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Aus dem Spital
28.  Mrz 2019

«Die Philosophie hat ihren Platz in der Medizin»

Pascal Meier ist seit August 2018 Chefarzt Kardiologie am Kantonsspital Graubünden. Aufgewachsen ist er in Däniken im Kanton Solothurn, ist in Olten zur Schule gegangen und hat in Bern studiert. Über mehrere Stellen im Ausland (USA und England) ist er im Kantonsspital Graubünden gelandet.

Pascal Meier

Prof. Dr. med. Pascal Meier im Herzkatheterlabor des KSGR...

Gibt es eine Klischee-Vorstellung von Ärzten, die in Ihren Augen einfach nicht stimmt?
Wenn auch oft nicht ganz ernsthaft, bezeichnet man Ärzte als «Halbgötter in Weiss». Das ist überholt. Wir arbeiten heute zunehmend in spezialisierten Teams, eine erfolgreiche Behandlung liegt heute selten an einem einzigen Arzt, sondern ist das Resultat von Team-Arbeit. Deshalb müssen wir grossen Wert auf die Team-Entwicklung legen.

Wann wussten Sie, dass Sie Arzt werden möchten?
Das war in meiner Jugendzeit, im Alter von 17 oder 18 Jahren. Ich ging damals oft und viel Bergsteigen und interessierte mich entsprechend stark für das Thema Bergrettung. Ich wollte zur Rega gehen und dort als Arzt mithelfen. So bin ich dann zum Medizinstudium gekommen. Im Verlauf des Studiums traf ich dann auf Professor Marc Gertsch. Er war Kardiologe und ein weltweit bekannter Spezialist für EKGs. Er entsprach dem Klischee des «zerstreuten Professors». Er war ein sehr philosophischer, hochintelligenter und im witzigen Sinn auch etwas zerstreuter Mensch, ich könnte etliche lustige Episoden dazu erzählen. Er war enorm begeistert von seinem Fachgebiet, und hat diese Freude auch so ausgestrahlt, das hat sehr auf mich abgefärbt. So bin ich auf die Kardiologie gekommen. Prof. Gertsch ist mittlerweile leider verstorben. Für mich ist er aber nach wie vor der Ursprung meiner Kardiologen-Karriere und ein wichtiger Mentor, von dem ich sehr viel gelernt habe.

...und zum Ausgleich in der freien Natur beim Skifahren....

Sie haben das Bergsteigen erwähnt. Ist das heute auch noch ein Weg für Sie, um vom Berufsalltag abzuschalten?
Ja, unbedingt. Wenn ich dazu komme, treibe ich gerne Sport in der freien Natur: Biken, Wandern, im Winter Langlaufen und Skifahren. Da ist das Kantonsspital Graubünden natürlich auch der ideale Arbeitsort (lacht). Ich habe direkt vor der Haustüre die Möglichkeit, in meiner Freizeit den Kopf durchzulüften. Oft fallen mir dabei gute Ideen ein, so z.B. für die Weiterentwicklung der Klinik oder Forschungsideen.

Was bietet Ihnen das Kantonsspital Graubünden sonst noch?
Das Spital hat eine optimale Grösse. Es ist gross genug, so dass man spezialisierte und komplexe Therapien in der Kardiologie anbieten kann. Gleichzeitig ist es kein Riesenbetrieb, in dem man sich gegenseitig nicht mehr kennt. Das KSGR ist ein familiärer Betrieb mit einer sehr angenehmen, freundlichen Atmosphäre. Das ist wunderbar bei der täglichen Arbeit und ich bin sicher, das spüren auch unsere Patienten.

Sie kennen auch die grossen Kliniken.
Ja genau. Die grössten, in denen ich gearbeitet habe, waren wohl die Unispitäler in Michigan und Yale in den USA. Das sind sehr grosse «Betriebe», es ist auch dort sehr schön und spannend zum Arbeiten, aber sicher ist es hier sowohl für uns als auch für die Patienten sehr viel familiärer.

Gibt es Ereignisse aus Ihrem Berufsalltag, die Ihnen stark in Erinnerung geblieben sind?
Ich hatte vor einiger Zeit eine Patientin, die mit einem Herzinfarkt eingeliefert wurde. Sie hatte einen so grossen Herzinfarkt, dass das Herz so schwach wurde, dass sie keinen Blutdruck mehr hatte und wiederbelebt werden musste. Unter Wiederbelebung (CPR, Kompression des Brustkorbes und Beatmung) war die Herzuntersuchung stark erschwert. Wir fanden ein verschlossenes Herzkranzgefäss als Ursache. Die Wiederbelebung dauerte relativ lange - über eine Stunde - und es bestand deshalb nur wenig Hoffnung, dass die Patientin das überlebt. Glücklicherweise hat sie sich wieder praktisch vollstängig und ohne Hirnschaden erholt, auch wenn erst nach einem längeren Spitalaufenthalt. Das sind Fälle, die einem in Erinnerung bleiben.

Pascal Meier

...oder beim Biken.

Sie haben im Zusammenhang mit Prof Gertsch die Philosophie erwähnt. Wie viel Philosophie hat Platz im Berufsalltag eines Arztes?
Ich denke, da gibt es durchaus Berührungspunkte. Medizin ist keine «Schwarz-Weiss-Wissenschaft», da jede Person sehr individuell ist, wir sind mit schweren Krankheiten und leider manchmal auch mit dem Tod konfrontiert. Da stellen sich durchaus auch philosophische Fragen. 

Hat sich Ihr Beruf in den vergangenen zehn Jahren stark verändert?
Es ist sicher so, dass sich die Medizin und insbesondere auch die Kardiologie rasant weiterentwickelt haben. Dadurch ist auch die Spezialisierung in den einzelnen Bereichen viel höher geworden. Wie ich eingangs erwähnt habe, spielt deshalb eine gute Teamarbeit eine zunehmend wichtige Rolle.

Die technische Entwicklung bringt auch mit sich, dass Patienten viel besser informiert, manchmal auch falsch informiert sind. Was halten sie von Dr. Google?
Es ist natürlich sehr gut, wenn sich Patienten informieren. Das passiert auch immer häufiger. Es ist toll, wenn sich Patienten einbringen und auch mitdiskutieren. Den richtigen Weg findet man im gemeinsamen Dialog auf Augenhöhe. Das Problem mit Dr. Google ist einfach, dass die Informationsflut im Internet enorm ist. Für den Laien ist es nicht einfach herauszufinden, ob Informationen aus dem Netz korrekt sind und auf seine Situation zutreffen. Für die Recherche im Internet ist es daher wichtig, dass man sich auf sichere und vertrauenswürdige Quellen verlässt. Zum Beispiel auf die Website des Kantonsspitals Graubünden und für kardiologische Fragen auch auf die Seite der Schweizer Herzstiftung.

Schauen Sie Arztserien?
Früher habe ich sehr gerne bei «Scrubs» zugeschaut. Es ist natürlich Comedy und dadurch sehr überspitzt dargestellt. Den Berufsalltag, die Arbeitsbelastung der Assistenzärzte und die damit verbundene Überlagerung von Privat- und Berufsleben in der Serie habe ich aber schon auch wiedererkannt - wie gesagt: in sehr überspitzter Form.

Weitere Informationen zur Kardiologie finden Sie unter www.ksgr.ch/kardiologie.

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Ansprechpartner

Prof. Dr. med. 
Pascal Meier

Chefarzt Kardiologie, FMH Kardiologie und Innere Medizin

Tel.+41 81 256 63 28

Fax.+41 81 256 66 61

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