieren, lohnt es sich auf der AO Foundation-Webseite die Informationen zu den Gastspitälern zu prüfen.

Kannten Sie die Schweiz bereits bevor Sie sich für den Aufenthalt beworben haben?
Da ich in Italien nur unweit der Schweizer Grenze gewohnt habe und sehr gerne Ski fahre, war ich bereits in der Schweiz zum Skifahren. Ich war allerdings noch nie in Chur und hatte bisher noch kaum Gelegenheit die Stadt zu erkunden. 

Wie gestaltet sich Ihr Aufenthalt bisher?
Der AO-Ansatz wird hier in Chur sehr vorbildlich praktiziert. Ich kann hier viele Erfahrungen für die Behandlung von Brüchen sammeln. Es gibt manche Dinge, die ich gerne zu Hause ausprobieren möchte. Bei anderen Techniken wird mir aber auch klar, dass mir die bisherige Technik besser liegt und ich daher im Interesse der Patientinnen und Patienten nicht davon abweichen werde.

Unterscheidet sich die Arbeit hier stark von jener in London?
Ja, der Unterschied ist sehr gross. Der Rhythmus hier ist langsamer, es gibt weniger Operationen, die Stimmung ist besser und das Arbeitsumfeld angenehmer. Die Leute sind sehr nett, weniger gestresst, rennen weniger herum.
Zudem gibt es auch Unterschiede in den angewandten Ansätzen und Techniken. Es ist somit interessant zu sehen, wie dieselbe Verletzung mit einer anderen Methode behandelt wird, um dann aber doch das gleiche Resultat zu erreichen.

Sind Sie hier mit ähnlichen Fällen konfrontiert?
Ja, im Allgemeinen schon. In London behandeln wir allerdings mehr Verletzungen, die von Verkehrsunfällen verursacht werden. Hier sind es häufiger Stürze und Sportverletzungen. Zudem behandeln wir in London wesentlich mehr Infektionen, da das Spital ein nationales Referenzzentrum für Entzündungen des Knochenmarks und Infektionen infolge eines Traumas ist.

Wie unterscheidet sich die Grösse der beiden Spitäler?
In London sind wir zuständig für das Wohlergehen von 1.5 Millionen Menschen. Es ist also wesentlich grösser als das KSGR (Einzugsgebiet des KSGR hat ca. 90'000 Einwohner exkl. Anzahl Feriengäste). Hier in Chur hat man dementsprechend mehr Zeit für jeden einzelnen Patienten, kann die Arbeit sorgfältiger durchführen und nötigenfalls korrigieren.
Aufgrund der unterschiedlichen Gesundheitssysteme ist auch die Kultur in den Spitälern unterschiedlich. In der Schweiz gibt es einen Markt für Krankenversicherungen und der Bürger kann frei wählen bei wem er sich versichern möchte. In England und Italien ist das Gesundheitswesen ausschliesslich durch Steuern und somit vom Staat finanziert. Ich würde das Spital hier in Chur eher mit einer Privatklinik in England oder Italien vergleichen. Hier in der Schweiz werden Patienten schneller operiert aufgrund der begrenzten Nachfrage und den Serviceregeln von privaten Krankenversicherungen. In England hingegen ist oft mehr los und daher müssen nicht dringende, unfallchirurgische Eingriffe geplant und verschoben werden, um dringenderen Fällen den Vortritt zu lassen.

Würden Sie den Austausch mit Chur anderen Chirurgen empfehlen?
Auf jeden Fall. Egal woher man kommt, kann man neue Erfahrungen mit nach Hause nehmen. Zudem ist das KSGR ein schöner Ort, die Leute sind nett und nehmen sich Zeit um zu helfen. So ist auch Dr. Sommer sehr nett und zugänglich.


* Die Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (kurz AO) widmet sich der Forschung, Entwicklung und Lehre im Bereich der Traumatologie (Unfallchirurgie) und hat Forschungszentren in Davos und Dübendorf.


Weitere Informationen zur Unfallchirurgie finden Sie unter: www.ksgr.ch/unfallchirurgie

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Ansprechpartner

Dr. med. 
Christoph Sommer

Chefarzt Unfallchirurgie / Allgemeinchirurgie, Leiter Unfallchirurgie

Tel.+41 81 256 62 05

Fax.+41 81 256 66 94

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