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Aus dem Spital
17.  Okt 2019

Das Zentrallabor am KSGR: wie der Maschinenraum eines Dampfers

Hinter dem, was Patienten oft mit bunten Röhrchen, Wartezeiten und einer zusätzlichen Rechnung in Verbindung bringen, steckt viel mehr. Das Zentrallabor des Kantonsspitals Graubünden (KSGR) liefert wichtige Daten zur Diagnose, Behandlung und Prävention von Krankheiten. Eine Arbeit, die hohe Anforderungen an die Qualität stellt. Um dem gerecht zu werden, entwickelt sich das Zentrallabor stetig weiter — so wie vergangenen Juli mit dem Erhalt der Akkreditierung.

Mikroskopieren von Präparaten bei Verdacht auf einen bakteriellen Infekt.

Mikroskopieren von Präparaten bei Verdacht auf einen bakteriellen Infekt.

Wenn man das Zentrallabor betritt, befindet man sich inmitten zahlreicher technischer Apparate. Bei diesem Anblick überrascht der Vergleich von Dr. med. Martin M. J. Risch, Leiter des Zentrallabors, wenig: «Das Labor ist für das KSGR was für einen Dampfer der Maschinenraum ist. Wir steuern nicht das Schiff, aber leisten einen wichtigen Beitrag, dass die Dienstleistungen rund um die Uhr gewährleistet werden können.» Im Zentrallabor werden Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin, Hirnflüssigkeit sowie Abstriche aus Wunden untersucht. Die Resultate dieser Untersuchungen bilden wichtige Datenpunkte für Entscheidungen im gesamten Spital.

Entlang des gesamten Krankheitszyklus
Die ungefähr drei Millionen Analysen pro Jahr dienen verschiedenen Zielen: Einige Untersuchungen unterstützen die Ärzte bei der Diagnose, andere geben Hinweise auf die Wirksamkeit von Therapien. Während der Therapie werden die Patienten oft mit unterschiedlichen Messgrössen wie zum Beispiel Entzündungsmarkern, Blutbildern und Leberenzymen überwacht, damit die Therapie optimal gesteuert und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden können. Aber auch aus mikrobiologischem Material werden Keime identifiziert und Resistenzprüfungen vorgenommen, die einen unmittelbaren Einfluss auf eine korrekte antibiotische Therapie und Isolationsmassnahmen haben. Aufgrund des breiten Spektrums an Dienstleistungen steht das Zentrallabor praktisch mit sämtlichen patientennahen Einrichtungen im Spital mehrmals am Tag im Austausch. Der stetige Informationsaustausch zwischen der Klinik und dem Zentrallabor ist von zentraler Bedeutung.

Die Klassische Handpipettierung ist weitgehend durch automatische Pipettiersysteme abgelöst worden.

Im vollautomatisierten Labor ist die Handpipettierung nicht mehr eine häufige
und typische Tätigkeit....

Hohe Verfügbarkeit, schnelle Resultate
Routineuntersuchungen, Tests von der Notfallstation und Untersuchungen nach einer Operation — «hinter den Röhrchen mit den Proben stecken verschiedene Schicksale», betont Sandra Hutter, leitende biomedizinische Analytikerin, «dabei werden unterschiedliche Anforderungen an das Labor gestellt, insbesondere bezüglich des Timings.» Es gibt Tests, beispielsweise in der Onkologie, wo die Resultate innerhalb eines abgemachten Zeitintervalls vorliegen müssen. Bei anderen Proben eilt es weniger. Den nötigen Takt zu finden, um die Proben zu untersuchen, ist gleichzeitig Herausforderung wie Notwendigkeit. «Die Röhrchen mit den Proben sind angenehm stille Kunden, aber es wäre manchmal einfacher, wenn sie sich melden würden, wenn es eilt», fügt Dr. Risch mit einem Augenzwinkern hinzu.

Qualität steht im Zentrum
Bei der Arbeit des Zentrallabors steht die Qualität im Zentrum. An die Resultate werden höchste Anforderungen gestellt, die stabil erfüllt werden müssen. So ist das Qualitätsverständnis im Zentrallabor des KSGRs sehr hoch. Dieses wurde nun auf die nächste Stufe gebracht, indem sich das Zentrallabor erfolgreich akkreditieren liess. Seit dem 10. Juli 2019 ist das Labor unter der Akkreditierungsnummer STS 0663 gemäss ISO 15189 offiziell akkreditiert. Eine Akkreditierung erfordert, dass man alle Prozesse definiert und festhält. Diese werden anschliessend von Fachexperten eruiert und überprüft.

...sie ist weitgehend durch automatische Pipettiersysteme abgelöst worden.

Ein langer, aber ein lohnender Weg
Die Norm allein umfasste um die achtzig Seiten. Die Akkreditierung dauerte rund fünf Jahre — eine lange Zeit, in der Prozesse definiert, Entscheidungen getroffen und Lösungen gefunden wurden. Dies schaffte Strukturen, die heute Sicherheit geben und Stabilität gewährleisten. Angesprochen auf die Vorteile der Zertifizierung sagt Sandra Hutter: «Bereits vor der Zertifizierung hatte jeder von uns ein Verständnis für Qualität, jetzt haben wir alle dasselbe.» Ein neues «Mindset» und auch ein neuer Teamgeist sind Errungenschaften der Zertifizierung. Das Gütesiegel ermöglicht zudem die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen und erleichtert die Teilnahme an Studien. Aus heutiger Sicht kann der Prozess bereits als Erfolg betrachtet werden — auch wenn die Arbeit aufwändiger wurde und mehr Dokumentationsaufwand entsteht, ist das Team froh um die Errungenschaft. Eine Errungenschaft, die das einwandfreie Funktionieren des Maschinenraums des KSGR garantiert.

Weitere Informationen zum Zentrallabor finden Sie unter www.ksgr.ch/zentrallabor.

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Ansprechpartner

Sandra Hutter

Leitende MBA Zentrallabor

Tel.+41 81 256 65 34

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