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Aus dem Spital
18.  Okt 2018

Strahlung in der Medizin – der Schutz vor Strahlen im KSGR

Wir alle sind tagtäglich einer gewissen Dosis radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Die Strahlung ist so alt wie das Universum. Licht und Wärme als Resultat nuklearer Reaktionen auf der Sonne sorgen dafür, dass auf unserer Erde Leben existieren kann. Radioaktive Strahlung kommt überall auf der Welt vor – ja sogar unsere Körper strahlen radioaktiv. Im Kantonsspital Graubünden (KSGR) tragen Mitarbeitende, die im Beruf mit Strahlung zu tun haben – beispielsweise beim Röntgen, Nuklearmedizin und Radio-Onkologie – ein Dosimeter, um sicherzustellen, dass sie keinen zu hohen Strahlendosen ausgesetzt werden.

Strahlung ist darum für den Menschen potentiell gefährlich, weil beim Auftreffen der energiereichen Strahlung auf den Menschen das Erbgut des menschlichen Gewebes verändert werden kann. Dies kann zu Krebserkrankungen führen oder – bei höheren Dosen – zum Absterben von Geweben.

Durchschnittlich 2.8 Millisievert pro Jahr

Die Strahlendosis wird meist in Sievert angegeben. Diese Einheit ist ein Mass für die biologischen Wirkungen der Strahlung auf Menschen. Da ein Sievert eine sehr hohe Dosis ist, werden die Strahlendosen üblicherweise in Millisievert angegeben: 1 Sievert (Sv) entspricht 1‘000 Millisievert (mSv). Die durchschnittliche jährliche Strahlendosis, der ein Mensch ausgesetzt ist, beläuft sich auf 2.8 Millisievert. Der grösste Teil der Strahlung stammt von natürlichen Quellen auf der Erde oder aus dem Weltraum, 14% aus der Medizin, beispielsweise in Form von Röntgenstrahlen.

Welche Arten von Strahlenschäden gibt es?

Arzt hält eine Röntgenaufnahme in der Hand

Starke Strahlung bei Röntgenaufnahmen

Es wird unterschieden zwischen deterministischen und stochastischen Strahlenschäden. Mit dem ersten sind Schäden gemeint, die Betroffene unmittelbar – innerhalb von drei Monaten – nach einer hohen (über 500 Millisievert) Strahlenexposition zeigen, wenn viele Zellen eines Gewebes oder sogar ganze Organe geschädigt worden sind. Sichtbare Folgen können Übelkeit, verbrennungsartige Hautrötungen, Schwindel und Haarausfall sein.

Stochastische Strahlenschäden wie Krebs- oder Erberkrankungen entstehen – wenn überhaupt – Jahre oder Jahrzehnte nach geringer Strahlenexposition. Im Einzelfall kann jedoch nie festgestellt werden ob eine Krebserkrankung von einer früheren Strahlenexposition verursacht wurde oder von einer anderen Ursache herrührt. Solche Zusammenhänge lassen sich nur mit statistischen Methoden an grossen Gruppen von Strahlenexponierten herstellen. Dennoch werden Grenzwerte festgelegt, die die Wahrscheinlichkeit von Strahlenschäden in der Bevölkerung und bei Personen, die beruflich mit Radioaktivität zu tun haben, begrenzen. Die Grenzwerte dienen nicht als Trennlinie zwischen gefährlicher und ungefährlicher Strahlenexposition. Die Überschreitung eines Grenzwertes bedeutet vielmehr, dass die Wahrscheinlichkeit für gesundheitliche Folgen über einem akzeptablen Wert liegt.

Strahlung in der Medizin

In der Medizin wird Strahlung an verschiedenen Orten und Bereichen eingesetzt. So zum Beispiel beim Röntgen, in der Strahlentherapie bei Krebspatienten oder in der Nuklearmedizin. Wichtig ist, dass das medizinische Personal, das beruflich regelmässig mit Strahlung zu tun hat, bestmöglich geschützt ist.

Strahlenschutz für medizinisches Personal

Jeder der schon einmal geröntgt wurde, hat eine Bleischürze erhalten und sicherlich bemerkt, dass das Personal den Raum verlässt, wenn die Röntgenaufnahme gemacht wird. Auch hier geht es um die Dosis. Das einmalige Röntgen ist für den Patienten unbedenklich. Das Personal, das tagtäglich mehrere Röntgenaufnahmen machen muss, wäre jedoch einer insgesamt zu hohen Strahlendosis ausgesetzt, wenn es nicht jedes Mal den Raum verlassen und sich damit vor der Strahlung schützen würde. Die drei wichtigsten Regeln des Strahlenschutzes lauten: Aufenthalt so kurz wie möglich, Abstand so weit weg wie möglich und Abschirmung durch hochdichtes Material. So sind auch die Wände aller Räume in denen strahlende Geräte stehen mit speziellen strahlenabsorbierenden Materialien abgeschirmt.

Messung der Strahlung durch Dosimeter

Strahlung kann man nicht spüren, schmecken oder riechen. Entsprechend ist es für die menschlichen Sinne nicht möglich, eine Strahlendosis auszumachen oder festzustellen, wenn die Dosis zu hoch ist. Diese Wahrnehmung übernimmt ein Dosimeter. Das ist ein Gerät, mit dem Strahlung gemessen werden kann. Alle Mitarbeitenden des KSGR, die beruflich mit Strahlung zu tun haben, tragen ein Dosimeter. Das Dosimeter ist persönlich angeschrieben, wird einen Kalendermonat lang getragen und hat für jeden Monat eine andere Farbe. Es geht darum, genau bestimmen zu können, wie gut die Strahlenschutzmassnahmen für die Mitarbeitenden des KSGR funktionieren. Daher ist es auch wichtig, dass jeder Mitarbeitende sein Dosimeter trägt und es nicht einfach in der Büroschublade versorgt.

Es gibt unterschiedliche Arten und Formen von Dosimetern. Die einen Geräte werden regelmässig – einmal pro Monat – eingesammelt und ausgewertet. Man sieht daran, wie viel Strahlung die Person ausgesetzt war, die das Dosimeter getragen hat. Andere Geräte schlagen Alarm, wenn ein bestimmter Grenzwert an Strahlung überschritten wird. Dosimeter werden am Körper getragen. Sie sollen an dem Bereich des Körpers getragen werden, an dem mit der höchsten Strahlendosis zu rechnen ist. Daher gibt es beispielsweise auch Fingerring-Dosimeter.

Zentrale eidgenössische Kontrollstelle

Ausgewertet werden alle Dosimeter von der Personendosimeterstelle. Die ermittelten Dosen werden dem KSGR als Auftraggeber, dem Zentralen Dosisregister (ZDR) beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) sowie in dessen Aufsichtsbereich dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI gemeldet.

(Eigen-)Verantwortung im KSGR

Wie einleitend bereits geschrieben wurde. Strahlung finden wir tagtäglich und in allen Bereichen unseres Lebens. Manche Menschen haben beruflich mehr Kontakt mit radioaktiver Strahlung. Wichtig ist, dass die Gesamtdosis so gering wie möglich ist. Dafür sorgt das KSGR und misst die Strahlenbelastung seiner Mitarbeitenden, sorgt für Schutzmaterial, schult sein Personal regelmässig und überprüft die Einhaltung der Strahlenschutzregeln durch regelmässige klinische Audits. Eine verantwortungsvolle Arbeit – von Spital und Mitarbeitenden.


Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter www.ksgr.ch/radio-onkologie.

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Dr. Vasiliki Vlachopoulou
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