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Aus dem Spital
20.  Feb 2020

Die Wächter des KSGR-Uhrwerks

Es sind unzählige Zahnräder, die im Kantonsspital Graubünden (KSGR) ineinandergreifen. Dreht sich eines nicht so, wie es sollte, hat das Einfluss auf das gesamte System KSGR. Mit der Eröffnung von H1 wird das technische System des KSGR um rund ein Drittel wachsen. Daniel Florin, Abteilungsleiter Elektro und Mechanik, und sein Team behalten das stetig wachsende Technik-System im Auge, warten und unterhalten es.

Daniel Florin arbeitet seit 2014 am KSGR und ist seither in die Planung des Neubaus und des Umzugs involviert. Nebst der reinen Menge an Anlagen wird sich auch die Technologie verändern: «Es wird ein riesiger Technologiesprung. Die wichtigen Kernanlagen stehen im Moment in jenem Bereich des Hauses A, der nach der Eröffnung von H1 abgebrochen wird.», wie Florin erklärt. Heute könne man bei gewissen Anlagen nicht mehr von einer Lebensdauer von 20 Jahren ausgehen, wie es früher das Fall gewesen sei. Die Technologien seien komplexer geworden und würden auch immer schneller überholt.

Das H1 vor dem Black-Out-Test

Es ist ein komplexes System, das sich hinter den Mauern des KSGR verbirgt.

Das Rohrpostsystem im Innern des KSGR
Ein Beispiel ist die Rohrpost: Sie ist ein besonders wichtiges Zahnrad im KSGR, wenn es zum Beispiel darum geht, Proben rasch ins Labor zu schicken. Das alte System musste erweitert und auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden. «Wir waren Testpartner und konnten damit zur Verbesserung der neuen Rohrpost beitragen.» Das heisse aber auch, dass man im Betrieb alle Kinderkrankheiten des Systems mitbekommen habe. Nun steht das System und ist weit mehr, als einfach ein Rohrsystem, dass sich über das gesamte KSGR verteilt: «Heute können wir in der Rohrpost zum Beispiel genau nachverfolgen, wo sich die jeweiligen Transportbüchsen befinden», ergänzt Florin.

Energieversorgung und Netzersatzanlage
Ein hochtechnologisiertes Spital kann ohne Strom nicht funktionieren. Der Strom ist die Unruh, die das Uhrwerk Spital antreibt. Entsprechend muss das Stromsystem sicher sein. Sollte der Strom dennoch einmal ausfallen, muss sich das Spital autonom versorgen können. Bisher waren die Steuerung und das Kernsystem der Netzersatzanlage, die einspringt, wenn der Strom ausfallen sollte, unter anderem im Gebäude A beheimatet. Die Netzersatzanlage war bereits in die Jahre gekommen und hätte saniert werden müssen. Anstatt in die Sanierung zu investieren habe man früher als geplant die ersten Installationen beschafft, die für H1 sowieso nötig gewesen wären. Gleichzeitig wurde für die Versorgungssicherheit ein Energieverbund der drei Standorte Fontana, Kreuzspital und Hauptstandort realisiert. Mit der Integration der zusätzlichen Anlage im Neubau H1 steigt die Zahl der Anlagen auf vier Stück. Bei einem Stromausfall werden alle Anlagen innert Sekunden gestartet und nach etwa 15 Sekunden in den Verbund integriert. Für alle lebenserhaltenden Systeme und wichtige Infrastrukturen stehen zudem mehrere Batterieanlagen bereit, die nahezu unterbruchsfrei einspringen. Das System wird regelmässig mit Black-Out-Tests überprüft. Das letzte Mal in der Nacht vom 1.auf den 2. November 2019. Dabei wurde das gesamte Kantonsspital vom öffentlichen Netz getrennt.


Von der Sicherung zum Sicherungsautomaten

Wo Strom gebraucht wird, kommen Sicherungen zum Zug. Das kennt man von zuhause. Klassische Sicherungen sind jedoch ab einer gewissen Menge Strom nicht mehr die richtige Lösung. Die Anlage aus dem Jahr 1999 funktionierte noch mit Sicherungen. «Irgendwann ging das aber nicht mehr und wir mussten mit grossen Sicherungsautomaten, sogenannten Leistungsschaltern, funktionieren», erklärt Florin. Er ergänzt: «Eine Sicherung hält lange, wenn sie einmal eingesetzt ist – solange man sie nicht plagt. Leistungsschalter müssen aber regelmässig gewartet werden. » Hinzu komme, dass Schaltertypen nach sechs Jahren allenfalls gar nicht mehr auf dem Markt verfügbar seien. «Im Prinzip ist das wie beim iPhone. Irgendwann wird ein Modell nicht mehr hergestellt und einige Zeit später gibt es auch keine Updates mehr dafür. Dann muss man sich ein neues beschaffen, wenn man auf dem aktuellen Stand bleiben will», so Florin, «das ist insbesondere im Bereich der Stromversorgung in einem Spital das A und O.»

Daniel Florin

Volle Konzentration: Daniel Florin während des Black-Out-Tests im November 2019.

Techniker und Informatiker
Nebst den Stromanlagen ist die Gebäudeautomation eine grosse Herausforderung für Florin und sein Team. «Man kann sich das Spital eigentlich so vorstellen wie ein Smarthome», sagt Florin Die Gebäudeautomation umfasst die Überwachung und Steuerung unzähliger Systeme. Dazu gehören Licht, Lüftung und Storen, das Parksystem, Aufzugsanlagen und Entsorgungssysteme, aber auch medizinische Gerätschaften wie zum Beispiel Medizinalkühlschränke. Rund 160 Computer überwachen und steuern das „System KSGR“. Mit H1 verdoppeln sich die Alarm- und Datenpunkte auf 100'000 Stück. «Diese Punkte helfen uns, den Betrieb zu sichern und sind unsere Augen und Ohren im Haus.» Ein Betrieb des Spitals ohne die Gebäudeautomation wäre heute nicht mehr möglich. Dadurch verändern sich auch die Ansprüche an das Personal: «Wir sind nicht einfach Elektriker oder Mechaniker – auch wenn viele von uns aus dem technischen Bereich kommen». Ein Mitarbeiter muss heute nicht nur Schaltkreise verstehen, sondern auch eine ausgeprägte Technik-Affinität und ein Verständnis für Software und automatisierte Prozesse haben. Es sind sie, die das Uhrwerk KSGR mit am Laufen halten – auch, wenn das Uhrwerk mit H1 um ein Drittel grösser geworden sein wird.

Die Krux mit den kleinsten Zahnrädchen
Für den Umzug ist grundsätzlich alles bereit. In den kommenden Wochen geht es für Florin und sein Team darum, die Systeme im H1 in Betrieb zu nehmen, die Leute zu schulen, Dokumentationen zu prüfen und zu überarbeiten und die Anlagenkenntnisse aller Mitarbeitenden auszubauen. Ganz fertig ist man damit nie: «Das System entwickelt und verändert sich stetig. Da müssen auch wir flexibel bleiben. Es wird noch nicht jedes kleinste Detail überall zu 100 Prozent funktionieren. Die wichtigen und zentralen Systeme sind aber bereit und wir werden H1 erfolgreich in Betrieb nehmen können.»

Weitere Informationen zur Spitaltechnik finden Sie unter www.ksgr.ch/spitaltechnik

Alles zur Eröffnung von H1 finden Sie unter www.ksgr.ch/eroeffnung

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Daniel Florin
Ansprechpartner

Daniel Florin

Abteilungsleiter Elektro und Mechanik, Spitaltechnik

Tel.+41 81 256 67 51

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