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Gesundheit
15.  Mrz 2018

Die Liebe zum Leben entdeckt

Karolina Tydda und ihre Familie

Karolina Tydda ist 37 Jahre jung. Eine attraktive, herzliche und aufgestellte Frau. Aufgewachsen in Berlin, ist sie vor zwölf Jahren nach Chur gekommen. «Geplant waren drei Monate» sagt sie. Heute lebt sie mit ihrem Mann in Chur und ist Mutter von zwei wundervollen Kindern. Im Januar vor zwei Jahren wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Ein einschneidendes Ereignis, das bis heute nachwirkt. Sie bezeichnet es als «Geschenk, auch wenn es eine schmerzhafte Erfahrung war». Hört man Karo zu, überwiegen die positiven Aspekte. Sie ist eine lebensbejahende, positiv nachdenkliche Person, die das Heute geniesst und Freuden nicht auf morgen verschiebt.

Nach den Feiertagen 2016 auf der Rückreise von Deutschland verspürte Karo einen leichten Druck im rechten Oberkörper. «Zunächst habe ich mir gedacht, das könne auch an den engen Festtagskleidern oder dem vielen Essen über die Feiertage liegen.» Ihr Mann hat sie dann dazu überredet, das im Kantonsspital Graubünden untersuchen zu lassen. Gleich am nächsten Tag hatte Karo bereits einen Termin im Fontana. Das war ein Dienstag. «Schon am nächsten Tag hatte ich die Diagnose Brustkrebs.»

Diagnose: Brustkrebs

Im ersten Moment fühle man sich wie in einem Film. «Die Möglichkeit einer Brustkrebsdiagnose war mir natürlich bewusst – aber gefühlt unendlich weit weg.» Man denkt sich immer «Das betrifft doch andere, aber sicher nicht mich». Als ihr der Arzt dann eröffnete, dass es Krebs sei, rauschte das Ganze wie ein Film an ihr vorbei. «Plötzlich ist man eine dieser Anderen». Am Abend fand bei Karo zuhause ein Familienfest statt. Die Stimmung war sehr gedrückt.

Einer der wichtigsten Tage in Karos Leben

«Es liefen natürlich Tränen und ich befand mich wie in einer Schockstarre.» Nach der Diagnose stand noch ein PET-CT an, um festzustellen, ob der Krebs Metastasen gebildet hatte. Zwischen der Diagnose und dem CT hatte Karo einen Tag frei. «Das Erste was man macht ist googeln. Eine ganz schlechte Idee.» Als nächstes fragt man sich «Was ist, wenn ich durch das CT erfahre, dass ich nicht mehr lange zu leben habe?» Karo ist an dem freien Tag mit ihrer Familie in die Berge gefahren, um Luft zu schnappen. «Das war ein ganz ganz wichtiger Tag für mein Leben.» In den 24 Stunden hat Karo ganz bewusst ihr Leben Revue passieren lassen und sich selbst gefragt: «Was habe ich bis jetzt mit meiner Lebenszeit angefangen?» Alle Jobs die sie hatte, die Karriere, die sie sich vorgestellt und geplant hatte, der Stress, den sie dafür in Kauf genommen hatte. «Das war alles plötzlich nichts mehr wert.»

Studium – Schwangerschaft – Karriere

«Ich war eine Karrierefrau». Karo hat in Deutschland Public Relations und Marketing studiert, kam in die Schweiz und hat hier ihr Diplom gemacht. Danach hat sie in Liechtenstein Betriebswirtschaftslehre studiert. Zur selben Zeit wurde sie schwanger. «Dadurch hat sich mein Studium ein wenig in die Länge gezogen. Wir haben das Ganze aber recht gut getimt und so habe ich mein Studium mit zwei Kindern abgeschlossen.» Nach dem Studium wollte sie dann unbedingt ihre Karriere starten und hat permanent gearbeitet.

«Was bleibt meinen Kindern von mir in Erinnerung?»

An diesem einen Tag in den Bündner Bergen hat sie die Zeit mit ihrer Familie seit langem wieder ganz bewusst genossen und sich gefragt: «Was bleibt meinen Kindern von mir in Erinnerung, wenn ich nicht mehr lange zu leben habe?» Karo hatte sich ständig die schönen Momente für später aufgespart, wenn sie dann Zeit dafür habe. Eine Lebenseinstellung, die sie so nicht weiterverfolgen wollte. «Mir wurde bewusst, dass es nur das Heute gibt. Wenn du das Heute am bestmöglichen lebst, wird jedes Gestern zu einer schönen Erinnerung und jedes Morgen zu einer wundervollen Hoffnung».

Karo ging am nächsten Tag zu der Untersuchung im KSGR und hatte entschieden, dass ab sofort jeder neue Tag der Wichtigste für sie werde. Nach dem CT war klar, dass sich keine Metastasen gebildet hatten und der Krebs behandelbar war. Ihr Versprechen an sich selbst hat Karo eingehalten: «Wenn ich heute mit meinen Kids am Tisch sitze, schaue ich nicht mehr nebenher aufs Handy. Wenn ich im Fürstenwald spazieren gehe, bin ich ganz bewusst dort und geniesse die Natur.»

Gesund werden

«Ich joggte jeweils zur Chemotherapie, las viel und ging oft im Fürstenwald spazieren und habe mich nicht runterziehen lassen.» Gelegenheiten dazu hätte es genügend gegeben. Nicht alle Therapien hat sie gut vertragen. Zwei, drei Mal musste sie notfallmässig ins Kantonsspital, weil ihr Immunsystem nicht mehr mitmachte. Sie hat sich bewusst dazu entschieden, sich eine Brust abnehmen zu lassen. «Ich war nie ein Mensch, der sich über Äusserlichkeiten definiert hat. Es war mir wichtiger, gesund zu werden.»

Projektidee im Fürstenwald

Nach den Therapien fragte sich Karo: «So… und was ist jetzt?» Sie ging weiterhin viel spazieren. Auf diesen Streifzügen durch den Fürstenwald entfalteten sich dann die ersten Ideen und Gedanken für ihr heutiges Berufsleben. Karo hat eine Naturkosmetiklinie lanciert, die von der Herstellung über die Verpackung bis hin zum Vertrieb nachhaltig aufgebaut ist. «Ich habe jahrelang die Ideen, Visionen und Einfälle anderer geplant und umgesetzt. Heute mache ich etwas, wovon ich aus tiefstem Herzen überzeugt bin und was viele Menschen berührt.»

«Die Erkrankung war für mich ein Geschenk. Ich wäre wohl noch lange stets nach vorne geprescht und hätte mich weiter Dogmen und Vorstellungen davon, wie man zu sein hat, unterworfen.» Mit der Diagnose sei der Moment gekommen umzudenken. Die ureigenen Bedürfnisse und Wünsche zu respektieren und sie zu verfolgen. «Ich hatte viele Entscheidungen in meinem Leben aus Angst vor Ungemach oder Widerstand getroffen. Heute entscheide ich mich in Vertrauen und Einklang mit mir selbst.»

Das tanzende Blatt

Während einem dieser Spaziergänge im Fürstenwald bemerkte Karo im Augenwinkel etwas, das im Licht tanzte. Erst dachte sie es sei ein Schmetterling. Bei genauerem Hinsehen stellte es sich aber als einzelnes Blatt heraus, das durch die Natur schwebte und nie den Boden berührte. Rund 50 Minuten lang beobachtete Karo das Blatt beim Tanz durch die Luft. «Da es das einzige Blatt war das schwebte, obwohl Windstille herrschte, hatte ich das Gefühl, eine unsichtbare Macht halte das Blatt in der Luft. Es war wunderschön – einfach magisch.» Für Karo war das Blatt Symbol für alles was in Zukunft noch auf sie wartet. «Was auch immer es war, es hat mir wieder absolutes Vertrauen in das Leben und seine Schöpfung geschenkt.». Heute hängt das kleine Blatt in einem Bilderrahmen und erinnert Karo daran, dass man keine Angst zu haben braucht, egal was geschieht.


Leben im Heute

Die knüppelharte Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit hat Karo Tydda dazu gebracht, mehr auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, im Heute zu leben und das Heute vor Allem zu geniessen. «Ich glaube nicht, dass es unbedingt einen Schicksalsschlag braucht, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen.» Man müsse sich lediglich bewusst werden, dass wir alle nur für eine gewisse Zeit auf dieser Welt leben: «Geniessen wir diese Zeit, lieben wir unser Leben und die Menschen, die uns wichtig sind. Lernen wir die kleinen Glücksmomente zu erkennen und zu schätzen, wenn sie uns über den Weg laufen.» Eine Lebenseinstellung, die zu verfolgen es sich lohnt – für jeden von uns.


Weitere Infos zum Thema Brustkrebs finden Sie unter www.ksgr.ch/brustzentrum.

1 Kommentar
15.  Mrz 2018

Roger

Ich bin überwältigt von der Stärke von Frau Tydda.. die Diagnose Krebs, egal um welchen es sich handelt, ist immer ein Hammer.. wie Karo Tydda damit umgegangen ist, zeut von Stärke, Mut und Glauben.. und die Kraft, die einem die Familie geben kann.. ich wünsche Frau Tydda gesundheitlich alles gute, viel Erfolg für ihr Projekt und viele schöne Jahre im Kreis ihrer Famile.. mit grossem Respekt und einem lieben Gruss.. Roger Plattner

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Dr. med. 
Peter Martin Fehr

Chefarzt Gynäkologie und Departementsleiter Frauenklinik, Mitglied der Geschäftsleitung KSGR

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