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Gesundheit
01.  Mai 2019

Traditionelle Therapieformen aus dem Reich der Mitte

Spitäler wecken Assoziationen an Operationen, Medikamente, Ärzte in weissen Kitteln – die Inbegriffe der westlichen Medizin. Das Kantonsspital Graubünden (KSGR) bietet ergänzend dazu für ambulante Patienten seit kurzem eine wertvolle Ergänzung: die traditionelle Chinesische Medizin. Die auf über 2000 Jahre Erfahrung basierenden Therapieformen richten sich an den Körper als Ganzes und dessen Harmonie.

Seit Oktober 2018 werden am KSGR ambulant ausgewählte Therapieformen aus der traditionellen Chinesischen Medizin angeboten. Flurina Sgier betreut als Spezialistin für Traditionelle Chinesische Medizin Patientinnen und Patienten während zwei Tagen in der Woche am KSGR. Dieses neue Angebot versteht sich als Ergänzung zur westlichen Medizin und kann so einen wertvollen Beitrag zur Genesung leisten.

Von Akupunktur bis Schröpfen
Die Traditionelle Chinesische Medizin basiert auf fünf Säulen: Akupunktur, Arzneimittelkunde, Ernährungsberatung, TuiNa/ AnMo Massage und Qi-Gong. Dabei ist die Akupunktur, also die Behandlung mit Nadeln, die wohl bekannteste Therapieform. Sie und TuiNa/ AnMo Massagen, bei denen durch kneten, streichen, drücken und klopfen Energien zum Fliessen gebracht werden, sind die beiden Therapien, die neuerdings am KSGR praktiziert werden. Zusätzlich dazu werden weitere Therapien angeboten, namentlich Moxa, die Stimulierung der Energien durch das Verbrennen von Beifusskraut, Gua Sha, eine Schabtechnik zur Anregung des Kreislaufes und Schröpfen, das Ausleiten von Schadstoffen durch die Erzeugung eines Unterdrucks auf der Haut. Auch die Ohrakupunktur wird zur Unterstützung eingesetzt.

Akupunktur 01

Die Energie im Fluss
«Ziel der Traditionellen Chinesischen Medizin ist es, Gesundheit, als Harmonie des Körpers, herzustellen.» erklärt Flurina Sgier und ergänzt: «Dazu muss Energie «Qi» ungestört durch den Körper fliessen können.» Komme es im Energiefluss zu Störungen, drücke sich dies durch Krankheiten oder Beschwerden aus. Dieses Ungleichgewicht soll durch die Therapieformen der Traditionellen Chinesischen Medizin beseitigt werden.

Was erwartet Sie, wenn Sie zu Ihrem ersten Termin gehen?
Die Therapie beginnt mit einem ausführlichen Gespräch. Das Sgier hilft, die richtigen Schritte zu finden: «Die Geschichte der Patienten ist für mich zentral, um die Ursache des Problems erkennen zu können.» Bei zwei Patientinnen mit denselben Symptomen, können die Beschwerden unterschiedliche Ursachen haben, erklärt Sgier. Das Gespräch helfe, den Ursprung festzustellen. Aufbauend auf den Erkenntnissen stellt Sgier einen passenden Therapiemix zusammen. Dieser bezieht sich auf die Akupunkturpunkte der betroffenen Leitbahnen und Organe. Die Behandlung kann sich im Verlauf der Therapie ändern, «um sich dem veränderten Gesundheitszustand anzupassen.» ergänzt Sgier.

Traditionelle Chinesische Medizin im Spital – ein Widerspruch?
Dies sei überhaupt nicht der Fall, ist sich Flurina Sgier sicher. Die Traditionelle Chinesische Medizin sei eine optimale Ergänzung zur konventionellen Medizin. Die Therapieformen aus dem Reich der Mitte kommen oft in Fällen zum Einsatz, wo eine Diagnose der Schulmedizin schwierig ist. Zudem können Verbesserungen erreicht werden bei Beschwerden, die durch die Nebenwirkungen von lebenswichtigen Therapien entstehen, wie zum Beispiel bei Übelkeit während der Chemotherapie. Ein weiterer Bereich bei dem Traditionelle Chinesische Medizin im KSGR regelmässig zum Einsatz kommt, ist die Schmerztherapie. Hier funktioniert die Zusammenarbeit zwischen konventioneller und komplementärer Medizin bereits sehr gut. Aber auch bei der Behandlung von Migräne, Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Verdauungsprobleme, Narbenbildung, Allergien, Erschöpfung oder Schlafproblemen - um nur einige zu nennen - kommt Traditionelle Chinesische Medizin zum Einsatz. Die Anwendungsbereiche sind vielfältig. «Für die Behandlung sind übrigens auch Personen ausserhalb des Spitals herzlich willkommen» schliesst Flurina Sgier.

Drei Fragen an Dr. med. Melanie Rehli

Dr. med. Melanie Rehli, Leitende Ärztin Anästhesie/Schmerztherapie KSGR

Warum Akupunktur in einem Spital?
Gerade in einem Spital wird vor allem schulmedizinisch behandelt. Dabei kann durch die Kombination von verschiedenen Techniken oder Behandlungsansätzen manchmal ein besseres Resultat respektive eine grössere Zufriedenheit für den Patienten erreicht werden. Dieses Potential wollen wir nutzen und unterstützen, auch wenn es nicht immer oder für jeden tatsächlich eine objektivierbare Verbesserung gibt.

Wo konkret kann der der Einsatz von Akupunktur in der Schmerztherapie helfen?
Häufig spielen bei chronischen Schmerzen respektive in der Schmerzbehandlung mehrere Dimensionen mit. Neben den Schmerzen sind häufig Schlafstörungen vorhanden, Stress, Verdauungsbeschwerden und Ängste. Hierfür kann die Akupunktur – neben der Schmerzbehandlung an sich - sehr gut ergänzend eingesetzt werden und erreicht den Patienten über ganz andere Wege.

Wo sind die Grenzen?
Selbstverständlich kann auch die Akupunktur nicht «alles». Wie jedes Medikament und jede Behandlung gibt es gute Indikationen, aber auch Grenzen. Diese sehe ich vor allem dann, wenn lebensbedrohliche Erkrankungen oder Verletzungen vorliegen oder Herz-Kreislauf-Probleme dominieren. Oder anders gesagt: Wir werden zum Beispiel nie den notwendigen Einsatz von Antibiotika durch eine TCM-Behandlung ersetzen.

Weitere Informationen zum Angebot der Schmerzsprechstune finden Sie unter www.ksgr.ch/angebot-schmerzsprechstunde

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Flurina Sgier
Ansprechpartner

Flurina Sgier

Akupunkteurin und Tui-Na-Masseurin

Tel.+41 81 255 20 61

Fax.+41 81 256 66 58

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