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Aus dem Spital
18.  Apr 2018

Seit über 30 Jahren im Dienste eines Mitmenschen

Claudia Hatzer

Seit über 30 Jahren im Dienste eines Mitmenschen, Claudia Hatz.

Wenn jemand das Attribut «eine Seele von Mensch» verdient, ist das wohl Claudia Hatz. Die bald 80-Jährige steht seit 1986 freiwillig im Einsatz für die Menschen im Kantonsspital Graubünden. Sie ist Mitglied der Organisation IDEM (im Dienste eines Mitmenschen).

Unter der Bezeichnung IDEM leisten seit den 1980er Jahren in Schweizer Spitälern Menschen ehrenamtlich einen grossen Beitrag zum Wohlbefinden der Patienten. Zu den Aufgaben der freiwilligen Helfer im KSGR gehören der Empfang und die Begleitung der Patienten beim Spitaleintritt; die Auskunft an Besucher und Patienten; Krankenbesuche, Gespräche, Spaziergänge, Spiele, kleine Besorgungen; der Bücherverleih, der Kaffeeservice für Patienten und Besucher sowie Begleitung zum Gottesdienst im Haus.

Man wünscht jedem Kind eine solche Grossmutter

Claudia Hatz ist eine elegante, herzlich aufgestellte und belesene Dame und sorgt im Kantonsspital Graubünden dafür, dass den Patienten und Besuchern stets eine passende Auswahl an Literatur, Bildbänden und Zeitschriften gratis zur Verfügung stehen. Man kennt sie im KSGR. Während des Interviews wird sie immer wieder herzlich gegrüsst und es werden zwei-drei nette Worte ausgetauscht. Man kommt nicht umhin, einem jeden Kind eine solche herzensgute Grossmutter zu wünschen.

Zu Beginn zu zehnt – heute rund 100

Als Claudia Hatz im KSGR angefangen hat, stand vor allem die Betreuung von Patienten im Vordergrund. «Wir verbrachten Zeit mit Patienten, die nicht von Angehörigen oder Freunden besucht wurden. Wir unterhielten uns mit ihnen über Gott und die Welt.» Damals bestand das Freiwilligenteam aus ungefähr zehn Leuten. Heute stehen im KSGR über 100 Leute im freiwilligen Einsatz für das Wohl der Patienten.

Männer bevorzugen Bildbände

1988 übernahm Claudia Hatz die Aufgabe, eine fahrende Bibliothek einzurichten. «Wir haben uns zu Beginn einen Grundstock an Büchern angeschafft und zusätzlich bei der damaligen schweizerischen Volksbibliothek Bücher ausgeliehen.» Für die männlichen Patienten haben Frau Hatz und ihr Team auch viele Bildbände beschafft. «Männer schauen sich lieber Bildbände an, als einen Roman zu lesen.» lacht Claudia Hatz. Der Bücherwagen geht auch heute noch zweimal pro Woche auf Tour im KSGR. Auf jeder Station gibt es ausserdem einen Taschenbuchständer. Da bedienen sich auch die wartenden Besucher gerne einmal. Die Taschenbücher sind Spenden.

Der Bücherwagen als Eisbrecher

Natürlich bemerkt auch Claudia Hatz, dass das Buch heute etwas weniger gefragt ist, als noch vor ein paar Jahren. «Heute hat man einen grossen Fernseher. Die meisten haben einen Laptop, ein E-Book oder ein Handy mit dabei.» Der reine Buchverleih sei ja aber auch nicht die Hauptaufgabe. «Es geht darum, die Patienten etwas abzulenken, ein Schwätzchen mit ihnen zu halten und sie vielleicht gar vergessen zu lassen, dass sie in einem Krankenbett liegen.» Manchmal helfe da der Bücherwagen auch einfach als Eisbrecher. «Wir zwängen uns niemandem auf. Manchmal entstehen dadurch aber die tollsten Gespräche.»

Belletristik, Biographien, Magazine und Klatschheftchen

Romane, Krimis und Biografien werden am meisten ausgeliehen. Aber auch Magazine wie «GEO» oder «National Geographic» stehen bei den Patienten hoch im Kurs. «Viele Damen lesen aber auch gerne die klassischen Klatschheftchen. Die bekommen wir jeweils von einem Damen-Coiffeursalon.» Das seien dann zwar nicht die neuesten Ausgaben «aber der Klatsch von letzter Woche ist auch heute noch aktuell, zudem helfen die Kreuzworträtsel, die Zeit zu vertreiben».

Lesen – auch um Sprache zu lernen

Claudia Hatzer

Claudia Hatz mit ihrem Bücherwagen im Kantonsspital Graubünden.

Sollte ein Patient überhaupt keine Ahnung haben, welches Buch er lesen solle, helfen Claudia Hatz und ihr Team stets gerne mit kompetenter Beratung aus. Ein besonderes Lieblingsbuch hat Claudia Hatz nicht. Man vermutet, dass sie sich nicht auf ein einziges festlegen mag. «Ich lese sehr gerne und sehr viel. Am liebsten Biographien» verrät sie dann ihre Vorliebe. Es sei auch sehr spannend, wer was und vor allem in welcher Sprache lese. «Wir hatten vor kurzem eine Amerikanerin, die sehr glücklich war, als wir ein paar englische Bücher vorschlagen konnten.» Eine junge Dame aus Eritrea habe darauf bestanden, deutschsprachige Bücher zu lesen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Beeindruckende Patienten

Im täglichen Kontakt mit Patienten ist Claudia Hatz immer wieder beeindruckt, wie positiv Patienten mit ihrer Situation umgehen – allen voran diejenigen, die in ihrem Leben schon viele Schicksalsschläge verkraften mussten. «Da werden die eigenen kleinen Problemchen plötzlich sehr klein.»

Eine grosse Familie

Ihre Freiwilligenarbeit scheint Claudia Hatz auch ganz persönlich viel Halt zu geben. Das Freiwilligenteam im KSGR sei schon fast wie eine Familie. «Aber auch mit den Angestellten haben wir ein schönes Verhältnis. Auf allen Stationen herrscht eine gute Atmosphäre. Von der Putzfrau bis zum Chefarzt werden wir mit Wohlwollen auf unserer Tour wahrgenommen. Auch die meisten Patienten schätzen unseren Service. Das ist Motivation für unseren freiwilligen Dienst». Für die Freiwilligen gibt es einmal pro Jahr ein feines und festliches gemeinsames Abendessen im Restaurant des KSGR. «Das ist dann jeweils richtig schön dekoriert und wir werden sehr aufmerksam bedient, was alle sehr schätzen». Zusätzlich gibt es jedes Jahr eine Weiterbildung für die Freiwilligen sowie einen gemeinsamen Ausflug.

Erholung für das Gemüt

Auch diesen Freitag werden Claudia Hatz und eine ihrer Kolleginnen wieder auf ihre Büchertour gehen, wenn gewünscht, mit den Patienten etwas plaudern und so dafür sorgen, dass sich nicht nur deren Körper, sondern vielleicht auch ein wenig das Gemüt erholt.

Möchten Sie auch ein Teil der IDEM werden? Weitere Informationen dazu und mehr finden Sie unter IDEM.

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