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Aus dem Spital
27.  Nov 2019

Der Einbezug von Angehörigen in den Austrittsprozess – eine pflegewissenschaftliche Untersuchung am KSGR

Im Spital werden Patientinnen und Patienten behandelt — soweit keine Überraschung. Im Genesungsprozess spielen aber auch Angehörige eine wichtige Rolle. Sei dies als Unterstützung, als Betreuungsperson oder gar als Entscheidungsträger. Der Rolle der Angehörigen und deren Einbezug in den Spitalalltag des Kantonsspitals Graubünden (KSGR) wurde im Rahmen der Masterarbeit von Ursina Gujan, Pflegeexpertin am KSGR, besondere Beachtung zu Teil. Die Resultate fanden ein internationales Publikum an der 14. International Family Nursing Conference im August 2019 in Washington DC, USA.

Ursina Gujan an der Family Nursing Conference

Ursina Gujan (rechts) an der Family Nursing Conference in Washington DC, USA.

Zum Abschluss ihres Masterstudiums in Pflege (MScN) an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) beschäftigte sich Ursina Gujan in ihrer Masterarbeit mit einem Thema aus der familienzentrierten Pflege. Die Masterarbeit erforderte die wissenschaftliche Untersuchung einer Fragestellung aus der Pflegepraxis sowie die entsprechende Datenerhebung und -auswertung. Aufgrund der langjährigen Tätigkeit von Ursina Gujan am KSGR entstand die Idee, die Abschlussarbeit in Zusammenarbeit mit der medizinischen Klinik des KSGR durchzuführen.

Die Arbeit
Das zu erforschende Thema war der Einbezug von Angehörigen in den Austrittsprozess auf der medizinischen Klinik bei über 65-jährigen Patientinnen und Patienten. Ein Team aus insgesamt vier MScN-Studierenden hat Daten bei Patienten, Angehörigen und dem Pflegepersonal erhoben. Dabei hat sich Gujan auf die Perspektive der Pflegenden fokussiert. Durch Fokusgruppeninterviews wurden die Herausforderungen und Erfahrungen beim Einbezug von Angehörigen in den Austrittsprozess eruiert. «Es war interessant, ein Thema aus meinem Arbeitsalltag aus einer wissenschaftlichen Perspektive zu untersuchen und zu sehen, inwiefern sich mein persönliches Empfinden mit den empirischen Resultaten deckt», beschreibt Gujan ihre Motivation für die Arbeit.

Family Nursing Conference in den USA

Viel Potenzial in der familienzentrierten Pflege
Die Masterarbeit hat gezeigt: je besser sich Patientinnen und Angehörige auf die Zeit nach dem Spitalaufenthalt vorbereitet fühlten, umso einfacher liess sich der Alltag zu Hause meistern und umso zufriedener waren sie mit ihrem Aufenthalt am KSGR — ein klarer Hinweis auf den Mehrwert des Einbezugs der Angehörigen und der entsprechenden Vorbereitung als Teil des Austrittprozesses. Vonseiten der Pflegenden haben sich verschiedene Herausforderungen herauskristallisiert: der Zeitdruck bei der Arbeit, veränderte Familienbilder und Konflikte unter den Angehörigen. Um mit Krankheiten zu Hause umgehen zu können, gibt es oft neue Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Therapie zu lernen. Besonders bei älteren Patienten kann eine neue Behandlung nach Austritt eine zusätzliche Schwierigkeit darstellen. Ausserdem waren die Aufgaben im Austrittsprozess zwischen den beteiligten Berufsgruppen (z.B. Pflege, Sozialdienst, Ärzte) nicht immer klar definiert, was die Koordination erschwerte. Es zeigte sich, dass die persönliche Einstellung und personen- und familienzentrierte Haltung der Pflegenden gegenüber dem Einbezug der Familie eine grosse Rolle in der Austrittsplanung spielt.

Family Nursing Conference in den USA

Nicht (nur) fürs Bücherregal
Noch während dem Verfassen der Arbeit machte die begleitende Dozentin den Vorschlag, die Resultate bei der International Family Nursing Conference, einer Konferenz, die alle zwei Jahre stattfindet und sich der familienzentrierten Pflege widmet, einzureichen. Prompt folgte die Einladung zur Konferenz und die Möglichkeit, die Arbeit im Rahmen eines 15-minütigen Referats vorzustellen. Zusammen mit einer Delegation der ZHAW reisten die Absolventinnen im August dann für eine Woche nach Washington DC. «Es war sehr spannend einen Einblick in die Welt der Pflegeforschung zu gewinnen», beschreibt Ursina Gujan ihre Erlebnisse.

Zusammengehörigkeit und Selbstbewusstsein
Vertreten an der Konferenz waren Pflegefachpersonen aus der ganzen Welt, die sich in der Praxis und in der Forschung mit Themen der familienzentrierten Pflege beschäftigen. Während die Herausforderungen an den Beruf je nach Land, Bevölkerungsstruktur und Gesundheitssystem stark variieren können, konnte man doch ein Zusammengehörigkeitsgefühl und die gleiche Geisteshaltung unter den Teilnehmenden feststellen — ein unvergessliches Erlebnis wie Ursina Gujan betont. «Ebenfalls eindrücklich zu sehen war, wie sich das Selbstverständnis des Pflegeberufs in der eigenen Berufsgruppe unterscheidet. So ist beispielsweise in den USA das Selbstbewusstsein für die eigene Profession viel grösser als hierzulande. Die Entwicklung weg von der eigenen sowie auch gesellschaftlichen Wahrnehmung eines Hilfsberufs hin zu einem Verständnis einer eigenständigen Pflegeprofession, die wichtige Arbeit verrichtet und Expertenwissen verlangt, ist in der Schweiz noch nicht so weit fortgeschritten.»

Zurück am KSGR
Begeisternde Vorträge von Expertinnen, von denen man im Studium Artikel und Bücher liest, beschreibt Ursina Gujan als Inspiration dafür, wie sie das Thema familienzentrierte Pflege am KSGR weiterentwickeln und etablieren könnte. «Eine Studie hat gezeigt, wie gross der Einfluss der Ausbildung auf die Umsetzung von familienzentrierter Pflege ist», erzählt sie von einem Vortrag an der Konferenz. Sie arbeitet derzeit an der Veröffentlichung ihrer Masterarbeit, die vertieften Einblick gibt und die Erkenntnisse zugänglich macht. Die familienzentrierte Pflege wurde kürzlich auch bei einem Fachtag der Pflege am KSGR beleuchtet — ein Schritt, um das Potenzial des Themas in Chur weiter auszuschöpfen.

Weitere Informationen zur Pflege am KSGR finden Sie unter www.ksgr.ch/leitung-gesamtpflegedienst.

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Nicole Schumacher
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