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Aus dem Spital
26.  Apr 2018

«Wenn ich einen Unfall hätte, würde ich gerne hier behandelt werden»

Dr. med. Markus Heinecke ist vor 34 Jahren in Dessau (Sachsen-Anhalt) geboren worden, lebt heute in Leipzig und arbeitet im BG Klinikum Bergmannstrost Halle. Er ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Im März 2018 hat er drei Wochen im Kantonsspital Graubünden KSGR verbracht, um von Dr. med. Christoph Sommer zu lernen. Wir treffen Markus Heinecke an einem Dienstagnachmittag. Er kommt direkt von einer mehrstündigen Operation.

Markus Heinecke

Markus Heinecke, Gastarzt in der Unfallchirurgie

Herr Heinecke, Sie kommen gerade von einem sechsstündigen Einsatz im Operationssaal. Ist alles gut gegangen?
Heinecke: Ja, alles bestens. Es war ein etwas komplizierterer Schienbeinkopfbruch. Daher hat sich das ganze etwas hingezogen. Das ist nichts aussergewöhnliches. Es gab aber auch eine kurze Pause, da wir den Patienten zwischendurch drehen mussten, um auch von der anderen Seite den Bruch versorgen zu können.

Sie machen im Moment eine Ausbildung für die Zusatzbezeichnung «Spezielle Unfallchirurgie». Inwiefern unterscheidet Sie das in Zukunft von anderen Unfallchirurgen?
Heinecke: Da geht es um die Behandlung von Verletzungen höherer Schwierigkeitsgrade, speziell von komplexeren Frakturen sowie bestimmte Wirbelsäulen- oder Beckeneingriffe und um die Versorgung Schwerstverletzter. Das ist eine Zusatzbezeichnung mit einer umfangreichen praktischen Ausbildung, die ich mit einer mündlichen Prüfung abschliessen werde.

Jetzt sind Sie drei Wochen in Chur. Wie ist das zustande gekommen?
Heinecke: Das erfolgte über die AO-Foundation*. Ich habe mich dort für ein Reisestipendium beworben. Meine Bewerbung wurde angenommen und somit konnte ich nach Chur kommen.

Warum nach Chur?
Heinecke: Das hat mehrere Gründe. Ich kenne den Stv. Leiter der Unfallchirurgie am KSGR, Dr. med. Thomas S. Müller seit mehreren Jahren. Unsere Klinik in Halle veranstaltet jährlich einen AO-Traumakurs, den ich mitorganisiere. Thomas S. Müller ist dort jährlicher Referent und Instruktor. Er hat dann irgendwann mal gemeint, dass ich unbedingt einmal nach Chur kommen müsse, da es hier, aufgrund der Nähe zu diversen Skigebieten, viele spannende und herausfordernde Fälle gäbe.

Gibt es die in Halle nicht?
Heinecke: Doch, klar. Das Bergmannstrost ist auch ein grosses Traumazentrum. Wir haben jedoch nicht unerheblich viele alterstraumatologische Notfälle. Das heisst, dass wir viele ältere Patienten behandeln, die z. B. gestürzt sind. Es ist natürlich etwas anderes, einen Fall zu bearbeiten, bei dem es sich um einen jüngeren und sportlicheren Patienten handelt. Das ist hier, inmitten von Skigebieten, natürlich viel öfter der Fall.

Wie oft haben Sie Kontakt zu Dr. Christoph Sommer?
Heinecke: Täglich. So wie ich mir das vorgestellt und natürlich auch gewünscht hatte. Ich konnte bei Visiten teilnehmen, habe seine täglichen Arbeiten im OP und in der Sprechstunde begleiten können und natürlich auch viele Fälle direkt mit ihm besprochen. Er hat eine riesige Sammlung von Fällen und Versorgungsbeispielen aus der Vergangenheit. Das ist schon wahnsinnig beeindruckend.

Was zeichnet Dr. Sommer denn so besonders aus?
Heinecke: Er ist ein Perfektionist. Er macht sich unheimlich intensive Gedanken zu den einzelnen Fällen, um Lösungsstrategien zu entwickeln. Gleichzeitig ist er super sympathisch. Ein sehr angenehmer, ruhiger und sehr offener Kollege. Er hat mir auch das Du angeboten, was für eine solche Koryphäe auch nicht selbstverständlich ist.

Das KSGR scheint ja wirklich ein Kompetenzzentrum für Unfallchirurgie zu sein?
Heinecke: Ja, absolut. Wenn ich einen Unfall hätte, würde ich gerne hier behandelt werden. Also natürlich entweder bei uns in Halle, oder hier in Chur (lacht).

Wie war Ihr Aufenthalt im KSGR denn abgesehen von den rein medizinischen Themen?
Heinecke: Absolut super. Es war perfekt organisiert. Da möchte ich mich auch bei Marco Rettich bedanken, der das ganze koordiniert und organisiert hat. Auch vom gesamten Team der Unfallchirurgie wurde ich super aufgenommen. In meiner zweiten Woche hier gab es sogar einen Skitag der chirurgischen Klinik, zu dem ich herzlich eingeladen wurde. Wir waren im Skigebiet Hochwang und es gab ein Skirennen mit professioneller Zeitmessung.

Haben Sie gewonnen?
Heinecke: Ich wurde Zwölfter von 50. Also gar nicht so schlecht. Ich lag knapp hinter Dr. Sommer.

Absichtlich?
Heinecke: (lacht) Natürlich.


* Die Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen“ – oder AO-Foundation – widmet sich der Forschung, Entwicklung und Lehre im Bereich der Traumatologie (Unfallchirurgie) und hat Forschungszentren in Davos und Dübendorf.


Erfahrungsbericht von Markus Heinecke auf der AOTrauma-Seite: aotrauma.aofoundation.org

Weitere Informationen zur Unfallchirurgie finden Sie unter www.ksgr.ch/Unfallchirurgie.

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Ansprechpartner

Dr. med. 
Christoph Sommer

Chefarzt Unfallchirurgie / Allgemeinchirurgie, Leiter Unfallchirurgie

Tel.+41 81 256 62 05

Fax.+41 81 256 66 94

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