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Aus dem Spital
02.  Nov 2018

KSGR-Pflege-Know-how für Nepal

Martin Müller ist Teamleiter Pflege Gastroenterologie am Kantonsspital Graubünden (KSGR). Die Gastroenterologie befasst sich mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und der damit verbundenen Organe wie Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse. Seine Ausbildung hat er in seiner Heimat Deutschland gemacht und ist vor elf Jahren in die Schweiz gekommen. Heute arbeitet er im KSGR in Chur und war letztes Jahr in Nepal, um dort ein Spital beim Aufbau eines nationalen Zentrums für Endoskopie*-Trainings zu unterstützen.

Martin Müller, wie sind Sie zu dem Projekt gekommen?
Organisiert wird das Projekt von der Gastro-Foundation in München. Sie hatten bereits ein Projekt in Afrika und nun eines in Nepal. Dr. Patrick Mosler, der Chefarzt und Leiter Gastroenterologie, wurde angefragt, ob er das Projekt unterstützen möchte. Und ob er jemanden aus der Pflege mitnehmen könne. So bin ich mit dazugekommen und war im April 2017 in Nepal.

War das etwas, das Sie schon immer mal machen wollten?
Nicht unbedingt. Ich war am Anfang auch skeptisch aufgrund meiner Englischkenntnisse. Im Nachhinein war es aber eine super Erfahrung – und mit der Verständigung hat es auch sehr gut geklappt. Ich würde es sofort wieder machen.

Nepal-Hilfsprojekt der Gastroenterology Foundation e.V. – Besuch im Dhulikhel Hospital in Nepal - Namobuddha-Kloster

Nepal-Hilfsprojekt der Gastroenterology Foundation e.V. – Besuch im Dhulikhel
Hospital in Nepal

Wie kann man sich die Klinik vorstellen, die Sie besucht haben?
Sie liegt ungefähr eine Fahrstunde von Kathmandu entfernt. Rein vom Gebäude her entspricht es ungefähr der Grösse des Standorts Fontana. Wie viele Patienten dort liegen, weiss ich leider nicht. Es waren mehrere einzelne Häuser. Einige davon mit markanten Rissen in der Fassade, da es im Vorjahr ein Erdbeben gegeben hatte.

Warum wollte Dr. Mosler jemanden von der Pflege mit dabeihaben?
Wir haben nochmals einen anderen Blick auf die Thematik. Vor allem im Bereich der Desinfektion der eingesetzten Gerätschaften, da die Hygiene ein grosses Thema ist.

Haben Sie sich auf den Besuch vorbereitet?
Natürlich habe ich Berichte studiert, um mich vorzubereiten. Ich bin aber relativ unvoreingenommen angereist und wollte mir erst einmal einen persönlichen Eindruck machen.

Worauf sind Sie dann in Nepal gestossen?
Grundsätzlich war ich positiv überrascht. Es wurde bereits vieles recht gut gemacht. Man muss dazu sagen, dass die Klinik, in der ich war, auch eine Vorbildfunktion für andere Kliniken in der Region haben soll. Die Kollegen in Nepal haben mir die eine oder andere heftige Geschichte aus anderen Spitälern in der Nähe erzählt.

Wie kommt das?
Dort sieht die Hygiene ganz anders aus. In der Schweiz wäre das nicht zulässig. Das hängt mit dem Wissen und dem vorhandenen – oder eben nicht vorhandenen – Material zusammen. Ausserdem geht es bei vielen Fällen darum, akute Gallenkoliken zu behandeln. Da geht es um Leben und Tod. Zeit ist ein grosser Faktor und die Hygiene spielt erst später eine Rolle.

Nepal-Hilfsprojekt der Gastroenterology Foundation e.V. – Besuch im Dhulikhel Hospital in Nepal - Gruppenbild der Kursteilnehmer

Team Gastroenterologie, Dhulikhel Hospital und Kursteilnehmer.

Wie äussert sich das?
Ich weiss von Spitälern im indischen Gebiet, wo die Endoskope von einem Patienten in den nächsten gehen, ohne dass sie dazwischen wirklich gereinigt werden. Das ist schon krass.


Zurück zur Klinik, in der Sie waren. Wie waren Sie untergebracht?
Das war mehr ein Ferienresort in der Nähe, das wir selber gebucht hatten. Wir waren ja auch nur für ein paar Tage dort. In der Unterkunft hat es sich schon fast wie Urlaub angefühlt. Das hat sich dann aber geändert, wenn man das Resort verlassen und die Klinik besucht hat.

Sie waren für fünf Tage dort. Was haben Sie während dieser Zeit gemacht?
Wir haben natürlich einiges an Material mitgebracht. Auch Einwegmaterial, das sie dort vor Ort aber aufbereiten und mehrmals verwenden. Zusätzlich haben wir das Personal am neuen Material ausgebildet und ihnen neue Techniken beigebracht. Leider hatten wir zu der Zeit nicht allzu viele Fälle. Darum konnten wir nicht ganz so viel üben, wie wir das gerne gemacht hätten. An einem Tag haben wir ein Fortbildungsseminar für Ärzte und Pflegepersonal aus der Region gestaltet. In meinem Vortrag ging es um die hygienische Aufbereitung der Endoskope.

Werden Sie wieder nach Nepal reisen?
Das weiss ich im Moment noch nicht. Das Projekt in Nepal läuft gut und steht schon relativ stabil auf eigenen Beinen. Dr. Mosler hat aber bereits andere mögliche Projekte im Visier, bei denen ich dann gerne wieder mithelfen werde. Spruchreif ist da aber noch nichts.

*bei der Endoskopie werden Bereiche im Innern des menschlichen Körpers untersucht und behandelt, die von aussen nicht einsehbar sind. Dies geschieht mit Endoskopen, rohr- oder schlauchförmigen Instrumenten. Umgangssprachlich wird die Endoskopie als Spiegelung bezeichnet.


Lesen Sie auch unseren Blogbeitrag: «Nepal-Hilfsprojekt Gastroenterologie - Besuch im Dhulikhel Hospital»

Weitere Informationen zur Gastroenterologie im KSGR finden Sie auf: www.ksgr.ch/gastroenterologie.

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