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Aus dem Spital
18.  Apr 2017

«Euer Gesundheitssystem ist grossartig»

Dr. med. Mihnea Dumitrescu ist 31 Jahre alt, kommt aus Rumänien und verbringt zurzeit einen Lernaufenthalt als Gastarzt auf der Unfallchirurgie von Dr. med. Christoph Sommer im Kantonsspital Graubünden (KSGR). Für unseren Blog erzählt er, wie es dazu gekommen ist und wie seine Eindrücke vom KSGR und der Schweiz sind.

Dr. med. Mihnea Dumitrescu, Gastarzt auf der Unfallchirurgie KSGR

Dr. med. Mihnea Dumitrescu, Gastarzt auf der Unfallchirurgie

Sie sind im Rahmen eines Ärzteaustausch-Programms für vier Wochen im Kantonsspital Graubünden in Chur zu Besuch. Wie ist das Ganze entstanden?
Dumitrescu: Ausschlaggebend dafür ist die Arbeitsgemeinschaft Osteosynthese, die sogenannte AO-Foundation, die sich der Forschung, Entwicklung und Lehre im Bereich der Unfallchirurgie resp. Traumatologie widmet. Die AO-Foundation vergibt Forschungsstipendien im Zusammenhang mit einem Ärzteaustausch. Ich habe mich letztes Jahr beworben und dann den Zuschlag erhalten. Ich wollte in erster Priorität nach Chur kommen. Meine zweite Wahl war das Universitätsspital Lausanne. Als ich die Zusage für Chur bekam, war ich sehr glücklich. Leider musste der Termin für meinen Austausch dann verschoben werden und ich konnte nicht nach Chur kommen, hatte jedoch meinen Platz in Lausanne.

Wie sind Sie dann trotzdem noch in Chur gelandet?
Dumitrescu: Ich verbrachte ab Januar 2017 zwei Monate in Lausanne. Eines Abends vor dem Zubettgehen kam mir die Idee, mich bei Dr. med. Christoph Sommer, dem Chefarzt Unfallchirurgie am Kantonsspital Graubünden zu melden, um vielleicht doch noch einige Zeit in Chur lernen zu können. So schrieb ich ihm eine E-Mail und beschrieb meine Ausgangslage, verbunden mit der Frage, ob ich auf meinem Rückweg von Lausanne nach Bukarest einen kurzen Lernaufenthalt in Chur mit einbauen könne. Ich wollte nichts unversucht lassen.

Was geschah dann?
Dumitrescu: Ich erwartete eigentlich keine Zusage. Christoph Sommer ist einer der besten Chirurgen in der Schweiz, wenn nicht gar weltweit. Ich rechnete nicht damit, dass mein Anliegen umgesetzt werden könnte. Dennoch erhielt ich eine Zusage. Ich war überglücklich. Leider klappte es nicht direkt nach meiner Zeit in Lausanne. So konnte ich dazwischen für drei Wochen noch Familie, Freunde und Verlobte in Rumänien besuchen.

Warum war es Ihnen so wichtig, nach Chur zu kommen?
Dumitrescu: Als angehender Traumatologe oder Unfallchirurg kommt man rasch in Berührung mit der AO-Foundation. Entsprechend rasch hört man auch von Mitgliedern und Ärzten, die einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Osteosynthese haben. Christoph Sommer ist eine dieser Personen. Ich habe viele seiner Publikationen, Videos oder Präsentationen verfolgt. Begeistert von der Qualität seiner Arbeiten war ich davon überzeugt, dass ich vor allem hier in Chur von den Besten lernen kann.

Wenn Sie seit zwei Wochen in Chur sind, haben Sie die Beinbruch-Hauptsaison ja verpasst?
Dumitrescu (lacht): Ja, hier in Chur habe ich sie verpasst. Obwohl, eigentlich nur teilweise. Ich stand während der Ski-WM in St. Moritz für den Rumänischen Skiverband als Arzt im Einsatz. Sie hatten mich angefragt, da ich zu dieser Zeit bereits in der Schweiz war. Dort habe ich zwei Skiunfälle von Athleten mitbekommen, deren Genesungsverlauf ich hier mit dem behandelnden Arzt besprechen konnte.

Sie kommen aus Rumänien. Worin liegen die grössten Unterschiede zwischen Ihrer Heimat und der Schweiz, wenn es um Medizin geht?
Dumitrescu: Ich habe mich vor meinem Austausch mit einem Kollegen unterhalten. Er hat mich gefragt, wo ich mich behandeln lassen würde, wenn ich einen groben Unfall hätte und den Behandlungsort selber aussuchen könnte. Ich antwortete «in der Schweiz». Euer Gesundheitssystem ist absolut grossartig. Natürlich kann ich das nach zwei Wochen in Chur und zwei Monaten in Lausanne nur teilweise beurteilen. Was ich aber bis jetzt gesehen habe, ist begeisternd. Das rumänische Gesundheitssystem ist nicht sonderlich effizient. Das hat auch mit Korruption zu tun. Die Finanzierung des Systems ist nicht vollumfänglich gegeben. Entsprechend hat man in allen Bereichen Probleme. Die Spitäler sind ok, aber nicht vergleichbar mit der Schweiz. Man hat in Rumänien zwar das wichtigste Material für die Behandlung von Patienten, meist jedoch weder das neueste noch das beste. Ausserdem ist das Personal unterbezahlt, vom Elektriker oder Koch bis zum Arzt. Die Kenntnisse der Mitarbeitenden sind vergleichbar mit jenen in der Schweiz. Entsprechend frustrierend ist es, wenn man seinen Patienten aufgrund der Rahmenbedingungen nicht die bestmögliche Behandlung zukommen lassen kann.

Haben Sie Unterschiede zwischen Lausanne und Chur ausgemacht?
Dumitrescu: Mir ist aufgefallen, dass es kleine Unterschiede zwischen der französischsprachigen und der deutschsprachigen Schweiz gibt. Beide arbeiten grossartig. In der Deutschschweiz ist alles noch ein wenig präziser, während in der Westschweiz die «joix de vivre» etwas mehr gewichtet wird (lacht).

Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung nach Ihrer Zeit in Chur?
Dumitrescu: Vor allem die Zusammenarbeit mit Dr. med. Christoph Sommer werde ich immer sehr positiv in Erinnerung behalten. Wissen Sie, er ist wirklich eine Koryphäe und ein Vorbild in seinem Bereich. Es ist inspirierend, ihm bei der Arbeit zuzuschauen und von ihm zu lernen. Gleichzeitig ist er bescheiden und höchstanständig. Er spricht immer auf Augenhöhe mit einem und man fühlt sich stets ernst genommen und geschätzt. Für seine Erfahrung, Kompetenz und Menschlichkeit bewundere ich Ihn.


Weitere Informationen:
www.ksgr.ch/unfallchirurgie


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Ansprechpartner

Dr. med. 
Christoph Sommer

Chefarzt Unfallchirurgie / Allgemeinchirurgie, Leiter Unfallchirurgie

Tel.+41 81 256 62 05

Fax.+41 81 256 66 94

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