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Aus dem Spital
29.  Aug 2017

Dolmetscher im Kantonsspital Graubünden

Gemäss dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie gibt es weltweit zwischen 6‘500 und 7‘000 verschiedene Sprachen. Auf ganz so viele unterschiedliche Sprachen trifft man im Kantonsspital Graubünden (KSGR) natürlich nicht. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass im KSGR Patienten behandelt werden, die kein Deutsch sprechen. Wenn es um die Behandlung von Krankheiten oder Notfällen geht, ist eine klare Verständigung zwischen Patient, Arzt und Pflegekraft enorm wichtig. Der Dialog ist ein nicht unwesentlicher Teil des Behandlungsprozesses. Deshalb arbeitet das KSGR mit verschiedenen Dolmetscher-Angeboten.

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Das KSGR arbeitet mit verschiedenen Dolmetscher-Angeboten

Bei gut planbaren Gesprächen wird der professionelle Dolmetscherdienst Verdi genutzt. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Das Angebot wird immer öfter genutzt, wie Ornella Luminati, Fachverantwortliche Transkulturelle Kompetenz, im KSGR erklärt: «2014 und 2015 waren die Dolmetschereinsätze etwa gleich hoch. 2016 wurden vermehrt Verdi-Dolmetscher eingesetzt: Die fast 400 Einsätze entsprechen etwa 520 Stunden. Das entspricht einer Steigerung von rund 70 %.»

Wenn es schnell gehen muss

Dringliche Dolmetscher-Aufträge, die nur schlecht planbar sind, können mittels Telefondolmetscherdienst erledigt werden. Diese Dienstleistung wird von AOZ Medios, einer Vermittlungsstelle für interkulturelles Dolmetschen, übernommen. Der Telefondolmetscherdienst wurde im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit geschaffen.

Dolmetscher aus den eigenen Reihen

Weiter gibt es im KSGR seit November 2015 eine Gruppe von Ad-Hoc-Dolmetschenden. Dabei handelt es sich um Mitarbeitende des KSGR, die über die nötigen Sprachkenntnisse verfügen. Sie werden zusätzlich im Dolmetschen geschult und legen eine entsprechende Prüfung ab. Damit wird die Qualität der Übersetzungen gewährleistet. Heute gibt es im KSGR 20 Ad-Hoc-Dolmetschende in folgenden Sprachen: Albanisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Englisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch und Tamilisch.

Dankbarkeit sorgt für zusätzliche Motivation

Diagramm Sprachen im KSGR

Dolmetscheraufträge nach Sprachen im Jahre 2016

Die Ad-Hoc-Dolmetschenden werden in Notfallsituationen eingesetzt, bei denen der Telefondolmetscherdienst sich nicht eignet oder bei nicht planbaren kurzen Gesprächen, bei denen der Einsatz von professionellen Dolmetschenden nicht möglich ist. Sie kommen bei schlecht planbaren Gesprächen mit geringer Emotionalität und ohne mögliche rechtliche Folgen zum Zug. Für die Mitarbeitenden ist der Einsatz als Dolmetscher spannend und sinnvoll. Eine interne Befragung hat ergeben, dass die Erfahrungen der Dolmetschenden durchwegs positiv sind. Die Dankbarkeit der Patienten wurde in diesem Zusammenhang mehrfach als besonders motivierender Faktor erwähnt. Die Ad-Hoc-Dolmetschenden nehmen diese Aufgabe während ihrer normalen Arbeitszeit wahr und werden nicht separat dafür bezahlt. Das bedingt ein hohes Mass an Flexibilität seitens der Mitarbeitenden, aber auch derer Vorgesetzten.

Transkulturelle Kompetenz seit 2007

Das Konzept transkulturelle Kompetenz im KSGR wurde 2007 entwickelt, um eine qualitativ hochstehende Versorgung aller Patientinnen und Patienten des KSGR sicherstellen zu können. Alle Patientinnen und Patienten sollen die gleiche Chance auf Gesundheit haben, egal was für eine Herkunft, Nationalität, Sprache und Religion sie haben. Um das Konzept bekannter zu machen und das Personal für die Thematik zu sensibilisieren, finden jährlich Fortbildungen und Vorträge statt. So werden auch immer wieder neue Ad-Hoc-Dolmetschende gefunden.

Ob es irgendwann dafür reichen wird, die 6‘500 bis 7‘000 Sprachen dieser Welt abzudecken, bleibt abzuwarten. Schon heute zeigt sich aber, dass sich das KSGR und vor allem auch seine Mitarbeitenden stark engagieren, um allen Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen.

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Ornella Luminati
Ansprechpartner

Ornella Luminati

Verantwortliche Transkulturelle Kompetenz

Tel.+41 81 255 20 87

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