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Gesundheit
28.  Jun 2018

Bluthochdruck - die unterschätzte Gefahr

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit und steigert unbehandelt stark das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Das Kantonsspital Graubünden informierte Anfang Juni in einem öffentlichen Vortrag über die Risiken des erhöhten Blutdrucks und zeigte den Anwesenden auf, wie sie einem zu hohen Blutdruck vorbeugen oder diesen erfolgreich senken können.

Blutdruck messen

Bei einem Patienten wird der Blutdruck gemessen.

Jede vierte erwachsene Person in der Schweiz hat einen erhöhten Blutdruck. Das sind 1.5 Millionen Menschen. Bei den über 60-Jährigen ist sogar bei rund der Hälfte der Blutdruck zu hoch. Bluthochdruck ist heute in den Arztpraxen der Schweiz die am häufigsten gestellte Diagnose. Entsprechend gross ist die Zahl der Betroffenen und ebenso gross war das Interesse an diesem Thema anlässlich des Vortrags im Hörsaal des KSGR in Chur.

Oberer und unterer Blutdruckwert

Zu Beginn seiner Ausführungen erklärte Dr. Uwe Schwarzwälder, stellvertretender leitender Arzt der Abteilung Angiologie des KSGR, welche beiden Werte beim Messen des Bluthochdrucks erfasst werden. Die höhere Zahl beschreibt den oberen (systolischen) Blutdruckwert, der entsteht, wenn das Herz sich zusammenzieht und das Blut in die Hauptschlagader auswirft. Zu diesem Zeitpunkt ist der Blutdruck in den Gefässen am höchsten. Nach dem Auswurf des Blutes aus dem Herzen schliesst sich die Schlagaderklappe und die Spannung in der Schlagaderwand und der Widerstand in den kleineren Gefässen hält den Blutdruck eine Zeitlang weiter aufrecht – in jedem Fall sinkt der Blutdruck aber bis zum nächsten Herzschlag ab. Der untere (diastolische) Blutdruck entspricht dem zwischen den Herzschlägen abgesunkenen Blutdruck direkt vor dem nächsten Herzschlag. Misst man seinen Blutdruck erhält man beide Angaben. Ist auch nur ein Wert davon erhöht, handelt es sich bereits um Bluthochdruck.

Was ist ein guter Wert?

Der optimale Blutdruck liegt unter 120/80 mmHg (1 mmHg = statischer Druck, der von einer Quecksilbersäule von 1 Millimeter Höhe oder einer Wassersäule von 13,16 cm Höhe erzeugt wird). Normaler oder hochnormaler Blutdruck bewegt sich zwischen 120/80 mmHg und 139/89 mmHg. Liegen die Werte darüber, spricht man von Bluthochdruck. In Amerika wurden die Grenzwerte Ende 2017 auf unter 130/80 mmHg gesenkt. Dadurch erhielten über Nacht 35 Millionen US-Bürger die Diagnose Bluthochdruck. Würden diese Grenzwerte auch hierzulande gelten, wären rund 2 Mio. Erwachsene Schweizer von Bluthochdruck betroffen.

Welche Folgen hat Bluthochdruck?

Bluthochdruck ist tückisch. Man kann über Jahre und Jahrzehnte damit leben, ohne etwas zu bemerken. Er belastet jedoch die Gefässe im gesamten Organismus, so dass es mit der Zeit zu massiven Folgen kommt. Die häufigste Komplikation ist der Schlaganfall. Jahrelanger Bluthochdruck kann ebenso zu einem Herzinfarkt führen oder irreparable Schäden an Herz, Nieren oder Augen verursachen.

Eine kurze Geschichte der Blutdruckmessung

Der russische Militärarzt Nikolaj Sergejev Korotkow entwickelte 1905 die Messmethode, mit der auch heute noch der obere und untere Blutdruck gemessen werden. Durch Kompression der Oberarmarterie von aussen mit einer Manschette wird der Blutfluss gestoppt – Ende 19. Jahrhundert mitunter auch mit einem Fahrradschlauch. Danach wird der Druck in der Manschette schrittweise langsam abgelassen und der aktuelle Druck auf dem Manometer abgelesen. Aufgrund der Verwirbelungsgeräusche des Blutes, dem sogenannten Korotkow-Geräusch, das sich mit einem Stethoskop hören lässt, können dann der obere und der untere Blutdruck bestimmt werden.

Wie misst man richtig?

Blutdruckmessgerät digital

Blutdruck messen mit einem digitalen Gerät.

Was früher mit Fahrradschlauch und Stethoskop stattfand, wird heutzutage auch vollautomatisch von kleinen Apparaten erledigt. Jeder kann mit so einem Gerät seinen Blutdruck zuhause messen. Gewisse Punkte sollten dabei beachtet werden: Vor der Messung sollte man sich fünf Minuten entspannt hinsetzen. Danach sollte der Druck an beiden Armen gemessen werden. Massgeblich ist dabei der Arm mit den höheren Messwerten. Das Messgerät sollte auf Herzhöhe angebracht werden. Der Blutdruck sollte zwei- bis dreimal hintereinander gemessen werden. Jeweils mit einer halben Minute Pause dazwischen.

Wichtig ist, dass eigentlich schon ab dem 18. Lebensjahr regelmässig gemessen wird. Die Werte sollten aufgezeichnet werden, damit sie dem Hausarzt bei der nächsten Konsultation vorgelegt werden können. So lässt sich die Entwicklung des Blutdrucks nachvollziehen und man erkennt, welche Massnahmen zur Senkung beigetragen haben und welche nicht.

Welche Massnahmen zur Blutdrucksenkung gibt es?

Es gibt zwei Arten von Bluthochdruck. Nur fünf Prozent der Fälle gründen auf Grunderkrankungen wie Schlafapnoe, Nierenerkrankungen, Anomalien der Gefässe oder hormonellen Erkrankungen. Diese Erkrankungen sollten von auf Bluthochdruck spezialisierten Ärzten abgeklärt und behandelt werden. Bei den restlichen 95 Prozent aller Fälle liegt keine klar definierbare Grunderkrankung vor. Der Bluthochdruck entsteht multifaktoriell aufgrund von Alter, Bewegungsmangel, falscher Ernährung, Übergewicht, Alkohol- oder Tabakkonsum, Stress, erblicher Vorbelastung oder als Nebenwirkung von Genussmitteln und teilweise auch von Medikamenten.

Als Basismassnahmen gegen den hohen Blutdruck empfahl Dr. Schwarzwälder daher:

• gesunde Ernährung (Mehr Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Fisch. Weniger Fleisch, Fertiggerichte und Salz.)
• Gewichtsreduktion
• mehr Bewegung (fünf Tage die Woche 30 Minuten moderat oder drei Tage die Woche mit intensiver Belastung. Kein Bodybuilding.)
• weniger Stress
• Rauchstopp

Die Lebensstiländerung ist die Basis jeder Bluthochdrucktherapie – unabhängig davon, ob Medikamente eingesetzt werden oder nicht. Es gibt Fälle, in denen die Lebensstiländerung alleine zu wenig nützt. In solchen Fällen kann mit den modernen, gut verträglichen Blutdruck-senkenden Medikamenten der Blutdruck eingestellt werden.

Einmal mehr: vorbeugen statt heilen

Die Behandlungsmethoden sorgten gegen Schluss des Vortrags im Hörsaal des KSGR für einige Fragen und Diskussionen. Es wurde über Nebenwirkungen der Medikamente diskutiert aber auch Hausmittelchen und Sonderfälle wurden besprochen.

Es war offensichtlich, dass das Thema viele beschäftigt. Als Fazit zeigte sich einmal mehr, dass Vorbeugen besser als Heilen ist.

Jeder sollte regelmässig einmal seinen Blutdruck messen und mit einem gesunden Lebensstil kann Mann wie Frau das individuelle Bluthochdruck-Risiko deutlich positiv beeinflussen.


Weitere Informationen zur Angiologie im Kantonsspital Graubünden finden Sie auf www.ksgr.ch/angiologie.

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Ansprechpartner

Dr. med. 
Uwe Schwarzwälder

Stv. Leitender Arzt Angiologie

Tel.+41 81 256 63 99

Fax.+41 81 256 69 93

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