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Aus dem Spital
10.  Mai 2017

Strom-Blackout im Spital

Ein kompletter Stromausfall – oder Blackout – hat relativ grossen Einfluss auf unser Leben. Sei dies Zuhause, im öffentlichen Verkehr oder im Berufsleben. Was aber passiert, wenn in einem Spital der Strom ausfällt?
Wichtige Einrichtungen wie Spitäler haben ausgeklügelte Systeme, die im Falle eines Blackouts zum Zuge kommen. Das System des Kantonsspitals Graubünden wurde in den letzten Jahren modernisiert und Anfang Mai getestet.

In den letzten Jahren ist es in der Schweiz wiederholt zu Strom-Blackouts gekommen. Der ÖV war grösstenteils lahmgelegt, ganze Quartiere waren ohne Strom, Büros und Haushalte waren unplugged und der Verkehr stand wegen ausgefallener Ampeln still. Das Open Air Lumnezia schlug 2016 teilweise ganz leise Töne an, da der Strom ausgefallen war. Ein Stromausfall, der in diesen Beispielen höchstens sehr lästig ist, kann bei einem Spital schwerwiegende Folgen haben.

Ein Komplettausfall hätte gravierende Folgen

Blackout-Test KSGR, letzte Besprechung mit allen Beteiligten vor dem Test im Hörsaal

Letzte Besprechung aller Beteiligten im Hörsaal, bevor es los geht.

Spitäler sind hochtechnisierte und komplexe Gebilde. Ein kompletter Stromausfall wird für ein Spital sehr schnell sehr kritisch. Würde beispielsweise während einer Operation der Strom und damit auch die lebenserhaltenden Maschinen aussteigen, hätte dies fatale Folgen. Auch in den verschiedenen Spitalabteilungen hätte ein Strom-Blackout massive Auswirkungen: Patienten könnten nicht erfasst, Blutproben im Labor nicht analysiert werden, Röntgengeräte und MRI würden nicht funktionieren. Das kleinste Problem wäre da noch das nicht funktionierende Rechnungssystem.

Schnell und modern muss es sein

Blackout-Test KSGR, Kommandozentrale

Die Kommandozentralle während des Blackout-Tests.

Im Ernstfall gibt es keine nationale Prioritätenliste der Stromempfänger. Aus diesem Grund haben Spitäler Backup-Systeme und Notstromaggregate, die blitzschnell einsteigen, wenn es zu einem Stromausfall kommt. So auch im Kantonsspital Graubünden. Das System in Chur, der sogenannte Mittelspannungsring, wurde in den letzten Jahren umfassend modernisiert. Die ersten Vorprojekte laufen seit 2011. Der Ring selbst wurde ab Sommer 2014 geplant. Seit einem halben Jahr ist der Ring physikalisch einsatzbereit.

Gut Ding will getestet sein

Blackout-Test KSGR, Übungsleitung

Die Übungsleitung des Blackout-Tests.

Was im Notfall funktionieren soll, muss entsprechend auch regelmässig überprüft und getestet werden. Getestet werden einzelne Teile eines Systems aber natürlich auch das Gesamtsystem. Dieser Gesamttest fand für den Mittelspannungsring des Kantonsspitals Graubünden am Morgen des 10. Mai statt. «Mit dem Blackout-Test wurde ein weiterer wichtiger Meilenstein des Projekts erreicht.» erklärt Daniel Florin, Abteilungsleiter Elektro und Mechanik der Spitaltechnik im Kantonsspital Graubünden. Mit dem Test konnten wichtige Zusammenschaltungen des Systems überprüft werden. In den einzelnen Gebäuden des Kantonsspitals waren während des Tests rund 40 Spezialisten der Spitaltechnik und des Stromversorgers IBC Chur anwesend. Dies zur Überprüfung, aber natürlich auch aus Sicherheitsgründen, wie Florin ausführt: «Hätte die Steuerung versagt, oder wäre eine Komponente ausgefallen, wäre sofort manuell eingegriffen worden. Danach hätten wir den Fehler sofort lokalisieren und den Test wiederholen können.»

Extrem rasche Reaktionszeit

Mittelspannungsring des Kantonsspitals.

Am 10. Mai um 05:00 Uhr morgens wurde das gesamte Kantonsspital vom öffentlichen Stromnetz getrennt. Der Stromkreislauf des Kantonsspitals musste danach innert kürzester Zeit autonom funktionieren. Florin erklärt, was danach passierte: «Wenn das externe Stromnetz ausfällt, dauert es nur Millisekunden bis alle lebenserhaltenden Systeme in OP und Anästhesie über eine Batterieanlage versorgt werden. Weitere acht Sekunden später starten die Notstromaggregate und versorgen das Kantonsspital zuverlässig mit Strom.» Bereits nach 15 Sekunden werde dabei ersichtlich, ob das System so funktioniert wie es soll.

Notstromversorgung? - check!

Blackout-Test KSGR, Synchronisation mit dem Stromnetz

Synchronisation mit dem IBC-Netz - Blackout-Test war konnte erfolgreich abgeschlossen werden.

Der gesamte Test dauerte eine Stunde und war um 06:00 Uhr erfolgreich abgeschlossen. Zukünftige Tests dauern dann weniger lange. Auf die Frage, wie lange das Kantonsspital denn autonom versorgt werden könne, antwortet Florin gelassen: «Das hängt davon ab, wie lange wir Öl haben. So gesehen mehrere Wochen oder gar Monate. Bei einem grösseren Ereignis würde Öl nachgeliefert.»

Zahlen und Fakten

Das Kantonsspital Graubünden (KSGR) hat einen durchschnittlichen Tagesverbrauch von ca. 29'000 kW/h
zum Vergleich: ein Einfamilienhaus kommt auf einen mittleren Verbrauch von 14 kW/h.

Im KSGR gibt es mehrere Gross-USV-Anlagen (USV = unterbruchsfreie Stromversorgung). Diese versorgen die wichtigen lebenserhaltenden Massnahmen sowie die Kommunikationsanlagen unterbruchsfrei mit Energie. Als weitere Massnahme besitzen die meisten medizinisch relevanten Geräte einen internen Akku zur Überbrückung von Stromausfällen.

Bei einem Unterbruch der Energieversorgung (Ausfall oder Absenkung der Netzspannung um 15 %) startet unser Notstromaggregat automatisch. Spätestens nach 15 Sekunden ist das ganze Haus wieder mit Energie versorgt (betrifft nur Nicht-USV-Anlagen, also z. B. Bürobeleuchtung, PCs in Büros).

Video vom Blackout-Test


Liveübertragung auf Twitter

Wir haben während des Blackout-Tests live vom Geschehen getwittert. Unter dem Hashtag #blackouttest finden Sie unsere Tweets.

KSGR-Twitter-Kanal: https://twitter.com/KantonsspitalGR

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Daniel Florin
Ansprechpartner

Daniel Florin

Abteilungsleiter Elektro und Mechanik, Spitaltechnik

Tel.+41 81 256 67 51

Fax.+41 81 256 67 27

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