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Aus dem Spital
09.  Apr 2019

Als Berufsmusiker über die Rekrutenschule zum Medizinstudium

Dr. med. Rolf Eisenegger ist leitender Arzt Arbeitsmedizin und in dieser Funktion auch Personalarzt am KSGR. Ursprünglich kommt er aus Zürich und arbeitet seit rund 20 Jahren am Kantonsspital Graubünden. Er kam als Quereinsteiger von der Musik zur Medizin.

Ist es eine besondere Herausforderung, Personalarzt in einem Spital zu sein?
Nein, eigentlich nicht. Das Publikum kommt meistens selbst aus dem medizinischen Umfeld und weiss da natürlich oft gut Bescheid. Es ist aber auch ein kunterbuntes Publikum. Vom Gärtner über den Chefarzt zum Mitarbeitenden in der Administration.

Wie oft kommen denn Ärzte zu Ihnen? Ich gehe davon aus, dass ein Arzt oder eine sonst medizinisch ausgebildete Fachperson ihre kleinen Zipperlein selber zu behandeln weiss.
Im Rahmen der medizinischen Eintrittsuntersuchung kommen alle Ärzte zu mir. Ärzte mit gesundheitlichen Problemen behandeln sich aber natürlich oft selber. Ich kann helfen, wenn es darum geht, die Kollegen untereinander zu vermitteln, damit auch intern die bestmögliche Behandlung sichergestellt ist. Bei Impfberatungen vor Auslandeinsätzen oder –reisen stehe ich dem Personal natürlich auch immer zur Verfügung.

Welche Vorstellungen des Arztberufes sind Ihrer Meinung nach überholt oder falsch?
Was mir immer wieder sauer aufstösst, ist die herrschende Vorstellung des Arztes als Grossverdiener. Wenn man sich überlegt, wie lange Ausbildung und Weiterbildung zum Facharzt dauern – das sind nicht selten zehn Jahre oder mehr, wie lange die durchschnittlichen Arbeitstage eines Arztes sind und wie oft Ärzte im Prinzip 24/7 verfügbar sein müssen, dann ist das kein Vergleich zu den Salären von Managern oder Bankern. Mir ist bewusst, dass es wie überall auch unter den Ärzten schwarze Schafe gibt und diese oft in den Fokus der Öffentlichkeit gestellt werden, wenn es darum geht, zu beurteilen, ob Ärzte zu viel verdienen oder nicht. Das sind aber Ausreisser nach oben und sollten auch als solche betrachtet werden.

Rolf Eisenegger

Rolf Eisenegger 1994 als junger Musiker (Bild: Eisenegger)

Wann wussten Sie, dass Sie Arzt werden möchten?
Ursprünglich bin ich ausgebildeter Berufsmusiker. Während der Sanitäts-Rekrutenschule habe ich viel mit angehenden Ärzten gesprochen. Das hat mich fasziniert. Ich habe danach erst mein Musikstudium abgeschlossen, auf dem zweiten Bildungsweg die Matura gemacht und danach Medizin studiert.

Welches Instrument spielen Sie denn?
Ich habe Querflöte im Hauptfach studiert, muss Ihnen aber ehrlicherweise gestehen, dass ich seit dem Staatsexamen nicht mehr spiele. Für mich war das Spielen jahrelang Lebensinhalt Nummer eins. Ich habe tagtäglich viele Stunden geübt und bin öffentlich aufgetreten. Ein Niveau, das ich heute mit ein paar Minuten Querflöte alle paar Tage, nicht mehr erreichen kann. Daher sehe ich lieber davon ab. Da sind wohl meine Anforderungen an die Qualität meines Spiels zu hoch. Aber natürlich spielt die Musik immer noch eine sehr grosse Rolle in meinem Leben.

Ist Musik dann auch der beste Weg für Sie, um vom Berufsalltag abzuschalten?
Ja, absolut. Ich höre viel und gerne Musik. Das ist für mich die beste Art der Entspannung. Ich bin ein eingefleischter Klassikfan; höre aber prinzipiell jeden Stil von Musik, Hauptsache gut! Auf eine einsame Insel würde ich allerdings Musik von Johann Sebastian Bach mitnehmen.

Apropos Ärzte und Musik: Kennen Sie Chirurgen, die während der Operation Musik hören?
Ich habe das selber nie erlebt. Wenn ich aber Chirurg wäre, könnte ich mir das gut vorstellen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob mich das nicht zu sehr ablenken würde. Zudem möchte ich einem Operationsteam nicht meinen Musikgeschmack aufzwingen. Wenn zum Beispiel ein Chirurg Wagner-Fan ist und bei jeder Operation «Die Walküre» hören will, kann das für das Team mühsam sein.

Rolf Eisenegger

Eisenegger bei der Arbeit im KSGR.

Wurden Ihnen in Ihrer Funktion als Arzt schon seltsame oder absurde Fragen gestellt?
Ich hatte einen Lehrer, der zu sagen pflegte: «Denken heisst, sich Fragen stellen.» In diesem Sinne gibt es für mich keine dummen Fragen. Jede Frage hat ihren Grund, auch wenn sich dieser dem Befragten nicht auf den ersten Blick erschliesst.

Was sind für Sie die schönsten Erlebnisse in Ihrem Beruf?
In meinem Setting als Personalarzt sind das oft ganz kleine Dinge. Ich führe ja keine Herzoperationen oder ähnliches durch. Ich erinnere mich an eine Patientin, die zu mir gekommen ist, weil sie plötzlich auf dem einen Ohr nichts mehr hörte und sich grosse Sorgen machte. Es war dann lediglich ein verstopftes Ohr. Ich konnte sie mit einer Ohrspülung «heilen» und sie war sehr glücklich danach. Es gefällt mir, wenn man dem Patienten mit medizinisch kleinem Aufwand etwas Gutes tun kann.

Wie hat sich der Arztberuf verändert?
Ich denke, die technische und wissenschaftliche Entwicklung in den letzten Jahren war enorm. Das hat Vor- und Nachteile. Ich kann mich an eine Zeit erinnern, als Verlaufseinträge noch mit einer Schreibmaschine erfasst werden mussten. Fehler wurden mit Tipp-Ex korrigiert. Dann gab es ein physisches Dossier und wenn ich am einen Ende des Spitals war und das Dossier am anderen, musste einer von beiden den Weg quer durch das ganze Haus machen. Heute kann ich mich überall im Kantonsspital an einem PC einloggen und habe sofort alle nötigen Daten, Bilder und Informationen zur Verfügung. Das macht den Job einfacher, sorgt aber gleichzeitig auch für mehr Komplexität und stellt hohe Anforderungen an den Datenschutz. Es muss sichergestellt werden, dass all diese Daten nicht einfach von jedermann eingesehen werden können. Da tragen wir eine grosse Verantwortung und diese nehmen wir als Spital auch wahr.

Es gibt eine Unmenge an frei zugänglichen Informationen, Stichwort Google. Hat das Einfluss auf Ihren Job?
Ja, das hat natürlich auch Einfluss auf unsere Arbeit. Wenn jemand beispielsweise Blut im Urin entdeckt und bei Google nach diesem Symptom sucht, kann er sehr schnell auf schwere Erkrankungen als Ursache dafür stossen. Das kann sehr beunruhigend sein. Unsere Aufgabe als Ärztinnen und Ärzte ist es dann, den Patienten zu beraten und die richtigen Untersuchungen und Behandlungen einzuleiten.

Tendiert der Mensch dazu, das Schlimmste zu erwarten?
Hypochonder gab es schon immer. Genauso wie Menschen, die jegliche Signale ihres Körpers ignorieren. Dazwischen gibt es alle möglichen Abstufungen. Das wird wohl auch immer so sein. Da lässt sich meiner Meinung nach keine allgemeingültige Aussage treffen. Die Rolle von Ärztinnen und Ärzten sehe ich aber auch darin, wo nötig, beruhigend oder warnend Einfluss zu nehmen und zu beraten.

Wen bewundern Sie?
Da gibt es zwei Menschen. Erstens meinen Querflötenlehrer am Konservatorium. Bei ihm bin ich nicht nur ein besserer Musiker geworden. Ich habe mich dank ihm auch menschlich stark weiterentwickeln können. Dafür bin ich heute noch dankbar. Der zweite ist unser Familienarzt, den wir hatten. Er war für mich als Arzt ein Vorbild. Eine enorm empathische und aufmerksame Persönlichkeit.

Weitere Informationen zur Arbeitsmedizin am KSGR finden Sie unter www.ksgr.ch/arbeitsmedizin

2 Kommentare
27.  Jul 2019

Anneliese Sauter

Grüezi Herr Eisenegger
Ich habe aus anderem Grund etwas gegoogelt und bin auf den Bericht aus dem KSGR gestossen. Ich erinnere mich noch gern an Sie und Ihre menschliche = verständnisvolle Art. Ich bin froh, dass ich das Berufsleben hinter mir habe und geniesse bei bester Gesundheit mein Rentnerinnenleben nunmehr seit bereits 112 Jahren.
Alles Gute und freundliche Grüsse!
Anneliese Sauter
Ex-Sekretärin Kardiologie KSGR

29.  Jul 2019

Rolf Eisenegger

Grüezi Frau Sauter
Ich kann mich gut und gerne an Sie erinnern. Herzlichen Dank für das nette Kompliment, welches mich sehr gefreut hat.
Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und grüsse Sie freundlich
Rolf Eisenegger

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Dr. med. 
Rolf Eisenegger

FMH Arbeitsmedizin, Innere Medizin, Leitender Arzt

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