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Aus dem Spital
21.  Feb 2019

Ein Monat im Schnee

Sieben Stunden Zeitverschiebung, 31 Grad Celsius, 1.767 Millionen Einwohner – die Unterschiede zwischen Chur und Kuala Lumpur sind riesig. Dennoch oder gerade deshalb hat sich der malaysische Hals-Nasen-Ohren-Spezialist (HNO-Spezialist) Dr. med. Yew Toong Liew für einen Aufenthalt am Kantonsspital Graubünden (KSGR) entschieden. Er verbrachte Anfang Jahr einen Monat in Chur, um zu erleben, wie Medizin im HNO-Bereich am anderen Ende der Welt praktiziert wird. Was er während seiner Zeit am KSGR erlebt hat, erzählte er uns im Interview.

Sie kommen aus Kuala Lumpur, der Hauptstadt von Malaysia, was machen Sie dort?
Ich habe vor drei Jahren mein Facharztausbildung abgeschlossen. Momentan arbeite ich am Universitätsspital Malaya in Kuala Lumpur. Das ist das grösste Universitätsspital des Landes und bildet Ärzte in verschiedenen medizinischen Fachrichtungen aus, darunter auch im HNO-Bereich.

Wie gefällt es Ihnen hier am KSGR?
Es gefällt mir sehr gut. Ich bin beeindruckt von der Organisation des Spitals, der Station und der Operationssäle. Zudem ist es spannend zu sehen, wie die Chirurgen hier arbeiten.
Alle sind sehr freundlich und helfen mir dabei, das System zu verstehen und die Sprachbarriere zu überbrücken. Zwar habe ich einige wenige Worte Deutsch gelernt, aber für den Arbeitsalltag reichen diese natürlich nicht.

Wo sehen Sie Unterschiede zum Spital in Kuala Lumpur? In welchen Bereichen können Sie vom KSGR lernen?
Wie bereits erwähnt, ist die Organisation hier fantastisch und das Spital ist sehr gut ausgerüstet. Auf dem Ambulatorium bin ich vor allem davon begeistert, dass es spezialisiertes Pflegepersonal für Patienten mit Kopf- und Halstumoren gibt. Das haben wir in Malaysia nicht. Zudem werden die Patienten auf Station einmal täglich von einem Kaderarzt visitiert und ebenfalls einmal täglich besprechen Ärzte und Pflegepersonal die aktuellen Fälle. So kann eine kontinuierliche Betreuung der Patienten sichergestellt werden. Ich werde versuchen, dieses System auch in meinem Arbeitsumfeld in Malaysia einzuführen.

Inwiefern unterscheiden sich die Fälle und Operationen voneinander?
Die Operationen sind sehr ähnlich, sowohl in Bezug auf die verwendeten Techniken als auch bezüglich Art und Anzahl der Fälle. Selbstverständlich führt jeder Chirurg die Operationen auf seine Art und Weise durch, da kann ich mir natürlich das eine oder andere abschauen.
Der grösste Unterschied im Operationssaal ist die Anästhesie. Viele Operationen werden unter Vollnarkose durchgeführt. Nach der Operation muss gewartet werden, bis der Patient erwacht und der Beatmungsschlauch entfernt werden kann. Die Vollnarkose wird hier am KSGR sehr präzise verabreicht, wodurch die Wartezeit zwischen Operationen verkürzt werden kann. Dies macht die Nutzung der Operationssäle viel effizienter.

Wie sieht ihr Arbeitsalltag am KSGR aus?
Ich nehme an verschiedenen Operationen teil und lerne dabei sehr viel. Die Interaktion mit Patienten gestaltet sich in den meisten Fällen etwas schwierig, da ich kein Deutsch spreche. Es ist aber auffallend, wie freundlich die Patienten hier sind. Von einem so reichen Land hätte ich erwartet, dass die Patienten fordernd und kompliziert sind, aber das ist überhaupt nicht der Fall.

Warum haben Sie das KSGR für Ihren Auslandsaufenthalt gewählt?
Es ist vielleicht nicht die offensichtlichste Wahl, da es berühmtere Spitäler in grösseren Städten gibt, aber es besteht eine gute Beziehung zwischen meiner HNO-Abteilung in Kuala Lumpur und der HNO-Abteilung am KSGR. Dies hat mir die Möglichkeit eröffnet, in die Schweiz zu kommen. Zudem kannte ich PD Dr. med. Yves Brand, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Klinik am KSGR, noch aus meiner Facharztausbildung, als er für einen Teil seiner Ausbildung in Malaysia war. Er macht einen grossartigen Job hier am KSGR und arbeitet hart daran, seine Abteilung voran zu bringen. Er ist zudem ein hervorragender Chirurg, der den Patienten durch seine Arbeit einen grossen Dienst erweist. Zusätzlich nimmt er sich trotz vollem Terminkalender sehr viel Zeit für die Ausbildung seiner Assistenzärzte. Er ist auch ein toller Gastgeber, der mich sogar zu einem leckeren Abendessen bei seiner Familie eingeladen hat. Es ist schön jemanden zu kennen, wenn man für einen Monat in ein fremdes Land reist.

War das Ihr erster Aufenthalt in der Schweiz?
Ja, ich war vorher noch nie in der Schweiz. Bei meiner ersten Europareise habe ich nur Deutschland, England, Italien und die Niederlande besucht. Auch ein Grund dafür, weshalb ich mir die Chance, diesen Aufenthalt zu machen, nicht entgehen lassen wollte.

Und, hat sich die weite Reise geloht? Gefällt es Ihnen in der Schweiz?
Auf jeden Fall. Chur ist eine wunderschöne Stadt und der viele Schnee ist definitiv auch ein Highlight. Ich habe bisher nur einmal Schnee gesehen, in Korea, und auch da war es auch nicht so viel. An manchen Tagen fand ich es schwierig, zurück in meine Unterkunft zu kommen (lacht).

Haben Sie noch andere Orte in der Schweiz besucht?
Ja, ich habe an den Wochenenden Ausflüge nach Luzern, St. Moritz und Arosa gemacht. Letztes Wochenende war ich in St. Moritz. Es war ein sehr sonniger Tag, aber trotzdem eiskalt. Ich habe mich daher einen bedeutenden Teil des Tages in warmen Cafés versteckt. Dennoch habe ich einige schöne Fotos machen können, um an meine Familie zu senden. In wenigen Tagen fliege ich bereits wieder zurück. Ich werde die Zeit hier vermissen, aber muss zugeben, dass ich mich auf das Essen in Malaysia freue. Ich bin kein grosser Käse-Fan (lacht).

Weitere Informationen zur Hals-Nasen-Ohren-Klinik finden Sie unter www.ksgr.ch/hno.

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Ansprechpartner

PD Dr. med. 
Yves Brand

Chefarzt, Facharzt FMH für Otorhinolaryngologie, Schwerpunkttitel FMH für Hals- und Gesichtschirurgie

Tel.+41 81 256 66 05

Fax.+41 81 256 65 89

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