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Aus dem Spital
11.  Okt 2018

Hilfe für Äthiopien – mit Beteiligung aus Chur

Dr. med. Samuel Haupt ist seit zwei Jahren Oberarzt auf der Allgemeinchirurgie im Kantonsspital Graubünden (KSGR). Davor arbeitete er in Chur und Davos ebenfalls in der Chirurgie als Assistenzarzt. Er hat in Zürich Medizin studiert. Im Rahmen der Blog-Serie über Auslandeinsätze von Mitarbeitenden des KSGR berichtet er über seine Erfahrungen in Äthiopien.

Samuel Haupt im Auslandeinsatz in Äthiopien.

Wann wuchs in Ihnen der Wunsch, einen Auslandeinsatz als Chirurg zu leisten?
Eigentlich schon relativ früh in meiner Ausbildung. Ich wollte diese jedoch erst abschliessen und Erfahrungen machen, bevor ich mich im Ausland engagiere.

Wie ist es zu Ihrem Einsatz in Äthiopien gekommen?
Ich lernte über Christoph Sommer (Chefarzt Unfallchirurgie am KSGR) Jörg Peltzer, den Leiter des Projektes und Präsident der Stiftung «Schweizer Chirurgen in Äthiopien», im Rahmen einer Weiterbildung kennen. Ich erzählte ihm von meinem Interesse an einem Auslandeinsatz.

Worum geht es bei dem Projekt?
Die Stiftung stellt die Trauma-Versorgung in Äthiopien sicher. In Jimma, einer Stadt im Südwesten Äthiopiens gibt es eine Klinik, die von der Stiftung unterstützt wird. Dort ist die Traumatologie ein Teil der allgemeinen Ausbildung von Chirurgen.

Wie gross ist diese Klinik?
Von den Gebäuden her ungefähr gleich gross wie das KSGR. Von der Einrichtung her wohl vergleichbar mit den kleinsten Spitälern in Graubünden. Es ist ein Universitätsspital und sie haben ein Röntgengerät. Eine Zeit lang gab es einen Computertomographen (CT). Das hat aber nicht funktioniert, weil die Stromversorgung viel zu inkonstant ist. Die Hygienestandards sind nicht mit denen hier zu vergleichen. Ratten und Kakerlaken im Operationssaal sind keine Seltenheit. Es gab auch Situationen, in denen Operationen verschoben werden mussten, da aufgrund von Stromengpässen die Sauerstoffversorgung im Operationssaal nicht gewährleistet war.

Landschaft in Äthiopien.

Um wie viele Menschen muss sich die Klinik in Jimma kümmern?
In ihrem Einzugsgebiet leben rund drei Millionen Menschen. Das sind ungefähr zehnmal mehr als beim KSGR. Ausserdem kommen viele komplexe Fälle nach Jimma. Die einfachen Fälle sieht man dort kaum, da die Anreisewege der Patienten, teilweise im Eselkarren, mehrere Tage dauern.

Wie sah Ihre Arbeit in Jimma aus?
Hier im KSGR bin ich auf der Allgemeinchirurgie. In Jimma war ich von April bis Juni 2017 ausschliesslich in der Unfallchirurgie und Orthopädie tätig. Unsere Aufgabe ist es, die Ärzte vor Ort auszubilden. Das heisst auch, dass ich hauptsächlich assistiert und nicht selbst operiert habe.


Ausbildung in erster Linie?
Es gab einmal Pläne, ein Traumatologie-Zentrum als Erweiterung der Klinik zu bauen. Das ist dann aber an der Korruption vor Ort und der Misswirtschaft der Klinik gescheitert. Dort wo das Zentrum hätte hinkommen sollen, steht heute das Wohnhaus des Klinik-Managers. Heute fokussiert sich das Projekt wieder auf das Operieren und Ausbilden.

Wie viele Chirurgen aus der Schweiz sind in Jimma jeweils vor Ort?
Vorgesehen ist, dass permanent ein Arzt dort ist. Es kann sein, dass einmal für zwei Wochen niemand dort ist. Ansonsten läuft der Turnus seit zehn Jahren recht gut. Wenn aber keine Schweizer Ärzte mehr gefunden werden, die das machen wollen, wird in Jimma nichts mehr passieren. Es gibt keinen ausgebildeten Traumatologen vor Ort. Mit Traumatologie lässt sich nicht genügend Geld verdienen. Entsprechend sind in der Vergangenheit schon ein paar Kandidaten in andere Spezialgebiete abgesprungen.

Wie waren Sie untergebracht?
Es gibt ein Haus, in dem wir Ärzte und die Leute, die Material bringen, untergebracht sind. Dort lebt eine Nanny, die sich um die Gäste aus der Schweiz kümmert. Man fühlt sich sehr willkommen und es ist eine enorme Entlastung. Man kann sich voll und ganz auf die Ausbildung der lokalen Ärzte konzentrieren.

Auch wildlebende Affen sind in Äthiopien anzutreffen.

Sie haben Material-Lieferungen erwähnt. Woher bekommt die Klinik das benötigte Material?
Das kommt meist aus der Schweiz. Chirurgen, die nach Jimma reisen, nehmen das Material mit. Es gibt keine Produktion von Schrauben oder Platten in Äthiopien und dem Land fehlt die Wirtschaftskraft, um das Material einzukaufen. Eine zusätzliche Hürde sind die Importbestimmungen des Landes. Vor einiger Zeit sind zwei chirurgische Bohrmaschinen am Zoll hängengeblieben und bis heute nicht wieder frei gegeben worden.

Wie kann denn ohne das Material dennoch operiert werden?
Nun, man muss mit dem arbeiten, das einem zur Verfügung steht. Die Chirurgen dort sind sehr motiviert zu lernen, wie sie mit wenig oder einfachem Material das Beste erreichen können. Daher ist es auch wichtig, dass erfahrene Ärzte aus der Schweiz kommen. Man braucht die Erfahrung, um unter diesen Umständen arbeiten zu können.

Wer bezahlt die Behandlung der Menschen?
Das müssen die Leute selbst bezahlen. Ein Antibiotikum kostet 50 Rappen, eine Operation nach einem einfachen Knochenbruch ungefähr fünf bis sieben Franken. Das klingt für uns nach sehr wenig. Man muss bedenken, dass meine Arbeit von der Stiftung bezahlt und das Material gespendet wurde. Für die Menschen in Äthiopien sind fünf Franken eine Menge Geld. Das entspricht dem Jahreslohn eines einfachen Bauern. Auch das Essen auf den Abteilungen wird den Patienten von Angehörigen gebracht. Die Menschen sind unglaublich arm.

Planen Sie einen nächsten Einsatz in Äthiopien?
Vorerst ist nichts konkret vorgesehen. Ich würde aber gerne auch in naher Zukunft wieder ein ähnliches Projekt begleiten.


Weitere Informationen zu unserem Departement Chirurgie finden Sie unter:  www.ksgr.ch/chirurgie.

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Samuel Haupt
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Samuel Haupt

Oberarzt Chirurgie

Tel.+41 81 256 68 96

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